Flucht beendet: Ausbrecher Michalski dank Handy geschnappt
Aktualisiert

Flucht beendetAusbrecher Michalski dank Handy geschnappt

Aufatmen in Nordrhein-Westfalen: Fünf Tage nach dem spektakulären Ausbruch aus dem Aachener Gefängnis ist der zweite der beiden flüchtigen Schwerverbrecher, Peter Paul Michalski, gefasst worden. Sein Handy hatte ihn verraten.

von
Daniela Pegna
AP

Ein Spezialeinsatzkommando überwältigte den bewaffneten 46-Jährigen am Dienstagmorgen nach einer Handyortung auf seinem Fahrrad in Schermbeck nahe der holländischen Grenze. Er habe sich sofort ergeben und widerstandslos festnehmen lassen, sagte Polizei-Einsatzleiter Dieter Klinger. Michalskis Komplize, Michael Heckhoff, war bereits am Sonntag in Mülheim an der Ruhr geschnappt worden.

Bei einem verurteilten Mörder habe man nach einer tagelangen Flucht mit dem Schlimmsten rechnen müssen, sagte Klinger. Aber am Ende sei doch alles gutgegangen. «Wir sind dankbar für den unblutigen Ausgang», betonte er.

Wie genau die Polizei dem als hochgefährlich geltenden Kriminellen in Schermbeck auf die Spur gekommen ist, wollten die Ermittler am Dienstag nicht sagen. Sie hatten zuletzt vor allem das Bielefelder Umland, wo der 46-Jährige aufgewachsen ist, mit Hunderten Einsatzkräften durchkämmt. In Ostwestfalen sei er aber gar nicht gewesen, sagte Klinger. Die Spürhunde hätten offenbar falsch angeschlagen.

Zwischen zwei Fahrzeugen eingekeilt

Die Lokalisierung Michalskis im Kreis Wesel habe sich dann in den frühen Morgenstunden am Dienstag über ein Handy ergeben. Die Ermittler entdeckten den 46-Jährigen auf einer Landstrasse in Schermbeck auf dem Fahrrad und keilten ihn mit zwei Fahrzeugen ein. Zu Boden gegangen sei er bei dem Zugriff nicht, sagte der Einsatzleiter und widersprach damit anderslautenden Medienberichten. Michalski habe sich sofort ergeben und auf den Sitz seiner geladenen Waffe gezeigt.

Aufmerksam geworden waren die Fahnder auf den einsamen Fahrradfahrer in der ländlichen Region auch durch einen Schlafsack, den der 46-Jährige auf sein Rad geschnallt hatte. «Das ist schon recht ungewöhnlich», erklärte Klinger. Ob sich der Schwerverbrecher nach Holland absetzen wollte, sei noch unklar.

Michalski selbst hat sich laut Staatsanwaltschaft noch nicht geäussert. Gegen ihn und seinen Komplizen Heckhoff, der derzeit im Hochsicherheitstrakt der JVA Bochum untergebracht ist, wurde Haftbefehl unter anderem wegen Geiselnahme und schwerer räuberischen Erpressung erlassen. Die bereits zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilten Schwerverbrecher dürften damit kaum Chancen haben, jemals wieder frei zu kommen.

Michalski war zusammen mit Heckhoff vergangenen Donnerstag aus dem Aachener Gefängnis geflohen. Hilfe bekamen sie dabei offenbar von einem 40-jährigen JVA-Bediensteten, der seit Samstag in Untersuchungshaft sitzt. Er soll die Schwerverbrecher unter anderem mit Pistolen und Munition versorgt haben.

Unter der Brücke geschlafen

Auf ihrer Flucht quer durch Nordrhein-Westfalen sind die Flüchtigen den Fahndern mehrfach nur um Haaresbreite entgangen. Ihre erste Nacht verbrachten sie laut Polizei unter einer Brücke in Köln. Insgesamt zwangen die beiden Sträflinge fünf Menschen, ihnen bei der Flucht über Köln ins Ruhrgebiet zu helfen.

Nach der Festnahme Heckhoffs in Mülheim hatte sich Michalski laut Klinger zunächst in ein Hochhaus geflüchtet, wo er eine Familie bedrohte. Weil der Ehemann jedoch «massiv» eingeschritten sei, habe der Ausbrecher wieder davon abgelassen. Ob Michalski die Strecke von Mülheim nach Schermbeck schliesslich mit dem Fahrrad zurücklegte, sei noch unklar, sagte Klinger.

Beide Schwerverbrecher waren bereits seit Jahren im Gefängnis. Michalski erschoss 1993 im Hafturlaub einen Mittäter. Heckhoff war 1992 an einer Geiselnahme in der JVA Werl beteiligt.

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