Aktualisiert 04.02.2013 15:34

Überraschungs-Titel

Aus dem Nichts zu WM-Gold

Die Aussichten auf eine Schweizer WM-Medaille in Schladming sind nicht sehr rosig. Wie man über sich hinauswachsen kann, zeigte Urs Lehmann 1993 in Morioka.

von
Herbie Egli, Schladming

Den Schweizer Skicracks droht an der WM in Schladming ein Nuller, wie es ihn zuletzt 2005 in Bormio gegeben hat. Damals reisten die Eidgenossen ohne eine Medaille ab. Aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs bei den Männern, könnte dieser Fall auch beim «Skifest mit Herz» in der Steiermark eintreffen. Immerhin geben die Frauen und der Name Urs Lehmann Anlass zur Hoffnung auf Edelmetall.

Schauen wir 20 Jahre zurück. 1993 fand die Ski-WM im japanischen Morioka statt. Wetterkapriolen stellten die Organisatoren vor grosse Herausforderungen. Die Abfahrt musste mehrmals verschoben werden, ehe sie doch noch stattfinden konnte. Zum Glück, muss man aus Schweizer Sicht sagen. Der damals 23-jährige Urs Lehmann holte völlig überraschend die Goldmedaille. In den Trainings zuvor überzeugte er zwar, man hatte diesen Coup aber nicht erwarten dürfen.

Rang 51 - WM-Titel - Rang 51

Der heutige Präsident von Swiss Ski kam im Weltcup nie über einen 4. Platz hinaus. Diesen erreichte er just zu Beginn der WM-Saison 1993 in der Abfahrt von Bormio. Danach liessen die Resultate bis zum Start des Grossanlasses jedoch zu wünschen übrig. Rang 51 in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen, Platz 41 in der Abfahrt von St. Anton. Der Gewinn des überraschenden WM-Titels brachte die Wende auch nicht. Bei den Super-G's in Whistler und Aspen resultierten nur die Plätze 34 und 46. Das letzte Speedrennen der Saison, eine Abfahrt in Kvitfjell, schloss der Weltmeister auf Platz 51 ab.

Die Party im Käsehaus

Lehmanns WM-Titel wurde in einem hölzernen Klubhaus neben der Piste gefeiert. Dieses hatte die Käse-Union als Generalsponsor des Schweizerischen Ski-Verbandes gemietet. Logischerweise gab es Käsefondue und es wurde reichlich Kirsch konsumiert. Bruno Kernen trank zum Beispiel so viel, dass er im Teamhotel gleich hinter der Türe einschlief und diese blockierte. Als sein Zimmerkollege Lehmann später den wohlverdienten WM-Schlaf antreten wollte, war die Tür versperrt. Der frischgebackene Weltmeister musste im Videoraum des Teamhotels übernachten.

Die fetten Jahre sind vorbei

An der letzten WM in Garmisch-Partenkirchen rettete Didier Cuche die Schweizer Ehre. Der zurückgetretene Neuenburger gewann 2011 Abfahrtssilber und sorgte für die einzige Medaille der Skigenossen. 2009 in Val d'Isère und zwei Jahre zuvor in Are «schneite» es regelrecht Edelmetall. In Frankreich holte die Schweiz sechs Medaillen und stand unter anderem dank den WM-Titeln von Didier Cuche in der Abfahrt und Carlo Janka im Riesenslalom zuoberst in der Nationenwertung. In Schweden waren es ebenfalls sechs Medaillen, darunter die Goldene von Daniel Albrecht in der Super-Kombination. Das Resultat von 2005 ist bekannt.

Grossanlässe haben jedoch ihre eigenen Gesetze. Daran kann sich die Schweiz klammern. Die Medaillen werden bei jedem Rennen an einem Tag vergeben. Die Form und alles Drumherum muss stimmen. Das kann auch einem Aussenseiter zum Erfolg verhelfen. Ambrosi Hoffmann feierte zum Beispiel nie einen Weltcupsieg. An den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin gewann der zurückgetretene Davoser jedoch die Bronzemedaille im Super-G.

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