Schweiz hat ihm gefehlt: Ausgeschaffter Knabe schon bald zurück

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Schweiz hat ihm gefehltAusgeschaffter Knabe schon bald zurück

Der 15-jährige Schüler Artur Bondarenko, der Anfang September zusammen mit seiner Mutter nach Russland ausgewiesen wurde, kehrt bald in die Schweiz zurück. Er hat bereits ein Visumsgesuch gestellt.

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Die Geschichte der Bondarenkos ist in der Berner Gemeinde Münsingen bekannt: Die Russin Julia Bondarenko kam vor zwölf Jahren in die Schweiz. Sie arbeitete einige Zeit als Tänzerin. Dabei lernte sie ihren Mann, einen Schweizer, kennen. Nach der Heirat holte die Frau ihren damals sieben Jahre alten Sohn Artur aus erster Ehe zu sich. Doch der Ehemann handelte mit Drogen und wurde im Jahr 2006 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Auch Julia Bondarenko wurde verurteilt, obwohl sie angab, dass sie sich nicht habe wehren können gegen ihren Mann. Doch das Schlimmste daran war: Durch das Urteil verlor die Mutter ihre Aufenthaltsbewilligung.

Das bernische Amt für Migration und Personenstand verfügte 2009 die Wegweisung aus der Schweiz für die Bondarenkos. Obwohl Mutter und Sohn gut integriert waren und Julia arbeitete, erteilte ihnen das Migrationsamt keine Härtefallbewilligung. Vergangenen Februar lehnte es auch eine aufschiebende Wirkung der Wegweisung ab. Anfang September reisten beide nach Moskau aus.

Unterstützung aus FDP und SVP

Nun will aber Artur Bondarenko - alleine - wieder in die Schweiz zurückkehren. Sein Visumsantrag liegt der Schweizer Botschaft in Moskau bereits vor. Der FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser, der noch vor einem Monat die Wiedereinreise des Jungen verweigerte, setzt sich nun dafür ein. «Artur Bondarenko wird in der Schweiz eine Pflegefamilie brauchen. Wenn dies funktioniert, unterstützen wir das Vorhaben», bestätigte er gegenüber dem Onlineportal «Bern-Ost». Auch die lokale SVP-Politikerin Monika Heinis unterstützt die Rückkehr.

Wann der 15-Jährige wieder einreisen kann, ist noch nicht bestimmt. Auch ist unklar, ob eine passende Pflegefamilie für den Jugendlichen gefunden wird. In seiner ehemaligen Schule dürfte man sich jedoch über die Rückkehr freuen: Leitung und Lehrerschaft hatten sich stets für seinen Aufenthalt eingesetzt. In einem Brief an den Regierungsrat schrieben die Schulbehörden: «Artur hat sich mit grossem Eifer und Elan in die hiesige Gesellschaft eingefügt. Zielstrebig hat er sich die deutsche und berndeutsche Sprache zu eigen gemacht». SVP-Frau Heinis selbst meinte damals zum Fall Bondarenko: «Menschlich ist das einfach falsch.»

Korrigendum

In einer ersten Version haben wir in diesem Artikel geschrieben, dass Julia Bondarenko, die Mutter von Artur, zwei Jahre im Gefängnis sass. Richtig ist: Die Mutter wurde rechtskräftig zu zwei Jahren bedingt verurteilt und musste nicht ins Gefängnis. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler. (meg)

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