Recyceln statt Wegwerfen: Ausgediente Corona-Masken machen Beton stabiler

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Recyceln statt WegwerfenAusgediente Corona-Masken machen Beton stabiler und widerstandsfähiger

Masken, Einmalhandschuhe und medizinische Schutzkleidung spielen im Kampf gegen Covid-19 eine grosse Rolle – und belasten die Umwelt. Doch sie müssen gar nicht im Abfall landen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Masken schützen vor der Übertragung des Coronavirus. 

Masken schützen vor der Übertragung des Coronavirus. 

Unsplash
Im medizinischen Umfeld kamen dafür auch Schutzkittel … 

Im medizinischen Umfeld kamen dafür auch Schutzkittel … 

20min/François Melillo
… und Einmalhandschuhe zum Einsatz. 

… und Einmalhandschuhe zum Einsatz. 

20min/François Melillo

Darum gehts

  • Persönliche Corona-Schutzausrüstung kann recycelt und neu genutzt werden.

  • Australische Forschende zeigen das am Beispiel von Baumaterialien. 

  • Sie können durch Beimischung von Masken, Einmalhandschuhen und Kitteln widerstandsfähiger gemacht werden.

Benutzte Masken sowie Einmalhandschuhe und medizinische Schutzkittel, wie sie im Rahmen der Covid-19-Pandemie zuhauf zum Einsatz kommen, können die Materialeigenschaften von Beton verbessern. Zu diesem Schluss kommen Forschende der Royal Melbourne Institute of Technology University in Australien in mehreren Studien.

Werden geringe Anteile der geschredderten Kunststoffmaterialien in den Beton gemischt, erhöhen sich unter anderem Druckbeständigkeit und Elastizität des Baumaterials. Vorausgesetzt die beigemischte Menge stimmt. «Unsere Forschung zeigt, dass die Beigabe der richtigen Menge geschredderter Schutzausrüstung die Stärke und die Haltbarkeit von Beton verbessern kann», zitiert die Hochschule einen der beteiligten Forscher, Shannon Kilmartin-Lynch, in einer Mitteilung. Konkret zeigten die Untersuchungen Folgendes: 

  • Gummihandschuhe erhöhten die Druckfestigkeit von Beton um bis zu 22 Prozent.

  • Isolierkittel erhöhten den Widerstand gegen Biegebeanspruchung um bis zu 21 Prozent, die Druckfestigkeit um 15 Prozent und die Elastizität um zwölf Prozent.

  • Gesichtsmasken erhöhten die Druckfestigkeit um bis zu 17 Prozent.

«Ein Gewinn für alle Seiten»

Die Wissenschaftler hoffen, mit ihrer Forschung einen positiven Einfluss auf den ökologischen Aspekt der Corona-Pandemie haben zu können. «Wir alle haben schon Einwegmasken gesehen, die auf der Strasse herumlagen. Aber selbst, wenn sie ordnungsgemäss entsorgt werden, landen solche Abfälle schlicht auf der Mülldeponie», so Kilmartin-Lynchs Kollege Jie Li. «Mit unserem Ansatz der Kreislaufwirtschaft könnten wir diese Materialien von der Deponie fernhalten, gleichzeitig ihren vollen Wert ausschöpfen und bessere Produkte herstellen – es wäre ein Gewinn für alle Seiten.»

Wie gross das Potenzial ist, zeigt ein Blick auf die Menge genutzter Schutzmaterialien: Seit Beginn der Covid-19-Pandemie wurden weltweit durchschnittlich 54’000 Tonnen Plastikabfall pro Tag produziert. Jeden Monat werden weltweit etwa 129 Milliarden Einweg-Gesichtsmasken benutzt und weggeworfen. «Wir brauchen dringend intelligente Lösungen für den ständig wachsenden Haufen von Covid-19-Abfällen. Eine Herausforderung, die auch nach dem Ende der Pandemie bestehen bleiben wird», sagt Kilmartin-Lynch.

Aktuell befände sich die Forschung «zwar noch im Anfangsstadium, aber diese vielversprechenden ersten Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Entwicklung effektiver Recyclingsysteme», so Rajeev Roychand, einer der Hauptautoren.

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