Erdbeben: Aus für das St. Galler Erdwärmeprojekt?

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ErdbebenAus für das St. Galler Erdwärmeprojekt?

Nach dem Erdbeben vom Samstag ist die Zukunft des St. Galler Geothermie-Projekts ungewiss. Stadtrat Brunner ist skeptisch. Nun droht ein Minus in Millionenhöhe.

von
sst

«Das Vertrauen im ganzen Team und in der Öffentlichkeit ist erschüttert», sagt der St. Galler Stadtrat Freddy Brunner. Einige Leute hätten nun Angst und das müsse man Ernst nehmen. Dass die Erde wie am Samstagmorgen nochmals mit der Stärke 3,6 bebt, konnte auch am Sonntag niemand ausschliessen. «Ich habe grossen Respekt vor einem weiteren Beben», so der FDP-Stadtrat.

Überraschung: Erdgas

Das Beben war durch die Bohrungen des 160 Millionen teuren Geothermie-Projekts ausgelöst worden: Am Freitag stieg der Druck im Bohrloch 4500 Meter unter Boden stark an. Der Grund: Erdgas. «Niemand hat mit einer so grossen Menge Gas gerechnet», sagt Projektleiter Marco Huwiler. Das Erdgas drang Richtung Oberfläche und drohte die Anlage zu zerstören. Die Crew entschied, das Gas zurück in die Erde zu pressen, dies löste dann aber das Erdbeben aus.

Das Projekt ist in Gefahr

«Noch nie hat diese Bohrmethode zu so einem starken Erdbeben geführt», sagt Brunner. Er sieht das Projekt nun in Gefahr: «Ich bin eher skeptisch.» Ein Entscheid soll allerdings erst in ein paar Tagen gefällt werden. Momentan versucht ein Krisenteam die Lage im Sittertobel zu stabilisieren. Der Druck im Bohrloch hat wesentlich abgenommen: In der Nacht auf gestern wurde Erdgas aus der Tiefe frei gelassen und abgefackelt.

In den kommenden Tagen sollen neue Messungen zeigen, wie der Boden beschaffen ist und ob das erhoffte Heisswasser wirklich vorhanden ist. Auch sollen allfällige Erdgasvorkommen analysiert werden. Laut Brunner hat das Projekt bisher circa 25 Millionen Franken gekostet.

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