Ferragosto: August und trotzdem daheim
Aktualisiert

FerragostoAugust und trotzdem daheim

Was vor wenigen Jahren noch als Schande galt, ist jetzt gang und gäbe. Italienische Grossstädter bleiben zu Hause.

Die italiensichen Grossstädter gehen nicht mehr ans Meer.

Die italiensichen Grossstädter gehen nicht mehr ans Meer.

Vor Jahren noch galt es als Blamage, wenn nicht gar als Schande: Wer in Italien etwas auf sich hielt, verbrachte den August auf keinen Fall daheim in Rom, Mailand oder Neapel, sondern am Meer.

Geschäfte waren wochenlang geschlossen, Apotheken verriegelt, Ärzte lagen am Strand. Das scheint sich jetzt zu ändern.

Pünktlich zum 15. August, Italiens höchstem Feiertag, dem traditionellen Ferragosto, vermeldet das Statistikamt Censis eine Trendwende: Laut einer Studie bleiben demnach 60 Prozent der Grossstadtbewohner, wo sie sind. Und das trotz strahlenden Sonnenscheins, hohen Temperaturen und Schwüle in den Metropolen.

Italiener müssen Gürtel enger schnallen

Soziologen und Meinungsforscher führen die allmähliche Abkehr von Gewohnheiten vor allem auf wirtschaftliche Zwänge zurück. Italien muss wegen der Krise den Gürtel enger schnallen. 82 Prozent der einkommensschwachen Familien verzichten auf die Sommerreise, ergab die Studie. Nur jeder dritte Rentner kann sich Ferien gönnen.

«Es wird weniger ausgegeben, die Reisen werden kürzer», sagt ein Censis-Sprecher. Vor allem Familien mit Kindern müssten den Rotstift ansetzen. Italiener, die sich weiterhin Ferien leisten können, bevorzugen Badeorte an der italienischen Küste. Lediglich 17,5 Prozent der Italiener reisen ins Ausland. Zudem würden die Italiener die Vor- und Nachsaison entdecken, schreibt Censis.

(sda)

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