Aktualisiert 30.03.2013 17:21

«China's Got Talent»

«Aus irgendeinem Grund finden sies zum Brüllen»

Ein schlaksiger Brite, der aus voller Kehle kommunistische Propagandasongs zum Besten gibt, ist der Überflieger der chinesischen Version von «Supertalent».

von
obi

Der grosse Vorsitzende mag immer noch die Herzen der Massen zu bewegen. Anders ist es kaum zu erklären, dass ein Waliser, der in der Talentshow «China's Got Talent» in Uniformen der Roten Armee revolutionäre Loblieder auf Mao singt, dermassen zum Quotenknüller geworden ist.

Oder ist es vielleicht Rassismus? «Ich bin ein grossgewachsener, weisser Ausländer, der auf Chinesisch Songs über Kommunismus singt», so Iain Inglis, ein 30-jähriger Universitäts-Dozent aus Cardiff. «Aus irgendeinem Grund finden die Chinesen das ziemlich zum Brüllen.»

Seit Inglis mit alten maoistischen Propaganda-Songs in der Talentshow auftrat, sind die Quoten regelrecht in den Himmel geschossen. Inzwischen hat er einen vollen Terminplan und verdient locker mal um die 8000 Franken pro Kurzauftritt.

«Erstaunt war ich nicht.»

Fürs Finale konnte er sich aber nicht qualifizieren. Inglis vermutet letztendlich politische Gründe dahinter: «Ich bin mir nicht sicher, ob man wollte, dass ich weiterkomme», so der Brite, der mit seiner chinesischen Ehefrau auf der Insel Hanya lebt, gegenüber der «Huffington Post».

«Meines Wissens war ich bereits fürs Finale qualifiziert. Doch einen Tag vorher bekam ich einen Anruf in dem man mir erklärte, das Büro des staatlichen Rundfunks hätte einen Riegel geschoben. Einen echten Grund konnte man mir nicht geben – vielleicht mochten sie keinen Ausländer sehen, der Songs über den Kommunismus singt. Natürlich war ich enttäuscht. Ich war aber nicht sehr erstaunt.»

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