Baden: Ausbruch übers Dach und mit Tüchern abgeseilt

Aktualisiert

BadenAusbruch übers Dach und mit Tüchern abgeseilt

Zwei Häftlinge sind mithilfe eines selbst geknoteten Seils aus dem Bezirksgefängnis Baden ausgebrochen. Die beiden Männer, die wegen Einbruchdiebstählen in Haft waren, sind flüchtig.

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chk/vro
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Zwei Häftlinge sind in der Nacht auf Dienstag, 19. Juli 2017, aus dem Bezirksgefängnis Baden ausgebrochen.

Zwei Häftlinge sind in der Nacht auf Dienstag, 19. Juli 2017, aus dem Bezirksgefängnis Baden ausgebrochen.

Leser-Reporter
Sie haben sich mit einem aus Leintüchern zusammengeknüpften Seil aus dem Gebäude abgeseilt.

Sie haben sich mit einem aus Leintüchern zusammengeknüpften Seil aus dem Gebäude abgeseilt.

Leser-Reporter
Neben dem Gebäude befindet sich eine Baustelle, dorthin sind die beiden wegen Einbruchdiebstählen inhaftierten Insassen geflüchtet.

Neben dem Gebäude befindet sich eine Baustelle, dorthin sind die beiden wegen Einbruchdiebstählen inhaftierten Insassen geflüchtet.

Leser-Reporter

In der Nacht auf Dienstag gelang zwei Häftlingen die Flucht aus dem Bezirksgefängnis Baden. Kurz nach 3.00 Uhr hatte eine Vollzugsangestellte den Ausbruch bemerkt, wie die Kantonspolizei Aargau mitteilte. Eine Grossfahndung wurde eingeleitet, mehrere Diensthunde sind im Einsatz, und auch ein Armeehelikopter wurde beigezogen. Mittlerweile wurde die Fahndung jedoch abgebrochen, sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei.

Bei den Gesuchten handelt es sich um einen 39- und einen 33-jährigen Rumänen. Sie waren wegen Einbruchdiebstählen im vorzeitigen Strafvollzug, teilte Markus Häfliger, stellvertretender Leiter der Abteilung Justizvollzug, am Dienstagnachmittag mit. Die Polizei ersucht um Mithilfe bei der Suche nach den beiden flüchtigen Männern.

Mithilfe von Tüchern abgeseilt

Zu den genauen Umständen des Fluchthergangs liefen Abklärungen, so Häfliger. Leserbilder vom Morgen zeigen: Die beiden Häftlinge haben sich mit einem Seil, das sie aus mehreren Tüchern zusammengeknüpft und am Dach befestigt hatten, abgeseilt. An das Gebäude grenzt eine Baustelle. Als ein Leser-Reporter am Morgen dorthin kam, hing das Seil noch am Gebäude, sagt er. «Ich sah das Seil und habe vom Ausbruch gelesen. Der Zusammenhang ist offensichtlich», sagt der Mann. Im Laufe des Morgens habe die Polizei das Seil schliesslich entfernt.

Der Leser ist überzeugt: «Die Flüchtigen müssen Hilfe von aussen gehabt haben.» Denn der Zugang zur Baustelle sei unter anderem durch Wände und Stacheldraht gesichert. «Sie sind wohl darüber geklettert. Am Zaun ist nichts kaputt und es fehlt nichts.»

Häfliger bestätigt lediglich, dass die beiden einen Gitterstab durchtrennen und so über das Dach mithilfe eines aus Bettwäsche hergestellten Seils entkommen konnten.

Unklar, ob jemand geholfen hat

Es sei schwierig zu beurteilen, wie gefährlich die beiden sind, sagt Graser. Er geht jedoch davon aus, dass die oberste Priorität bei der Flucht liege, nicht bei Gewaltverbrechen. Wenn sie also nicht in die Enge getrieben würden, dürften sie vermutlich eher auf Gewaltdelikte verzichten. Auch laut Häfliger bestehen keine Hinweise auf eine besondere Gefährlichkeit.

Durch Hinweise der Bevölkerung hofft man den beiden Flüchtigen auf die Spur zu kommen. «Mittlerweile dürften sie sich umgezogen haben», sagt Graser. Zudem sei es unwahrscheinlich, dass sie sich noch im Raum Baden aufhielten. Ob sie bei der Flucht Hilfe hatten, kann Graser nicht sagen. Er erinnert daran, dass die Polizei auch im Zweifelsfall informiert werden sollte. «Lieber einmal zu viel anrufen.»

Ähnlicher Ausbruch bereits vor fünf Jahren

Es ist nicht das erste Mal, dass Häftlinge auf diese Art aus dem Bezirksgefängnis Baden ausgebrochen sind. Im Jahr 2011 flüchteten drei Untersuchungshäftlinge, die gemeinsam in einer Zelle gesessen hatten. Sie schafften es, einen Tablarträger aus der Wand zu reissen, damit eine Verbinungstür in den Zwischengang aufzubrechen und sich schliesslich über ein Dachfenster mit zusammengeknoteten Leinentüchern aus 18 Metern Höhe vom Gebäude abzuseilen. Damals sagte Roland Hengartner, damaliger Leiter des Aargauer Straf- und Massnahmenvollzugs, zur Aargauer Zeitung: «Man ist nie davon ausgegangen, dass man auf diese Weise aus dem Gefängnis ausbrechen kann. Auch nicht die externe Fachperson, die jedes Jahr die Sicherheit überprüft.»

(chk/vro/sda)

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