Vorsicht Fälschungen: Augen auf beim Pillen-Kauf im Internet
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Vorsicht FälschungenAugen auf beim Pillen-Kauf im Internet

Wer online Medikamente bestellt, kann sich nicht auf deren Echtheit verlassen. Viele Präparate enthalten sogar giftige Stoffe.

von
Santina Russo

Nicht nur Kleider oder Elektronik, auch Medikamente werden übers Internet gekauft. Doch Vorsicht: 50 Prozent der online bestellten Mittel sind gefälscht. Pro Jahr schlucken Menschen hierzulande 20'000 bis 40'000 Päckchen gefälschte Pillen (siehe Box). Diese stammen meist aus Indien oder China und werden in Europa über vermeintlich seriöse Websites angeboten.

«Die gefälschten Mittel sind von Auge meist nicht von den Originalen zu unterschieden», sagt Ruth Mosimann vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic. Klarheit schafft nur eine Untersuchung im Labor. Viele Medikamente enthalten überhaupt keinen Wirkstoff, sondern nur Zucker. «Das ist nicht der schlimmste Fall», sagt Mosimann. Denn häufig weisen solche Präparate zu hohe Dosierungen auf oder sind mit schädlichen Stoffen versetzt und damit ein grosses Risiko für die Gesundheit.

Doch auch wenn der Wirkstoff echt ist, sollte man bei Medikamentenkäufen im Internet Vorsicht walten lassen, wie Margrit Kessler, Präsidentin der Schweizer Stiftung SPO Patientenschutz und Nationalrätin GLP, im Interview sagt.

Gibt es für Medikamente überhaupt verlässliche Online-Shops?

Margrit Kessler: Kaum. Die einzige Ausnahme bilden manche Versandapotheken, wie es sie vereinzelt in der Schweiz, doch in Deutschland in grosser Zahl gibt. Dort können auch nicht rezeptpflichtige Medikamente, etwa Kopfschmerztabletten, bestellt werden. Gesetzlich erlaubt ist der Kauf eines Monatsbedarfs. Aber auch hier ist Vorsicht angebracht.

Was kann man tun, um sich zu schützen?

Vor einer Bestellung aus Deutschland würde ich einen Kontrollanruf in der Apotheke machen, um sicherzugehen, dass es sich nicht um eine vorgetäuschte Website handelt. Die Website selbst sollte unbedingt das Logo des Versandapothekenregisters DIMDI aufweisen. Ansonsten gilt: Hände weg vom Internet.

Warum bestellen Menschen denn trotz des Risikos online?

Weil es ihnen unangenehm ist, für ein Rezept zum Arzt zu gehen, beispielsweise bei Erektionsstörungen. Oder auch, weil der Arzt ihnen das gewünschte Mittel aus gutem Grund nicht verschreibt, so etwa Schlankmacher oder süchtig machende Psychopharmaka. Solche rezeptpflichtigen Präparate sollten Patienten ohnehin nur mit ärztlicher Betreuung einnehmen. Alles andere ist riskant.

«Wissen»

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Gefährliche Fälschungen

Am häufigsten gefälscht werden Potenzmittel. Diese können Wirkstoffe enthalten, die Magenblutungen auslösen. Gefährlich sind auch manche als «rein pflanzlich» angepriesene Schlankheitspillen. Sie enthalten einen in der Schweiz und der EU verbotenen Wirkstoff, der Psychosen und Herz-Kreislauf-Beschwerden auslösen kann. Auch ist der Konsum von gefälschten Muskelaufbauprodukten riskant: Enthalten sie eine zu hohe Dosis, lösen sie Herzprobleme aus.

Margrit Kessler

Präsidentin der Schweizer Stiftung SPO Patientenschutz und Nationalrätin GLP

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