Pfarrer klagt an: Ausgeschaffte Dana (12) friert nun in löchrigem Zelt

Aktualisiert

Pfarrer klagt anAusgeschaffte Dana (12) friert nun in löchrigem Zelt

Dana (12) und ihre Mutter wurden trotz Kirchenasyls nach Belgien abgeschoben. Die Katholische Kirche Luzern kritisiert die Umstände im Auffanglager aufs Schärfste.

von
gwa
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Dana (12) und ihre Mutter Luisa (53) wurden vor zwei Monaten nach Belgien abgeschoben.

Dana (12) und ihre Mutter Luisa (53) wurden vor zwei Monaten nach Belgien abgeschoben.

Katholische Kirche Stadt Luzern
Dort leben die beiden nun unter schwerigen Umständen, wie die Katholischen Kirche der Stadt Luzern kritisiert. Derzeit lebten sie in einem Zelt: «Das Zelt wird nur mit einem Elektrogebläse, das auf dem Schrank oben steht, beheizt, im Dach ist ein Loch, der Boden ist eiskalt», sagt Nicola Neider von der Kirche.

Dort leben die beiden nun unter schwerigen Umständen, wie die Katholischen Kirche der Stadt Luzern kritisiert. Derzeit lebten sie in einem Zelt: «Das Zelt wird nur mit einem Elektrogebläse, das auf dem Schrank oben steht, beheizt, im Dach ist ein Loch, der Boden ist eiskalt», sagt Nicola Neider von der Kirche.

Katholische Kirche Stadt Luzern
«Es gibt keinen Stuhl und keinen Tisch. Es gibt auch sonst keine Räume für Kinder», sagt Neider. Dana sei erst zwei Tage in der Schule gewesen. Auch der Mutter mache die Situation psychisch zu schaffen.

«Es gibt keinen Stuhl und keinen Tisch. Es gibt auch sonst keine Räume für Kinder», sagt Neider. Dana sei erst zwei Tage in der Schule gewesen. Auch der Mutter mache die Situation psychisch zu schaffen.

Katholische Kirche Stadt Luzern

Die Geschichte bewegte die Stadt Luzern: Obwohl die Tschetschenin Luisa (53) und ihre Tochter Dana (12) Kirchenasyl von der Pfarrei St. Leodegar in Luzern erhalten hatten, wurden die beiden nach Belgien abgeschoben.

Wie geht es den beiden rund zwei Monate später? «Nicht gut, wir machen uns Sorgen um die physische und psychische Gesundheit der beiden», sagt Ruedi Beck. Der Pfarrer von St. Leodegar hatte den beiden Kirchenasyl gewährt und sich für die kleine Familie eingesetzt.

«Zustände dort sind äusserst schwierig»

Nach der Ankunft in Belgien kamen Luisa und Dana in ein Erstaufnahmezentrum in Brüssel, danach in ein Asylauffanglager nahe Antwerpen. «Die Zustände dort sind äusserst schwierig», sagt Nicola Neider von der Katholischen Kirche Stadt Luzern. Neider steht in Kontakt mit den beiden.

Die Zustände im Lager beschreibt Neider so: «Dana und ihre Mutter sind in einem Zelt zusammen mit mehreren anderen Familien untergebracht, die Belegung wechselt ständig. Das Zelt wird nur mit einem Elektrogebläse, das auf dem Schrank oben steht, beheizt, im Dach ist ein Loch, der Boden ist eiskalt.»

«Es gibt keinen Stuhl und keinen Tisch. Es gibt auch sonst keine Räume für Kinder», sagt Neider. Dana sei erst zwei Tage in der Schule gewesen. Diese befinde sich in einem Container: «Dort soll sie jetzt Flämisch lernen – als einziges Mädchen in einer reinen Bubenklasse.» Auch Mutter Luisa leide unter den Umständen. Die Situation mache ihr psychisch zu schaffen und ihr Blutdruck sei erhöht.

Lage ist «zunehmend perkär»

Es werde keine Rücksicht darauf genommen, dass Dana traumatisiert sei und als Medizinalfall und als besonders schutzbedürftig gelte, obwohl man dies den Behörden in Belgien mitgeteilt habe. «Das Kindeswohl wurde ausser Acht gelassen, obwohl es von der Uno-Kinderrechtskonvention ausdrücklich geschützt wird», so Neider. Ein belgischer Anwalt setze sich dafür ein, dass die beiden in eine andere Unterkunft kommen. Das Honorar für den Anwalt wird mit Spenden aus Luzern bezahlt.

Die Zustände in Belgien seien schwierig, die Anzahl der Flüchtlinge sei dort seit vergangenem August stark angestiegen. Die Lage sei «zunehmend perkär», kritisiert die Katholische Kirche der Stadt Luzern. Rund 1000 Betten würden derzeit fehlen.

SEM in der Kritik

Kritisiert wird in der Mitteilung auch das Schweizer Staatssekretariat für Migration (SEM): Bei der Ausschaffung von verletzlichen Personen würden Betreuung und Unterbringung im Aufnahmeland nicht sorgfältig abgeklärt. Reto Rufer von Amnesty International fordert deshalb, «dass die Schweiz im Rahmen des Dublin-Verfahrens im Falle von verletzlichen Personen vermehrt von der Möglichkeit eines Selbsteintritts Gebrauch macht.»

Dieses Recht ermöglicht es einem Staat, in Härtefällen oder aus humanitären Gründen auf die Abschiebung von asylsuchenden Personen an den zuständigen Staat zu verzichten. Nufer: «Der vorliegende Fall scheint ein Paradebeispiel zu sein. Offenbar wurde die Rückführung nach Belgien vollzogen, obschon eine solche für die traumatisierte Tochter als schädlich eingestuft wurde.»

Anfrage und Petition noch unbeantwortet

Die Heilpädagogische Schule in Luzern, die Dana besucht hatte, hatte darauf hingewiesen, wie wichtig ein stabiles Umfeld für Dana sei. Auch die behandelnde Therapeutin hatte von einer Ausschaffung dringend abgeraten. «Genützt hat es nichts, die Ausschaffung wurde vollzogen – ungeachtet des Kindeswohls», so die Mitteilung.

Eine parlamentarische Anfrage zum Thema ist derzeit noch hängig. Auch eine Petition an die Luzerner Regierung mit rund 4000 Unterschriften ist noch unbeantwortet.

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