Besuch vom Weltmeister: Ausgerechnet Zarco klopft an Lüthis Boxentür
Publiziert

Besuch vom WeltmeisterAusgerechnet Zarco klopft an Lüthis Boxentür

Tom Lüthi kriegt vor dem GP in Le Mans ein Geschenk von Weltmeister Johann Zarco überreicht. Auf weitere kann der Berner nicht hoffen.

von
A. Stäuble
Le Mans

Tom Lüthi staunte am Donnerstag nicht schlecht, als ihm seine Boxencrew ausrichtete, dass Johann Zarco da war. Ausgerechnet der 25-jährige Franzose, amtierender Moto2-Weltmeister und auch 2016 einer härtesten Widersacher Lüthis. Und dann auch das noch: «Er wollte mir ein Geschenk bringen», erzählt der Schweizer am Tag nach dem Überraschungs-Besuch.

Also klopfte Zarco wenig später noch einmal an die Boxentür und übergab Lüthi – einen Teller. Wie bitte? «Ja! Zarco hatte Ende Saison von einem Fan einen bemalten Teller bekommen. Und weil der Fan mich offenbar auch mag, hat er auch einen für mich verziert und Zarco gebeten, ihn mir zu geben», erklärt Lüthi, immer noch sichtlich gerührt über die nette Geste. «Johann hat ihn also den ganzen Winter aufgehoben», stellt er mit einem Lachen fest.

Zarco ist irgendwie anders

Der Respekt ist gross und spürbar, wenn Lüthi über Zarco spricht. «Er ist ein feiner Typ, ich mag ihn sehr.» Vielleicht, weil er anders ist. Das zeigte sich am Donnerstag, als der Franzose mit sechs weiteren Fahrern zur Pressekonferenz erschienen war. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs ... und wo ist der siebte? Ah!, ganz links sitzt noch einer: Johann Zarco.

«Er ist keiner, der sich präsentieren muss», sagt Lüthi. Einmal entdeckt, sticht er aber aus der Menge heraus. Er trägt als einziger keine Mütze und kein mit Werbung vollbesticktes und farbiges Hemd, die Haare hat er sorgfältig zur Seite frisiert und mit etwas Gel fixiert, seine Worte wählt er mit Bedacht und die übermittelt wer mit viel Mimik und Gestik, und ohne Floskeln.

Alles bereit für das nächste Duell

Von seiner sanften Art ist dann nichts mehr zu spüren, wenn Zarco auf sein Motorrad steigt. «Es ist hart, gegen ihn zu fahren. Sehr, sehr hart», präzisiert Lüthi. In Le Mans deutet alles auf das nächste Duell zwischen den beiden Moto2-Stars hin. «Das war zu erwarten», sagt der Berner, der dafür gewappnet ist, dem Franzosen sein Heimspiel zu vermiesen.

Die erste Runde ging aber an Zarco. Der Titelverteidiger war in den freien Trainings am Freitag einen Hauch schneller als der Berner, der in Le Mans vor Selbstvertrauen strotzt. Kein Wunder, schliesslich konnte er hier schon viermal siegen (2005, 2006, 2012 und 2015). «Die Basis ist sehr, sehr gut. Die Pace auch. Doch bei Zarco sieht es auch verdammt gut aus», stellt Lüthi mit einem Schmunzeln fest. Er weiss; Geschenke gibt es keine mehr.

Deine Meinung