ANC feiert Jubiläum: Aus Terroristen wurden Staatsmänner
Aktualisiert

ANC feiert JubiläumAus Terroristen wurden Staatsmänner

Südafrika feiert am Wochenende den Afrikanischen Nationalkongress ANC. Während der Apartheid wurden seine Mitglieder verurteilt und eingesperrt. Seit knapp 20 Jahren stellen sie stets den Präsidenten.

Ein Wendepunkt in der Geschichte Südafrikas: Im April 1994 stehen Township-Bewohner stundenlang an, um ihre Stimme abgeben zu können. Nelson Mandela wird zum Präsidenten gewählt.

Ein Wendepunkt in der Geschichte Südafrikas: Im April 1994 stehen Township-Bewohner stundenlang an, um ihre Stimme abgeben zu können. Nelson Mandela wird zum Präsidenten gewählt.

Jahrzehntelang wurden sie als «Terroristen» verurteilt oder verbannt, heute sind sie Titanen der Politik Südafrikas: Seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 hat der Afrikanische Nationalkongress (ANC) alle vier Präsidenten gestellt. Mit dreitägigen Feierlichkeiten erinnert der Afrikanische Nationalkongress ab heute Freitag an seine Gründung vor hundert Jahren.

Mehr als 100 000 Gäste werden nach Angaben der ANC-Koordinatorin Baleka Mbete zu den Jubiläumsfeiern der einst verbotenen Freiheitsbewegung und heutigen Regierungspartei in Bloemfontein erwartet. Neben einer traditionellen Zeremonie sind ein Golfturnier, Konzerte und ein Galadinner geplant. Zudem will Präsident Jacob Zuma mit einer Rede im dortigen Fussballstadion an die ANC-Freiheitskämpfer erinnern und eine Flamme entzünden, die anschliessend als Symbol des Widerstands gegen die Apartheid durch das Land geschickt wird.

Die Ikone Nelson Mandela

Bloemfontein ist der Ort, an dem der ANC am 8. Januar 1912 als South African Native National Congress gegründet wurde. 1923 wurde er in African National Congress umbenannt.

Der wohl berühmteste Freiheitskämpfer des ANC ist Nelson Mandela, der Anfang der 60er Jahre zum Kampf gegen das Apartheid-Regime aufrief und so zum Vorkämpfer für Verständigung, zum Symbol der nationalen Versöhnung und nach den Wahlen von 1994 der erste schwarze Präsident des Landes wurde.

Anders als andere afrikanische Befreiungsbewegungen, die ebenfalls an die Macht kamen, hat der ANC während seiner ununterbrochenen Führung des Landes seit 1994 einem autoritären Regierungsstil weitestgehend widerstanden. Zwölf andere Parteien sind im südafrikanischen Parlament vertreten.

Jeder dritte unter Armutsgrenze

Zwischen zwei und drei Millionen schwarze Südafrikaner zählen heute zur Mittelklasse. «Das heutige Südafrika sieht sehr anders aus, als das, welches wir 1994 hinter uns liessen», sagt der Chef der nationalen Planungskommission, Trevor Manuel. «Aber für viele Südafrikaner gibt es immer noch vieles, das genauso aussieht.» Rund 39 Prozent der Bevölkerung leben weiterhin unterhalb der Armutsgrenze von 419 Rand (rund 49 Franken) im Monat. Etwa 20 Prozent haben keinen Strom, jeder Zehnte hat kein fliessendes Wasser.

Trotz aller Errungenschaften gibt es regelmässig Kritik an der Regierungspartei: Der ANC ist immer wieder in Korruptionsskandale verwickelt. Zudem sieht sich Zuma wegen der Platzierung politischer Verbündeter in den Strafverfolgungsbehörden in der Kritik.

Und auch ein neues Gesetz, das Haftstrafen von bis zu 25 Jahren für Journalisten vorsieht, wenn diese geheime Informationen veröffentlichen, sorgt für Ärger. Viele Südafrikaner halten darüber hinaus eine ANC-Mitgliedschaft für eine Voraussetzung, um in der Wirtschaft überhaupt Erfolg haben zu können.

«Wir können nicht in der Vergangenheit leben»

«Der ANC ist nicht mehr das, was er einmal war», sagt die 23-jährige Zoliswa Jayiya aus der einstigen ANC-Hochburg Soweto. Die Politiker der Partei hätten zwar «Grossartiges geleistet».

«Aber das ist die Vergangenheit, und wir können nicht in der Vergangenheit leben.» Die Hochschulabsolventin kritisiert vor allem, dass die ethnische Zugehörigkeit weiterhin das Denken der Menschen bestimme und die wirtschaftliche Kluft so tief wie immer sei.

Trotz aller Kritik bleibt der ANC für viele zukunftsweisend für Südafrika. «Wir wurden in einem Trauma gross», sagt Soweto-Bewohner David Meyers. Die Partei aber sei die erste gewesen, «mit der ich lernte, zu denken und keine Angst zu haben.» (sda)

Feier ohne die Überfigur

Nelson Mandela wird an den 100-Jahr-Feiern des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) am Sonntag nicht teilnehmen. Dem 93-Jährigen gehe es gut, sagte ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe am Freitag dem staatlichen Fernsehen SABC. Mandela sei aber zu alt und gebrechlich, um von seinem Heimatort Qunu in der Provinz Ostkap zu den ANC-Jubiläumsfeiern nahe Bloemfontein in der Provinz Freistaat zu reisen. Der Friedensnobelpreisträger war nach 27 Jahren Haft unter dem rassistischen Apartheid-Regime von 1991 bis 1997 Führer des ANC gewesen.

Deine Meinung