Partnerschwund: Aus Hingis' Witzen wurde bittere Realität
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PartnerschwundAus Hingis' Witzen wurde bittere Realität

Nach 20 Jahren schlägt Martina Hingis wieder bei Olympia auf. Obwohl ihre Partner reihenweise ausfielen, ist sie guter Dinge.

von
Kai Müller
Rio
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Hat gleich drei Absagen hinnehmen müssen: Martina Hingis.

Hat gleich drei Absagen hinnehmen müssen: Martina Hingis.

Keystone/Laurent Gillieron
Nun strebt die 35-Jährige an der Seite von Timea Bacsinszky eine Medaille im Doppel an.

Nun strebt die 35-Jährige an der Seite von Timea Bacsinszky eine Medaille im Doppel an.

Keystone/Laurent Gillieron
Vor 20 Jahren in Atlanta reichte es Hingis nicht zu Edelmetall.

Vor 20 Jahren in Atlanta reichte es Hingis nicht zu Edelmetall.

Keystone/Christoph Ruckstuhl

Wie hätte sie es auch erahnen können? Erahnen, dass sie plötzlich alleine dasteht? Es war Juni, das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres in Wimbledon stand bevor, als Martina Hingis scherzte: «Ich geniesse den Luxus, zwei starke Ersatzpartner zu haben.» Die Ostschweizerin meinte damit Timea Bacsinszky und Stan Wawrinka, schliesslich war zu diesem Zeitpunkt geplant, dass sie in Rio an der Seite von Roger Federer und Belinda Bencic auf Medaillenjagd gehen würde. «Ich hätte nie gedacht, dass aus diesen Witzen Realität wird», sagt sie an diesem Donnerstagabend in Rio de Janeiro. Ja mehr noch: Mit Wawrinka ist auch einer der Ersatzpartner ausgefallen.

Obwohl sie mit einem Lächeln darüber spricht: So ganz kann die 35-Jährige ihre Enttäuschung über das geplatzte Traum-Mixed mit Federer nicht verbergen. «Natürlich hätte ich liebend gern mit Roger gespielt. Er fragte mich vor vier Jahren für London an. Diesmal habe ich ihn gefragt. Leider klappte es beide Male nicht. Wir hätten definitiv eine gute Chance auf eine Medaille gehabt.»

«Rio hat seit zwei Jahren Priorität»

Zwei Dekaden nach ihrer ersten und bisher einzigen Olympia-Teilnahme in Atlanta jagt Hingis noch einmal Edelmetall, das ihr mit 15 verwehrt geblieben war. «Seit ich mich vor zwei Jahren entschied, wieder Fed-Cup zu spielen, hat Rio für mich Priorität», sagt sie.

Die einzige Chance bietet sich ihr im Doppel mit Bacsinszky. Die Schweizerinnen sind als Nummer 5 gesetzt und treffen am frühen Samstagabend Ortszeit auf die Australierinnen Daria Gavrilova/Samantha Stosur. «Schon in der Startrunde wartet eine hohe Hürde», glaubt Hingis. «Die Tagesform wird entscheiden. Ich glaube aber daran, dass wir eine Medaille holen können.»

Kurze Eingewöhnungsphase

Hingis reiste nach dem Turnier in Montreal via Washington, wo sie Anfang Woche noch die Team-Tennis-Meisterschaft bestritt, an den Zuckerhut und traf am Donnerstagnachmittag ein. Entsprechend kurz ist die Vorbereitungszeit, zumal sie und Bacsinszky noch nie einen Ernstkampf zusammen absolviert haben. «Es kann trotzdem klappen. Wir haben am Donnerstag erstmals trainiert und uns auf eine Strategie geeinigt. Wir werden herausfinden, wie wir am besten miteinander kommunizieren und gemeinsame Lösungen finden auf dem Platz.»

Bacsinszkys Traum

Als sie vor acht Jahren in Peking ihre Olympia-Premiere erlebte, habe sie die Spiele nicht geniessen können, sagt Timea Bacsinszky. «Ich sass nur im Zimmer herum, konzentrierte mich auf meine Einsätze und sprach mit niemandem.» Sie sei zu fokussiert gewesen. Nun sauge sie die Atmosphäre im Olympischen Dorf auf, schliesslich «haben wir Tennisspieler nicht oft die Möglichkeit, mit den anderen Schweizer Spitzensportlern an einem Tisch zu sitzen».

Die Weltnummer 15 trifft am Samstagmittag Ortszeit auf die Chinesin Zhang Shuai (WTA 51), ehe ein paar Stunden später der Doppel-Auftakt mit Hingis wartet. «Es ist ziemlich cool und eine Ehre, mit der Nummer 1 spielen zu dürfen», sagt die 27-Jährige, die auf den grossen Coup hofft. «Eine Medaille, egal ob im Einzel oder Doppel, ist ein Traum. Ein Traum, nicht ein Ziel.» (kai)

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