Aktualisiert 28.03.2014 12:24

Kriminalistik

Aus DNA-Spuren lassen sich Gesichter erstellen

Bisher bringen DNA-Spuren nichts, wenn man keinen Verdächtigen hatte. Das könnte sich ändern, denn Forschern ist es gelungen, aufgrund von Erbgut Fahndungsfotos zu konstruieren.

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Seitdem 1994 im Strafprozess gegen den Ex-Football-Spieler O.J. Simpson DNA-Spuren eine zentrale Rolle spielten, ist die Typisierung des Erbguts in der Kriminalistik gang und gäbe. Voraussetzung für diese Art von Beweisführung: Es braucht einen Verdächtigen, dem das am Tatort gefundene Erbgut zugeordnet werden kann. Gibt es den nicht, ist die genetische Spur wertlos.

Bis heute lassen sich aufgrund von DNA nur Haarfarbe, Augenfarbe, Herkunft und Geschlecht sicher erkennen. Doch nun ist es Forschern der Pennsylvania State University gelungen, aus der DNA Fahndungsfotos zu konstruieren. Zwar sind die ersten Bilder noch sehr ungenau, aber das könnte sich bald ändern, schreibt das Team um den Anthropologen Mark Shriver im Fachjournal «PLOS Genetics».

Komplizierte Berechnungen

Dafür erstellten die Forscher von rund 600 Personen hochauflösende Aufnahmen. Per Software stellten sie daraus 3-D-Modelle von den Gesichtern her. Darüber legten sie ein Netz von 7000 Datenpunkten. Die verschiedenen Punkte wurden miteinander verglichen und statistisch ausgewertet. So konnte unter anderem der Einfluss von Geschlecht und ethnischer Abstammung berechnet werden.

Dann suchten die Biologen bei den Studienteilnehmern nach Unterschieden in den Genen, die bekanntermassen bei der Gesichtsentwicklung und -ausgestaltung eine wichtige Rolle spielen. Anschliessend errechneten sie in Kombination mit den statistischen Daten die statistische Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Genvariationen mit bestimmten Eigenschaften des Gesichts zusammenhängen.

So kamen sie auf 24 Genvarianten, die eindeutig mit verschiedenen Gesichtszügen verknüpft werden können. All diese Daten speisten die Forscher in ein Computerprogramm ein, das den umgekehrten Weg geht: Es berechnet aus der DNA-Sequenz eines unbekannten Menschen das 3-D-Modell seines Gesichts.

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