22.11.2020 13:59

Corona in AltersheimenAus Angst vor Personalmangel lassen sich viele Pflegefachkräfte nicht testen

Altersheime lassen ihre Mitarbeiter zu wenig auf das Coronavirus testen. Die Pflegefachkräfte befinden sich aktuell in einem kritischen Dilemma.

von
Katja Fässler
1 / 4
Sind zu viele Pfleger in Quarantäne, wer kümmert sich dann um die Betagten? (Symbolbild) 

Sind zu viele Pfleger in Quarantäne, wer kümmert sich dann um die Betagten? (Symbolbild)

KEYSTONE
Diese Frage stellt sich in Pflegeheimen oft. 

Diese Frage stellt sich in Pflegeheimen oft.

KEYSTONE
Dies ist ein Grund, weshalb bei Fachkräften in Altersheimen etwa, häufig auf das Testen von potenziell infizierten Angestellten verzichtet wird. 

Dies ist ein Grund, weshalb bei Fachkräften in Altersheimen etwa, häufig auf das Testen von potenziell infizierten Angestellten verzichtet wird.

KEYSTONE

Darum gehts

  • In Altersheimen wird das Pflegepersonal zu wenig auf Corona getestet.

  • Grund ist die Angst vor Personalmangel.

  • Schweizweit ist derzeit ein Rückgang der Anzahl Tests zu verzeichnen.

In Pflegeheimen ist die Verbreitung des Coronavirus besonders heikel. Nicht nur, weil die Risikogruppe damit im Visier steht, sondern auch weil sich die meisten Heime einen Personalmangel nicht leisten können. Aus diesem Grund wird genau in dieser hochsensiblen Branchen des Öfteren auf das Testen verzichtet, wie Recherchen des «Sonntagszeitung» (Artikel kostenpflichtig) zeigen.

Ein Beispiel nennt die Zeitung anhand eines Heimes im Kanton Zürich. Am Donnerstag sei eine Bewohnerin der Demenzabteilung positiv getestet worden, bei drei weiteren Personen auf dieser Abteilung besteht der Verdacht auf eine Infektion. Es sei nicht nachzuweisen, wo sich die Patientin angesteckt habe. Die Schutzmassnahmen in dem Bereich wurden erhöht, das Personal trägt seither Kittel, Masken und Handschuhe. Obwohl es in Kontakt mit der Infizierten war, wurde es jedoch nicht getestet.

Unvorstellbares Dilemma

Larissa Jerz, Supervisorin des Zürcher Contact-Tracing, die für den Fall zuständig ist, sagt gegenüber der Zeitung, dass grundsätzlich nur ein Test empfohlen wird, wenn jemand Symptome habe. Dass auch Infizierte ohne Symptome das Virus weitergeben können und dass in der Regel Kontaktpersonen in Quarantäne müssen, steht ausser Frage. Das Dilemma bestehe aber darin, dass dann die Heimbewohner ohne Betreuer dastehen würden. Immer wieder kommt es zudem vor, dass Pflegepersonal aus der Quarantäne geholt wird, wenn Fachkräfte-Mangel herrscht.

Die Situation gestaltet sich für alle Betroffenen in den Heimen als äusserst belastend. Doch für den Sprecher des Dachverbandes Curaviva Schweiz, Patrick Jecklin, ist klar, dass das Personal einen besonderen Schutzauftrag für die Heimbewohner hat und deshalb unbedingt getestet werden muss, wie er gegenüber der Zeitung sagt. «Bei Personalengpässen kann der Personalaustausch zwischen mehreren Institutionen helfen, diesen zu beheben», so Jecklin.

Testzahlen allgemein rückläufig

Im Allgemeinen ist ein Rückgang bei der Anzahl der Tests festzustellen. Wurden Anfang November noch 38’219 Tests durchgeführt, waren es vergangenen Freitag noch 25’786. Und dies, obwohl die neue BAG-Kampagne dringlich dazu aufruft, sich auch bei nur sehr leichten Symptomen sofort testen zu lassen. Zudem wurde die Testkapazität durch den Einsatz der neuen Antigen-Schnelltests erhöht.

In der Bevölkerung sei eine «gewisse Pandemie-Müdigkeit» auszumachen, begründet Gundekar Giebel, Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion die sinkende Testintensität. «Es ist zurzeit schwierig, die Leute für die Covid-Massnahmen zu motivieren. Sie machen zwar mit, allerdings nur so weit wie gefordert. Was darüber hinausgeht, etwa sich freiwillig testen zu lassen, muss wieder vermehrt propagiert werden.» Seiner Einschätzung nach haben sich viele an die hohen Fallzahlen gewöhnt. Das sei eine gefährliche Haltung, sei doch die Pandemie längst nicht ausgestanden.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.