Nicht mehr legal: Ausgeraucht für Spice in Deutschland
Aktualisiert

Nicht mehr legalAusgeraucht für Spice in Deutschland

Herstellung, Handel und Besitz der Modedroge Spice sind ab morgen in Deutschland verboten. Spice wirkt ähnlich wie Cannabis, ist aber stärker und unberechenbarer. In der Schweiz ist Spice zumindest offiziell nicht auf dem Markt.

Die angebliche Kräutermischung war bisher frei verkäuflich und wurde zum «Beduften von Räumen» vermarktet. Sie wurde aber geraucht. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing hatte deshalb Ende Dezember das Verbot angekündigt, das Gesundheitsministerin Ulla Schmidt nun im Eiltempo durchsetzte. Hintergrund sind die berauschende Wirkung und das Suchtpotenzial der als harmlose Kräutermischung vermarkteten Droge. «Spice ist nicht harmlos», warnte Schmidt. «Es musste schnell aus dem Verkehr gezogen werden.»

In der Schweiz nicht auf dem Markt

In der Schweiz ist «Spice» nicht auf dem Markt. «Spice» gelte als so genanntes Tabakersatzprodukt, wie diese Woche von Seiten des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu erfahren war. Wenn es jemand in der Schweiz auf den Markt bringen wolle, müsse er es dem BAG melden - und dieses könnte auch intervenieren. Bislang sei allerdings keine solche Meldung erfolgt.

Das BAG habe aufgrund der Funde der synthetischen Cannabinoide kürzlich die Kantonschemiker informiert und zu Achtsamkeit angehalten. Nicht ausschliessen könne man, dass «Spice» zum Beispiel übers Internet aus dem Ausland bezogen werde.

Riskanter Konsum

Experten des Bundesamts für Risikobewertung hatten zunächst gerätselt, warum Spice so berauschend wirkt. Das Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Freiburg brachte in einer diese Woche vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Analyse die Lösung: Die angebliche Kräutermischung enthält demnach als Hauptwirkstoff das synthetische Cannabinoid «CP-47,497». Diese Substanz ähnele dem Hauptwirkstoff der Cannabispflanze, THC, sei aber pharmakologisch viel stärker.

Das Bundeskriminalamt warnte eindringlich vor der Gefahr von Überdosierungen. Das Suchtpotenzial sei mindestens so gross wie das von Cannabis. Zudem könnten durch den Verbrennungsprozess beim Rauchen sowie durch Umsetzungen der Wirkstoffe im Körper giftige und potenziell krebserregende Produkte gebildet werden.

Bätzing betonte: «Der Nachweis ist erbracht, dass die Hersteller dieser Kräutermischungen gezielt berauschende Stoffe zugesetzt haben und der Verkauf als harmloser Räucherduft Etikettenschwindel ist.» Da die Konzentration der Rauschstoffe unterschiedlich sei, sei der Konsum höchst riskant. Bätzing zeigte sich zuversichtlich, dass das Verbot die Nachfrage nach Spice stark eindämmen werde.

Aufstieg zur Modedroge

Die Wirkung der Droge wird als zunächst euphorisierend und enthemmend, dann als müde machend beschrieben. Die Konsumenten wirken schliesslich «zugedröhnt».

Spice gibt es bereits seit Jahren, war aber nach Angaben der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung noch Anfang 2008 als Problem praktisch unbekannt. In den vergangenen Monaten hatte sie jedoch für immer mehr Aufmerksamkeit gesorgt. Bätzing hatte beklagt, dass auch das grosse Medieninteresse die Nachfrage nach dem «unbekannten Produkt für Insider» enorm gesteigert habe.

Nach Erfahrung der Bundeszentrale können Verbote zusammen mit Aufklärung tatsächlich eine Modedroge auch wieder zurückdrängen. Eine Sprecherin verwies auf den inzwischen abgeklungenen «Hype» um Ecstacy Anfang des Jahrzehnts. Damals räumten bis zu acht Prozent der Jugendlichen Ecstacy-Konsum ein. Inzwischen seien es nur noch zwei Prozent, sagte die Sprecherin der Nachrichtenagentur AP.

In der Szene ist Spice auch deshalb beliebt, weil es mit gängigen Tests nicht nachweisbar ist. Deshalb wird die Mischung von Menschen bevorzugt, die sich regelmässigen Drogentests unterziehen müssen, um ihren Führerschein wieder zu erhalten. Nach Händlerangaben kosten drei Gramm in den bunten, metallisch glänzenden Tütchen rund 30 Euro.

(dapd)

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