SBB-Notfallkonzept: «Aus Fällen wie Luzern lernen wir»
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SBB-Notfallkonzept«Aus Fällen wie Luzern lernen wir»

Nach der Zugentgleisung in Luzern griff ein Notfallkonzept der SBB. Sprecherin Masha Foursova erklärt, wie dieses funktioniert.

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duf
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Bei Totalausfällen wie jenem nach der Entgleisung des Eurocity-Zugs am 22. März 2017 beim Bahnhof Luzern hat die SBB ein Notfallkonzept.

Bei Totalausfällen wie jenem nach der Entgleisung des Eurocity-Zugs am 22. März 2017 beim Bahnhof Luzern hat die SBB ein Notfallkonzept.

Keystone/urs Flueeler
Es wird dann umgehend die Alarmierung der Kantonspolizei sowie der Blaulichtorganisationen ausgelöst.

Es wird dann umgehend die Alarmierung der Kantonspolizei sowie der Blaulichtorganisationen ausgelöst.

Keystone/urs Flueeler
Dank Basisverträgen kann die SBB auf Ersatzfahrzeuge von anderen Verkehrsbetrieben setzen.

Dank Basisverträgen kann die SBB auf Ersatzfahrzeuge von anderen Verkehrsbetrieben setzen.

Keystone/urs Flueeler

Frau Foursova, woran orientiert sich die SBB in einem solchen Notfall?

Für alle Bahnhöfe existieren vordefinierte Grundkonzepte, die im Fall eines Unterbruchs angewendet und je nach Ausmass der Störung angepasst werden. Bei längeren Unterbrüchen beispielsweise nimmt die SBB Kontakt mit lokalen Verkehrsbetrieben auf, um möglichst schnell alternative Reisemöglichkeiten anzubieten. Gesteuert und überwacht wird der Verkehr aus vier Betriebszentralen. Die Fäden laufen schliesslich in den Operation Center Infrastruktur und Personenverkehr in Bern zusammen, wo alle Arbeiten koordiniert werden.

Es gibt also nicht für jeden Ereignistyp ein separates Konzept?

Im Fall von Luzern wurde vor zwei Jahren ein Buskonzept für die Situation eines Totalunterbruchs ausgearbeitet. Dieses ist nun zur Anwendung gekommen. Für viele Ereignisse gibt es vordefinierte Checklisten, die dann der individuellen Situation angepasst werden können. Natürlich lernt man aber aus Fällen wie Luzern dazu und kann die Abläufe ständig überprüfen und optimieren.

Welche Massnahmen werden bei einem Grossereignis wie Luzern in Gang gesetzt?

Wir halten uns an diese Checklisten: Es wird umgehend die Alarmierung der Kantonspolizei sowie der Blaulichtorganisationen ausgelöst. Gleichzeitig nehmen die Verantwortlichen der SBB aus den Bereichen Intervention, Betrieb, Instandhaltung, Verkehrsmanagement und Transportpolizei nach vordefinierten Abläufen miteinander Kontakt auf. Zu jedem Zeitpunkt ist auch die Konzern- und Geschäftsleitung über das Ereignis informiert. Im Fall des internationalen Zugs aus Italien informierten wir auch das Konsulat und die Botschaft Italiens umgehend.

Haben Sie dafür immer Mitarbeitende und Fahrzeuge auf Reserve?

Wir verfügen über flexibel einsetzbare Mitarbeitende, die in solchen Fällen zum Beispiel als Kundenlenker fungieren und Pendler an den Bahnhöfen informieren. Mit den verschiedenen Verkehrsbetrieben bestehen Basisverträge. Bei einem Ereignis bestellt die SBB bei diesen Busunternehmen Fahrzeuge, die nicht im Einsatz stehen und dann als Alternativen eingesetzt werden können.

Was ist in solchen Situationen besonders wichtig?

Zentral ist sicher die gute und möglichst effiziente Zusammenarbeit der involvierten Stellen. Wir verfügen über viele erfahrene Mitarbeitende und die meisten Prozesse wiederholen sich, etwas Improvisation ist aber in jedem Fall notwendig. Der Fall in Luzern hat gezeigt, dass unser System gut funktioniert.

Masha Foursova ist SBB-Sprecherin.

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