Zürich: Aus Protest gegen Koch-Räumung – neue Hausbesetzung in Wipkingen

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ZürichAus Protest gegen Koch-Räumung – neue Hausbesetzung in Wipkingen

Am Samstag besetzten einige Personen ein leerstehendes Gebäude in Wipkingen. Damit wollen sie ein Zeichen gegen die Verdrängung von bezahlbarem Wohnraum setzen.

von
Daniel Krähenbühl
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Dieses leerstehende Gebäude in Wipkingen wurde am Samstag besetzt.  

Dieses leerstehende Gebäude in Wipkingen wurde am Samstag besetzt.  

Twitter/zureich_rip
Der Protest richtet sich auch auf die geplante Räumung des Koch-Areals Ende Jahr, das seit 2013 als autonomes Kulturzentrum dient.

Der Protest richtet sich auch auf die geplante Räumung des Koch-Areals Ende Jahr, das seit 2013 als autonomes Kulturzentrum dient.

Tamedia/Urs Jaudas
Auf dem Areal befände sich eine Wohn-Community mit über 100 Menschen und eine sich immer weiter entwickelnde Infrastruktur mit Bar- und Konzertraum, Kino, Druckerei, Velowerkstatt, Grossküche und Trainingsraum. 

Auf dem Areal befände sich eine Wohn-Community mit über 100 Menschen und eine sich immer weiter entwickelnde Infrastruktur mit Bar- und Konzertraum, Kino, Druckerei, Velowerkstatt, Grossküche und Trainingsraum. 

Tamedia/Urs Jaudas

Darum gehts

«Ihr nehmt uns das Koch? Wir nehmen uns die Strasse!» Eine Gruppe von Besetzerinnen und Besetzern drang am Samstag in eine leerstehende Liegenschaft an der Hönggerstrasse ein. Damit will die «Familie Fleck» nach eigenen Angaben ein Zeichen setzen gegen Immobilienspekulation, die die Verdrängung von bezahlbarem Wohnraum und kulturpolitischen Freiräumen in der Stadt fördert. Die Besetzung des Hauses, das früher das Sozialzentrum Wipkingen beherbergte, sei nötig geworden, da darauf Luxus-Mietwohnungen entstehen sollen. Es dürfe nicht sein, dass zugunsten von Profit die Mehrheit der Bevölkerung an den Stadtrand gedrängt werde und in Wohnungsnot gerate, und dass gleichzeitig politisch-kulturelle Räume verhindert würden, so die Besetzerinnen und Besetzer.

Der Protest richtet sich auch auf die geplante Räumung des Koch-Areals Ende Jahr, das seit 2013 als autonomes Kulturzentrum dient. «Autonome Räume müssen Büros und Yuppies weichen», kritisieren die Besetzer und Besetzerinnen online. Auf dem Areal befände sich eine Wohn-Community mit über 100 Menschen und eine sich immer weiter entwickelnde Infrastruktur mit Bar- und Konzertraum, Kino, Druckerei, Velowerkstatt, Grossküche und Trainingsraum. 

Gerade im Hinblick auf die immer teurer werdenden Bodenpreise, steigenden Mieten und die Gentrifizierung seien Grundstücke wie das Koch-Areal imminent wichtig. Um dem Protest gegen die Räumung Ausdruck zu verleihen, rufen die Besetzerinnen und Besetzer am 15. Oktober auf dem Lindenplatz zu einer Demo auf.

Wie die Stadtpolizei Zürich auf Anfrage mitteilt, handelt es sich bei Hausfriedensbruch um ein Antragsdelikt. Die Polizei könne erst handeln, wenn ein Strafantrag gestellt wird. Derzeit versuche die Stadtpolizei, mit dem Eigentümer des Privatgrundstücks in Kontakt zu treten.

Gemäss dem Merkblatt Hausbesetzungen in der Stadt Zürich setzt die polizeiliche Räumung zudem einen der drei Sachverhalte voraus:

  • Abbruch-/Baubewilligung: Eine rechtskräftige Abbruchbewilligung oder eine rechtskräftige Baubewilligung inkl. Baufreigabe liegt vor. Die unverzügliche Aufnahme der Abbruch-/Bauarbeiten muss belegt werden.

  • Neunutzung: Die rechtmässige Nutzung der Liegenschaft für die Zeit nach deren Räumung kann durch Vertrag mit Drittpersonen oder vergleichbaren Unterlagen in Aussicht gestellt und belegt werden.

  • Sicherheit/Denkmalschutz: Die Besetzung gefährdet unmittelbar die Sicherheit von Personen oder denkmalgeschützte Bauteile oder Einrichtungen.

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