Strafgericht BL: Aus Geltungssucht Vergewaltigung erfunden?
Aktualisiert

Strafgericht BLAus Geltungssucht Vergewaltigung erfunden?

Ein damals 20-Jähriger soll im Juni 2015 eine 12-jährige vergewaltigt haben. An der Version des Opfers gab es für das Gericht aber viele Zweifel – der Mann wurde freigesprochen.

von
lha
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Ein heute 22-Jähriger musste sich vor dem Strafgericht Baselland wegen einer Vergewaltigung einer damals 12-Jährigen verantworten. Die Tat soll sich am 10. Juni 2015 in Aesch ereignet haben.

Ein heute 22-Jähriger musste sich vor dem Strafgericht Baselland wegen einer Vergewaltigung einer damals 12-Jährigen verantworten. Die Tat soll sich am 10. Juni 2015 in Aesch ereignet haben.

Tom Bisig, Kanton Baselland
Der damals 20-jährige verabredete sich mit dem angeblichen Opfer hinter dem Jackson's Pub in Aesch. Dort soll er sie befummelt haben.

Der damals 20-jährige verabredete sich mit dem angeblichen Opfer hinter dem Jackson's Pub in Aesch. Dort soll er sie befummelt haben.

Google Street View
Im Treppenhaus zur Tiefgarage des Gasthofs Mühle soll es dann zur Vergewaltigung gekommen sein. Der nicht vorbestrafte Angeklagte bestritt die Tat immer. Das Gericht sprach ihn nun frei, weil Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Opfers bestanden.

Im Treppenhaus zur Tiefgarage des Gasthofs Mühle soll es dann zur Vergewaltigung gekommen sein. Der nicht vorbestrafte Angeklagte bestritt die Tat immer. Das Gericht sprach ihn nun frei, weil Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Opfers bestanden.

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Der heute 22-jährige Beschuldigte ist ein unbescholtener Bürger. Noch nichts hat er sich strafrechtlich zu Schulden kommen lassen. Das Leben des gelernten Verkäufers verlief in geordneten Bahnen, bis er sich am 10. Juni 2015 in Aesch mit der 12-jährigen Larissa* verabredete. Die beiden wollten sich wegen des Altersunterschieds heimlich treffen, damit keine Gerüchte aufkommen.

Sie gab an, er habe sie zuerst hinter dem Jackson's-Pub befummelt und sie danach gedrängt, mit ihm zur Einstellhalle des Restaurants Mühle zu gehen. Im Treppenhaus sei es dann zur Vergewaltigung gekommen sein. Sie habe ihn zuerst abgewiesen, er habe aber nicht aufgehört. Schliesslich habe sie sich auf den Boden knien müssen, worauf der Man sie von hinten penetriert habe. Larissa war damals wegen einer Fussverletzung auf Krücken unterwegs. «Ich habe mich nicht gewehrt, weil ich eingeschüchtert war», gab sie in einer Einvernahme zu Protokoll.

Krasse Geschichten aufgetischt

Tage später machte das Gerücht der Vergewaltigung im Dorf die Runde, am 24. Juni wurde der Angeklagte für drei Tage in Untersuchungshaft genommen.

Er bestritt auch am Mittwoch vor dem Baselbieter Strafgericht die Vorwürfe. Sie hätten nur geredet, sagt er: «Sie war sehr offen.» Sie habe ihm auch erzählt, dass man ihr in Spanien K.-o.-Tropfen verabreicht habe und sie dann vergewaltigt worden sei. Überhaupt habe sie ihm ein paar krasse Geschichten aufgetischt. Dafür sei sie notorisch bekannt, legte sein Verteidiger Felix López in seinem Plädoyer dar: Mal wurde sie stockbetrunken im Tram von einem jungen Mann aufgefunden, ein andermal wurde sie fast von zwei Typen in eine Auto gezerrt. «Das ist doch auffällig», so López. Er vermutet, das Mädchen habe all die Geschichten fabriziert, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Staatsanwaltschaft gerügt

Genauso sei auch die Vergewaltigung «eine erfundene Geschichte, die sie erzählt habe, um im Mittelpunkt zu stehen». Sie war danach für einige Zeit in der Beobachtungsstation der Universitären Psychiatrischen Klinik untergebracht. Dort angelte sie sich einen Freund, mit dem sie ungeschützten Sex hatte, was laut López aktenkundig ist. Er rügte, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund ihrer problematischen Vorgeschichte nicht einmal ein Glaubwürdigkeitsgutachten anforderte und ihre Aussagen nicht kritisch hinterfragte.

Die Staatsanwaltschaft liess den Vorwurf der Vergewaltigung mangels Beweisen fallen und reduzierte die Anklage auf sexuelle Handlungen mit Kindern, wofür eine einjährige, bedingte Haftstrafe beantragt wurde.

Richter glaubte «vermeintlichem Opfer» nicht

Die Dreierkammer des Baselbieter Strafgerichts unter Vorsitz von Beat Schmidli folgte den Argumenten der Verteidigung und sprach den Angeklagten in allen Punkten frei. «Es ist eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation», führte Schmidli aus. Das angebliche Opfer habe sich aber nicht widerspruchsfrei geäussert und habe einen Hang zur Übertreibung und dazu, sich in Szene zu setzen.

Der Freigesprochene erhält 600 Franken Genugtuung für die drei Tage, die er in Untersuchungshaft verbrachte.

* Name der Redaktion bekannt

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