Aktualisiert 21.07.2015 12:32

Dr. Muscle

Ausdauersportler leiden extrem unter der Hitze

Wie sinnvoll sind Sportevents bei extremen klimatischen Bedingungen? Dr. Muscle über die Folgen von Hitze auf die Leistung von Sportlern.

Grosse Hitze hinterlässt bei Ausdauersportlern Spuren: Überwärmung und Wassermangel führen oft zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit. Auch Mary Beth Ellis (USA) kämpfte vor dem Ziel beim Ironman am 19. Juli gegen Temperaturen von 31 Grad.

Grosse Hitze hinterlässt bei Ausdauersportlern Spuren: Überwärmung und Wassermangel führen oft zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit. Auch Mary Beth Ellis (USA) kämpfte vor dem Ziel beim Ironman am 19. Juli gegen Temperaturen von 31 Grad.

Hitze beeinträchtigt die Leistung

Die Mehrheit der grossen internationalen Sportevents wie zum Beispiel Olympische Sommerspiele, die Fifa-Weltmeisterschaften oder aktuell die Tour de France (weltweit die drei populärsten Events, was die Fernsehquoten angeht) finden während der Sommermonate auf der nördlichen Erdhalbkugel statt, oft bei hohen Umgebungstemperaturen. Während diese hohen Temperaturen die Performance von Athleten und Athletinnen aus den Sprung- und Wurfdisziplinen oder auch dem Sprint (also für kurzzeitige sportliche Aktivitäten bzw. Disziplinen) nur am Rande negativ beeinflussen oder sogar verbessern, können anhaltend hohe Temperaturen zu einer bedeutenden Abnahme der Leistungsfähigkeit bei den Ausdauer- und Spielsportarten führen.

Zu den hauptsächlichen Gründen für diese Leistungsabnahme gehören die Überwärmung (die sogenannte Hyperthermie) und der Wassermangel (Dehydratation) des Körpers. Um das zu vermeiden, versucht der Körper, die zusätzlich durch die arbeitende Muskulatur anfallende Wärme an die Umgebung abzugeben, indem er die Hautdurchblutung und Schweissrate (das heisst der Schweissverlust pro Minute) erhöht. Dadurch entsteht zusätzlich eine erhöhte Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Die Folge aus Hyperthermie, Dehydratation und erhöhtem Herz-Kreislauf-Stress ist eine (stark) verminderte Ausdauerleistungsfähigkeit.

Die übereinstimmende Sicht der führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet ist, dass die wichtigste präventive Massnahme, die Sportler ergreifen können, die Hitzeakklimatisation ist. Darunter versteht man, dass sich die Athleten vor dem Wettkampf idealerweise während zwei Wochen an das Training bzw. die körperliche Belastung bei hoher Umgebungstemperatur zu gewöhnen versuchen beziehungsweise das Training bei Hitze «üben». Als weitere Massnahme wird empfohlen, normal hydriert (d. h. bei normalem Wassergehalt im Körper) in einen Wettkampf zu steigen, den Wasser- und Salzverlust während des Wettkampfs zu minimieren und nach dem Wettkampf den Flüssigkeits- und Salzhaushalt zusammen mit dem Energiehaushalt (Kohlenhydrate, Protein) möglichst schnell wieder ins Lot zu bringen.

So wird der Körper gekühlt

Kühlungsmethoden vor und während des Wettkampfs werden den Sportlern auch nahegelegt, um die Wärmespeicherung im Körper zu reduzieren, insbesondere wenn die äusseren Temperaturbedingungen extrem sind. Diese beinhalten zum Beispiel das Kaltwasserbad (typischerweise für den ganzen Körper während 30 min bei 22-30 °C), kühlende Kleidungsstücke (etwa eisgekühlte Jacketts, die die Hauttemperatur reduzieren), die Aufnahme von eisgekühlten Flüssigkeiten oder Eis-Wasser-Gemischen oder eine Kombination aus all diesen Kühlungsmethoden.

Schliesslich könnten auch die Eventorganisatoren und die Verbände beziehungsweise Organisationen die Sportler unterstützen, indem mehr oder längere Erholungszeiten zwischen den Wettkämpfen eingeplant werden. Über den (Un-)Sinn von Sportevents bei extremen klimatischen Bedingungen lässt sich streiten, denn aus diesen Empfehlungen wird vor allem eines klar, dass wir Menschen nämlich nicht dazu geschaffen sind, bei extremen Umgebungsbedingungen (Temperatur, Höhe etc.) über längere Zeit eine hohe Ausdauerleistung zu erbringen.

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Uniklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Hochschuldozent fur Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig. Er verfügt zudem über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Fitnesstrainern und der Instruktion und Betreuung von Trainierenden.

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