Aktualisiert 23.11.2012 20:22

Tech-WunderkindAus Sierra Leones Müll bastelt er Radio-Sender

Kelvin Doe suchte auf den Müllhalden nach Elektroschrott und fertigte daraus nützliche Dinge für sein Dorf. Dann erhielt der 15-jähriger Tüftler aus Westafrika die Einladung seines Lebens.

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dsc

Manchmal schreibt das Leben rührende Geschichten. Wie diejenige von Kelvin Doe, einem 15-jährigen Teenager aus Sierra Leone. Der junge Mann lebt in einem mausarmen Dorf in Westafrika und macht nichts lieber als Tüfteln.

Weil er kein Geld hatte, suchte Kelvin auf den Müllhalden nach Elektroschrott. Daraus bastelte er die verrücktesten Dinge, so zum Beispiel einen eigenen Radiosender. Unter dem Spitznamen DJ Focus moderiert er seither Nachrichten und bringt Musik unter die Leute. Sein Ziel sei es auch, den jungen Leuten eine Stimme zu geben.

Wochenlang ohne Strom

Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose, in Sierra Leone ist

Elektrizität Glücksache. Das marode Stromnetz bricht immer wieder zusammen, während Wochen gibt es kein Licht. Das brachte Kelvin auf die Idee, eigene Batterien und einen Generator zu bauen.

Wie er das geschafft hat? Durch Learning by Doing, wie ein eindrückliches Video des YouTube-Senders THNKR zeigt. Kelvin hat sich alle Kenntnisse selber beigebracht. Er nimmt die im Abfall gefundenen Dinge auseinander und baut daraus etwas nützliches Neues.

Nun hat das Leben des Erfinders aus Leidenschaft eine ungewöhnliche Wende genommen. Eines der renommiertesten Forschungsinstitute der Welt hat ihn für ein Praktikum eingeladen. Kelvin ist die jüngste Person in der Geschichte des Massachusetts Institute of Technology (MIT), die eine solche Chance erhalten hat.

Der 15-Jährige konnte in die USA fliegen, weil sich ein MIT-Forscher für ihn einsetzte. In Amerika konnte der junge Mann mit ausgewiesenen Fachleuten arbeiten und neue Möglichkeiten ausprobieren. Tausende Kilometer von seiner afrikanischen Heimat entfernt, wurde er vom Heimweh geplagt, liess sich aber nicht entmutigen. Zu spannend und lehrreich war die neue Tech-Welt, die sich ihm in Cambridge eröffnete.

Andere ermutigen

Kelvins Reise wurde mit Geldern des Forschungsinstituts finanziert, ein MIT-Student liess ihn bei sich schlafen und setzte sich für den ungewöhnlichen Gast ein. Die beiden hatten sich in einem Innovations-Camp in Sierra Leone kennengelernt. Dort werden junge Leute ermuntert, die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Ganz egal, wie widrig die Lebensumstände sind.

Er wolle seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen helfen, sagt der 15-Jährige. Das in den USA erworbene Wissen will er mit allen teilen. Sein nächstes Projekt ist eine Windmühle, die Elektrizität liefern soll. Und er hofft, dass viele junge Leute von seiner Geschichte ermutigt werden.

Vom Bürgerkrieg gezeichnet

Der kleine westafrikanische Staat Sierra Leone (»Löwengebirge») gehört zu den ärmsten Ländern dieser Region. Knapp sechs Millionen Menschen leben dort. Sie gehören 20 verschiedenen Völkern an, in der Mehrheit sind es Muslime.

Die Welthungerhilfe schätzt die Lage der Bevölkerung als «sehr ernst» ein: Die Lebenserwartung liegt nur bei rund 50 Jahren, die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Mehr als die Hälfte der Einwohner sind Analphabeten. Hauptgrund für die Armut ist ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg.

Seit seinem Ende 2002 hat Sierra Leone aber eine vergleichsweise positive Entwicklung genommen. Alle UNO-Friedenstruppen sind abgezogen, die Sanktionen aufgehoben. Der Wiederaufbau kommt langsam in Gang.

Sierra Leone exportiert vor allem Diamanten, Metalle und Kakao, muss aber Industriegüter und Nahrungsmittel einführen. Ein Problem bleibt die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

(sda)

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