Aktualisiert 21.11.2016 09:00

Kampf um PräsidentschaftskandidaturAus statt Comeback für Nicolas Sarkozy

Der ehemalige Präsident Frankreichs steht in der Vorwahl der Konservativen weit abgeschlagen hinter François Fillon und Alain Juppé. Jetzt will er sich aus der Politik zurückziehen.

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kko/chk
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Nicolas Sarkozy hat seine Niederlage bei der Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen eingeräumt: Frankreichs Ex-Präsident nach seiner Stimmabgabe. (20. November 2016)

Nicolas Sarkozy hat seine Niederlage bei der Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen eingeräumt: Frankreichs Ex-Präsident nach seiner Stimmabgabe. (20. November 2016)

Keystone/Eric Feferberg
Ihm sei es nicht gelungen, eine Mehrheit der Wähler zu überzeugen, sagte Sarkozy und kündigte zugleich seinen Rückzug aus der Politik an: Der 61-Jährige mit seiner Gattin Carla Bruni beim Verlassen seines Wahllokals.

Ihm sei es nicht gelungen, eine Mehrheit der Wähler zu überzeugen, sagte Sarkozy und kündigte zugleich seinen Rückzug aus der Politik an: Der 61-Jährige mit seiner Gattin Carla Bruni beim Verlassen seines Wahllokals.

Keystone/Ian Langsdon
Bei der Vorwahl der französischen Konservativen für die Präsidentschaft 2017 lag der frühere Regierungschef François Fillon in Führung.

Bei der Vorwahl der französischen Konservativen für die Präsidentschaft 2017 lag der frühere Regierungschef François Fillon in Führung.

Keystone/Thibault Camus

Überraschende Wende bei der Präsidentschaftsvorwahl der französischen Konservativen: Ex-Präsident Nicolas Sarkozy schied bereits in der ersten Runde aus und kündigte seinen Rückzug aus der Politik an. Er will in der Stichwahl am kommenden Sonntag seinen früheren Premierminister François Fillon unterstützen. Dieser setzte sich unerwartet deutlich durch und verwies Favorit Alain Juppé auf Platz zwei.

Nach Auszählung der Stimmen in gut 90 Prozent der Wahllokale erzielte Fillon rund 44 Prozent. Juppé kam auf gut 28 Prozent, Sarkozy auf mehr als 20 Prozent. Alle drei gehören der Partei Die Republikaner an, die aus der UMP hervorgegangen ist. Die weiteren vier Anwärter, darunter auch ein Christdemokrat, blieben jeweils unter drei Prozent der Stimmen.

Fillon will Land «neue Hoffnung» geben

Fillon sagte in einer ersten Stellungnahme, er wolle Frankreich wieder aufrichten und den Bürgern «neue Hoffnung» geben. Das Land leidet seit Jahren unter einer hohen Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Stagnation. Der 62-jährige Fillon ist Abgeordneter in der Nationalversammlung und war von 2007 bis 2012 Premierminister unter Sarkozy. Er vertritt einen wirtschaftsliberalen Kurs und will unter anderem das Rentenalter erhöhen und öffentliche Ausgaben kürzen.

Der zweitplatzierte Juppé gab sich in einer Ansprache kämpferisch: Er werde in der Stichwahl für eine Überraschung sorgen, versprach der Bürgermeister von Bordeaux seinen Anhängern. Der 71-Jährige betonte, er wolle alle Franzosen hinter sich sammeln und «glaubwürdige Reformen» einleiten. Juppé tritt wie auch Fillon für eine Abkehr von der 35-Stunden-Woche ein und will Frankreichs Unternehmen stärken. Er war 1995 bis 1997 Premierminister unter Präsident Jacques Chirac.

Franzosen in der Schweiz für Fillon

Die in der Schweiz lebenden Franzosen haben vornehmlich für Fillon gestimmt. 42,5 Prozent der Wahlberechtigten hierzulande gaben dem ehemaligen Premierminister ihre Stimme.

Juppé erhielt 40 Prozent der Stimmen aus der Schweiz, wie die Abgeordnete Claudine Schmid, welche die in der Schweiz ansässigen Franzosen im französischen Parlament vertritt, am späten Abend auf Twitter vermeldete. Sarkozy kam demnach auf 8,7 Prozent.

Weit abgeschlagen finden sich Nathalie Kosciusko-Morizet (4,9 Prozent) noch vor Bruno Le Maire (2,2 Prozent). Jean-Frédéric Poisson und Jean-François Copé erhielten 1,4 respektive 0,2 Prozent.

Erste Vorwahl

Frankreichs Konservative bestimmen zum ersten Mal ihren Präsidentschaftskandidaten in einer Vorwahl. Diese steht grundsätzlich allen wahlberechtigten Franzosen offen. Nach einer Umfrage für den TV-Sender BFMTV waren in der ersten Runde 15 Prozent der Wähler Anhänger der Linken, weitere 8 Prozent sympathisieren mit der rechtsextremen Front National.

Der französische Staatschef wird im April und Mai gewählt. Nach Umfragen hat der Kandidat des bürgerlichen Lagers gute Chancen, neuer Präsident zu werden. Als wahrscheinlich gilt eine Stichwahl gegen die Kandidatin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Der sozialistische Amtsinhaber François Hollande hat bisher noch nicht erklärt, ob er erneut antritt. Er gilt laut Umfragen jedoch als chancenlos. (kko/chk/sda/afp)

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