Melander: Aus für Fischzucht - alle Fische müssen sterben
Aktualisiert

MelanderAus für Fischzucht - alle Fische müssen sterben

Fischzüchter Hans Raab hat genug vom Tötungsstreit mit der St. Galler Regierung. Er stellt die Produktion ein und tötet alle Fische. Aus Trotz will er das Fleisch ausschliesslich im Ausland verkaufen.

von
Annette Hirschberg

Gespannt standen Medienvertreter aus der ganzen Schweiz und Österreich heute vor den Toren der Fischzucht. Dann, um 13 Uhr, der Hammer: Die Fischfarm in Oberriet wird geschlossen und alle Fische getötet. Die Angestellten von Hans Raab sind derzeit daran die 500 000 Welse zu töten. Der Betrieb soll in nächster Zeit geschlossen werden.

50 Tonnen Fisch

«Ich lasse mich nicht zum Tierquälen erpressen», liess Fischzüchter Hans Raab über seinen Anwalt vor versammelter Presse verlauten. Raab liess es sich nicht nehmen, die Presseerklärung seines Anwaltes immer wieder mit emotionalen Zwischenrufen zu unterbrechen. «Von den 50 Tonnen Fisch, die aus der Schlachtung resultieren, wird kein Gramm in der Schweiz verkauft», schrie er etwa trotzig. Auch einige missliebige Journalisten, deren Berichterstattung Hans Raab nicht genehm war, wurden angefahren.

Ein Seitenhieb gegen die Regierung

Hans Raab empörte sich auch darüber, dass ihm die St. Galler Regierung via Presse eine Absage erteilte. Er hatte diese am gestrigen Donnerstag zu einer Aussprache und Betriebsbesichtigung am Freitagmorgen eingeladen.

Regierung lässt sich nicht erpressen

Die St. Galler Regierung hatte dem Fischzüchter am Freitagmorgen den Kampf angesagt. «Die Regierung lässt sich nicht erpressen», heisst es in einer Mitteilung am Freitagmorgen. Die Forderungen von Hans Raab seien haltlos und der Fischzüchter allein für die Pflege und das Wohl der Tiere verantwortlich. Er habe dafür zu sorgen, dass die widerrechtliche Tötung in seinem Betrieb gestoppt werde.

Langer Streit um Tötungsmethode

In der Auseinandersetzung des Fischzüchters mit der St. Galler Regierung geht es um die Tötungsmethode, die Hans Raab in seiner Fischfarm in Oberriet (SG) anwendet. Die dort lebenden Welse, eine Kreuzung namens Melander, werden zuerst in Eiswasser herabgekühlt und dann zu Tode geschleudert. Damit verletzt er die neue Schweizer Tierschutzverordnung.

Schon vor Baubeginn auf illegale Tötungmethode hingewiesen

Darauf hingewiesen hat ihn die St. Galler Regierung schon 2006, noch vor Baubeginn. Doch Raab ist von seiner Tötungsmethode überzeugt und nicht bereit, diese zu ändern. Am Donnerstagabend forderte er gar, die Tierschutzverordnung müsse seinen Bedürfnissen angepasst werden. Ausserdem wollte er eine persönliche Entschuldigung der St. Galler Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann.

Zukunft der Fischfarm unklar

Jetzt zieht der Deutsche, der sein Geld mit Putzmittel-Produkten (»Ha-Ra») verdient, die Konsequenz - allerdings auf moderate Art und Weise. Er zieht nicht wie angedroht kurzerhand den Stecker. Die Aufzucht junger Welse wird per sofort gestoppt, wie Raab verlauten liess. Was aus der erst im vergangenen Frühling eröffneten Fischfarm in Oberriet passiert, liess Raab offen.

Klage gegen Kanton

Er hatte in den Bau der Anlage zwischen 30 und 40 Millionen Franken investiert. Der St. Galler Kantonstierarzt Thomas Giger hatte Mitte Woche verfügt, dass die Fische nur noch bis 15. Mai wie bisher getötet werden dürfen, denn die Methode entspricht nicht der seit September 2008 geltenden Tierschutzverordnung.

Bereits am Donnerstag hatte Raab via Anwalt verlauten lassen, er werde von den St. Galler Behörden Schadenersatz einfordern.

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