Gewaltdelikt in Nussbaumen AG - «Aus dem Nichts hat er versucht, Mutter und Helferin zu töten»
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Gewaltdelikt in Nussbaumen AG«Aus dem Nichts hat er versucht, Mutter und Helferin zu töten»

Ein 27-Jähriger hat seine Mutter und eine Helferin verletzt. Er litt zum Tatzeitpunkt an einer Schizophrenie und muss nun in eine stationäre Therapie.

von
Lynn Sachs
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Mit einem Messer soll ein 27-Jähriger seine Mutter und eine Helferin verletzt haben.

Mit einem Messer soll ein 27-Jähriger seine Mutter und eine Helferin verletzt haben.

Kantonspolizei Aargau
Vor Gericht streitet er die Taten nicht ab und zeigt sich reuig.

Vor Gericht streitet er die Taten nicht ab und zeigt sich reuig.

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Der Gutachter sagt, dass er an einem Krankheitsschub gelitten habe und seine Steuerungsfähigkeit massiv eingeschränkt gewesen sei.

Der Gutachter sagt, dass er an einem Krankheitsschub gelitten habe und seine Steuerungsfähigkeit massiv eingeschränkt gewesen sei.

20min/Thomas Mathis

Darum gehts

  • Ein 27-Jähriger soll im September 2020 versucht haben, seine Mutter und eine Helferin zu töten.

  • Die Helferin erlitt schwere Verletzungen im Hals- und Brustbereich.

  • Vor Gericht stritt der Beschuldigte die Delikte nicht ab: «Die Taten sind schockierend», sagt er.

  • Die Staatsanwaltschaft beantragt wegen Schuldunfähigkeit eine stationäre Massnahme.

Im September 2020 soll ein 27-Jähriger in Nussbaumen AG versucht haben, seine 51-jährige Mutter zu töten. Als die 53-jährige R. M.* der Mutter zur Hilfe eilte, wurde sie selbst zum Opfer. Sie erlitt mehrere Stich- und Schnittverletzungen im Hals- und Brustbereich und musste ins Spital gebracht werden. Am Dienstag hat das Bezirksgericht Baden eine stationäre Therapie angeordnet. Der Beschuldigte habe den Tatbestand der versuchten mehrfachen Tötung erfüllt, sei zum Zeitpunkt der Straftat aber schuldunfähig gewesen.

Bei der Befragung sagt der Beschuldigte, dass das Verhältnis zu seiner Mutter gut sei. Er bestreitet die Gewalttaten vor Gericht nicht. «Die Taten sind schockierend», sagt er. Er habe bei seiner Mutter übernachtet, weil es ihm psychisch nicht gut ging. Am Tattag sei er mit ihr spazieren gegangen. Was danach geschah und wie er sich dabei fühlte, könne er sich nicht erinnern. Die angegriffene Helferin habe er nicht gekannt. Er sei bereit, eine Therapie zu absolvieren. «Ich will, dass so etwas nie mehr passiert.»

Moderat erhöhte Rückfallgefahr

Der Gutachter sagte am Prozess, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt erstmalig an einem akuten und schweren Krankheitsschub litt – eine paranoid-halluzinatorische Schizophrenie. Dieser habe zu einer massiven Einschränkung der Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit geführt. Der Mann sei deshalb schuldunfähig. Es liege eine moderat erhöhte Rückfallgefahr für schwere Gewaltdelikte vor. «Der Mann könnte ein vergleichbares Verhalten zeigen, sollte er wieder einen unkontrollierten Krankheitsschub erleben.» Er brauche eine langfristige Behandlung.

Der Staatsanwalt sprach von einem tragischen Vorfall. Der Beschuldigte habe «praktisch aus dem Nichts» die beiden Frauen angegriffen und zu töten versucht. Aufgrund der Schuldunfähigkeit sei eine stationäre Massnahme anzuordnen. Der Verteidiger des Beschuldigten sagt, dass sein Mandant die Taten nicht bewusst erlebt habe und verlangt einen Freispruch. Er habe seine Handlungen nicht mit Wissen und Willen begangen. «Es fällt ihm schwer, mit dem Delikt zu leben.»

«Narben erinnern täglich an den Vorfall»

Die Vertreterin des Opfers R. M. sagte, dass ihre Mandantin die Tat nie wieder vergessen könne. «Die Narben erinnern die Geschädigte tagtäglich an den Vorfall.» Dass sich die Frau totstellte, habe ihr das Leben gerettet. Das Totstellen sei mit einer «unvorstellbaren Angst» verbunden gewesen und habe sich für das Opfer wie Stunden angefühlt. Die Anwältin fordert Schadenersatz in der Höhe von über 26’000 Franken und eine Genugtuung von 40’000 Franken.

In der Anklageschrift ist der Vorfall mit der Helferin detailliert beschrieben: Nachdem die Helferin R. M. eingriff, habe der Beschuldigte sie demnach in die Wohnung seiner Mutter gedrängt. Dort habe er ihr mit einem Steakmesser mehrere Stich- und Schnittverletzungen zugefügt. Nachdem er von ihr abgelassen habe, sei M. auf den Balkon gegangen, um nach Hilfe zu schreien. Der Beschuldigte sei ihr gefolgt und habe begonnen, sie zu würgen. Er habe erst von der Frau abgelassen, als sie sich totstellte. Danach sei er beim Opfer liegen geblieben, bis die Polizei kam.

*Namen der Redaktion bekannt

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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