Aktualisiert 06.08.2018 14:04

Umweltkatastrophe

Ausgebrochene Lachse versetzen Chile in Angst

Während eines Gewitters sind in Chile unzählige Lachse aus einer Zuchtfarm ausgebüxt. Ökologen und Naturschützer befürchten das Schlimmste.

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In Chile sind die Lachse los.

In Chile sind die Lachse los.

Keystone/AP/Asahi Shimbun
Grund dafür ist ein starkes Unwetter im Juli 2018.

Grund dafür ist ein starkes Unwetter im Juli 2018.

iStock/Hadelproductions
Während diesem waren offenbar die Käfige einer Zuchtanlage so stark beschädigt worden, ...

Während diesem waren offenbar die Käfige einer Zuchtanlage so stark beschädigt worden, ...

Getty Images/Bloomberg

Von entlaufenen Hunden, Katzen, ja sogar von ausgebrochenen Kängurus und Löwen hat man schon gehört. Nicht aber von Zuchtlachsen. Doch genau die haben in Chile nun das Weite gesucht.

Möglich machte die ungewöhnliche Flucht ein heftiges Unwetter am 8. Juli. Während diesem waren offenbar die Käfige einer Zuchtanlage des norwegischen Konzerns Marine Harvest beschädigt worden, wodurch die Tiere ins offene Meer gelangten. Der Verbleib der rund 690'000 Tiere ist seither ungewiss – ein Umstand, der sowohl Naturschützern als auch Ökologen grosse Sorgen bereitet.

Hohe Dosen Antibiotika

Vor allem die verwendeten Antibiotika beunruhigen die Experten. Denn laut Greenpeace sind die Lachse in den chilenischen Aquakulturen einer bis zu 700-fach höheren Dosis ausgesetzt als in anderen Ländern, was gemäss Informationen von Taz.de von Marine Harvest jedoch teilweise bestritten wird.

Werden die entflohenen Tiere nun von Seelöwen, Pinguinen und Ottern gefressen, könnten die Substanzen auch in sie gelangen und Gesundheitsprobleme verursachen. Vor allem, weil die Behandlung der Zuchtlachse noch nicht abgeschlossen war. Deshalb drohen Atembeschwerden und Allergien, sollten die entkommenen Tiere gegessen werden, so Estefanía González von Greenpeace Chile – und zwar bei Mensch und Tier. Auch eine Ausbreitung von Resistenzen ist wahrscheinlich.

Invasive Art bedroht einheimische Tiere

Gross ist auch die Gefahr, die nun für das Ökosystem der Region besteht. Denn Lachse sind auf der Südhalbkugel nicht heimisch. Was die rund 700'000 Lachse nun in freier Wildbahn anrichten, ist laut Fachleuten kaum kalkulierbar. Greenpeace befürchtet aber, dass sie ganze Bestände heimischer Fischarten ausrotten könnten.

«Es ist, als würden plötzlich 140 Millionen Mäuse in Santiago de Chile losgelassen», beschreibt González die Situation vor der Küste Chiles.

Gross angelegte Rettungsaktion

Um Schlimmeres zu verhindern, hat die chilenische Umweltaufsichtsbehörde Superintendencia del Medio Ambiente eine ganze Reihe von Massnahmen verhängt. So soll beispielsweise verhindert werden, dass die entflohenen Zuchtlachse vom Meer in die Süsswassergewässer gelangen. Es müsse wirklich alles daran gesetzt werden, die Tiere wieder einzufangen, so die Behörde – ganz egal, ob tot oder lebendig.

Marine Harvest wurde verpflichtet, eingesammelte tote Lachse ordnungsgemäss zu entsorgen und für jede ihrer Anlagen Sicherheitskonzepte vorzulegen, wie Ausbrüche in Zukunft verhindert werden sollen. Für das Unternehmen könnte es jedoch noch dicker kommen: Nach Medienberichten drohen ihm nicht nur saftige Geldstrafen, es ist auch möglich, dass ihm die Konzessionen für Zuchtanlagen entzogen wird.

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