Aktualisiert 18.05.2016 16:23

Totgetretener Sennenhund

«Augen waren verdreht und Zunge hing heraus»

Die Herisauerin Martina Trolp kann den Anblick ihres totgetretenen Sennenhundes Chicco nicht vergessen. «Es war fürchterlich.»

von
nab
Nachdem der Berner-Sennenhund-Mischling «Chicco» totgetreten wurde, ist die Anteilnahme auf Facebook riesig.

Nachdem der Berner-Sennenhund-Mischling «Chicco» totgetreten wurde, ist die Anteilnahme auf Facebook riesig.

Kein Anbieter/Facebook

Der Schock über ihren zu Tode getretenen Berner-Sennenhund-Mischling sitzt immer noch tief, sagt Martina Trolp (53) zur «Appenzeller Zeitung». Der Anblick sei grausam gewesen: «Die Augen waren verdreht, die Zunge hing aus dem Maul heraus und er war ganz blau.» Sie könne nachts kaum mehr ein Auge zu tun.

Chicco wurde vergangenen Donnerstag von einem psychisch angeschlagenen Mann an der Oberdorfstrasse Herisau AR totgetreten. Der 30-Jährige trat mehrfach und heftig auf den am Metallpfosten angeleinten Hund ein. Als sich Passanten einmischten, floh er. Am Samstag konnte er dann von der Ausserrhorder Kantonspolizei festgenommen werden.

Der Vorfall habe sich aber nicht genau so ereignet, wie es in den Polizeimeldungen mitgeteilt wurde, erzählt die 53-Jährige. Sie habe Chicco nicht am Tatort, sondern vor dem Beistandsamt angeleint. Bauarbeiter hätten dann beobachten können, wie der Täter das Tier losleinte und an den späteren Tatort gezerrt habe. Nach der brutalen Attacke habe sich ein herbeigerufener Taxifahrer geweigert, den verletzten Hund mitzunehmen. Schliesslich wurde der Hund vom Tierarzt abgeholt. Später erlag er seinen inneren Verletzungen.

Zweimal an einem Hirntumor erkrankt

«Das Einzige, was ich von Chicco nach Hause nehmen konnte, war das Halsband und die Leine», so Trolp. Doch selbst diese Erinnerungsstücke habe sie nun abgeben müssen. Die Polizei benötige sie für die Spurensicherung.

Wie die «Appenzeller Zeitung» schreibt, hatte Trolp den Hund schon seit zwölf Jahren. Er war als viermonatiger Welpe zu ihr gekommen. Chicco habe viele Freunde gehabt – sowohl zwei- wie auch vierbeinige. Er sei ihr stets zur Seite gestanden – auch in schweren Zeiten. Und solche hatte Trolp genug: Zweimal sei sie an einem Hirntumor erkrankt und habe sich mehreren Operationen und Chemotherapien unterziehen müssen. Sie vermisse Chicco sehr.

Grosse Anteilnahme

Die Anteilnahme der Leute sei überwältigend, so Trolp. «Viele Leute boten mir ihre Hilfe an.» Auch auf Facebook ist die Betroffenheit gross. Nachdem ein Nutzer ein Bild in der Gruppe «Du bisch vo Herisau, wenn...» von einer Kerze und Blumen am Tatort postete, mehren sich betroffene Kommentare wie: «Arme Schatz, es tut mir so leid, was dir angetan wurde» Oder: «Komm gut über die Regenbogenbrücke. Es ist traurig, dass es solche Menschen gibt». Andere User sind wütend. So heisst es etwa: «Herisau ist klein. In Herisau erfährt man, wer es gewesen ist. Und Herisau wird ihm das Leben zur Hölle machen.»

Einzigartiger Fall

Im vorliegenden Fall handle es sich ganz klar um Tierquälerei, sagt Marcel Wehrlin, Mediensprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei. Dem Täter drohen dafür eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten. Ein ähnlicher Vorfall sei ihm nicht bekannt.

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