Tollwutgefahr : Ausgesetzte Welpen wurden eingeschläfert
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Tollwutgefahr Ausgesetzte Welpen wurden eingeschläfert

Schock für das Winterthurer Tierheim Rosenberg, wo zwei Hunde über den Zaun geworfen worden sind: Das Veterinäramt liess sie wegen Tollwutgefahr einschläfern.

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som
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Diese beiden Welpen wurden von Unbekannten am letzten August-Wochenende 2015 über den Zaun des Tierheims Rosenberg in Winterthur geworfen.

Diese beiden Welpen wurden von Unbekannten am letzten August-Wochenende 2015 über den Zaun des Tierheims Rosenberg in Winterthur geworfen.

Stapo Winterthur
Das Veterinäramt liess sie wegen Tollwutgefahr einschläfern.

Das Veterinäramt liess sie wegen Tollwutgefahr einschläfern.

Stapo Winterthur

Noch am Donnerstagnachmittag tollten die ausgesetzten Welpen auf einer Wiese im Tierheim Rosenberg herum. Sogar das Kommando «Sitz» befolgten die putzigen Mischlinge Aischa und Juma. Nun aber sind sie tot, wie Tele Züri meldet.

Das Zürcher Veterinäramt liess sie einschläfern, wie Kantonstierärztin Regula Vogel auf Anfrage bestätigt: «Diese Entscheidung ist uns überhaupt nicht leicht gefallen – aber es gab leider keine andere Möglichkeit.» Es hätte sich eine Person gemeldet, die die Hunde, die am letzten Wochenende vermutlich über den Zaun des Tierheimes geworfen sind, eindeutig identifizierte: «Sie sagte uns, dass die Tiere aus Algerien stammten.» Ein Hochrisikoland für die tödliche Krankheit Tollwut.

Tierheimleiterin: «Entscheid tut mir im Herzen weh»

«Die Tiere tragen das Virus in sich, es geht aber bis zu 120 Tage, bis die Krankheit ausbricht.» Trotzdem könnten sie in der Zeit vor dem Ausbruch Menschen und andere Tiere damit anstecken. Die Welpen so lange zu isolieren, ist für die Junghunde zu belastend: «In der Quarantäne hätten sie sich nicht richtig entwickeln können. Sie wären danach kaum gesellschaftsfähig gewesen.»

Tierheimleiterin Iris Spiess hat zwar Verständnis für den Entscheid, «Eer tut mir aber im Herzen weh». Am Donnerstag gegen 14 Uhr habe sie das Veterinäramt kontaktiert: «Es hiess, dass wir die Hunde in den nächsten paar Stunden einschläfern müssten. Sonst würden sie abgeholt.»

Zwei Mitarbeiterinnen des Tierheims hätten jeweils drei Stunden mit den Behörden telefoniert und sogar einen Anwalt eingeschaltet, um das zu verhindern: «Aber wir hatten keine Chance.» Sie hätte gerne etwas mehr Zeit gehabt als nur ein paar Stunden – zumindest einen Tag, so Spiess: «Vielleicht hätte man ja eine Lösung gefunden.»

Über den Zaun geworfen

Die Stadtpolizei Winterthur wollte sich noch nicht zur Täterschaft äussern, die die Hunde am letzten Mittwoch über den Zaun des Tierheimes geworfen hatte. Die Ermittlungen seien am Laufen. Noch am vergangenen Mittwoch hatte die Stadtpolizei mitgeteilt, dass die Tiere gesund seien. Ein Tierarzt habe sie untersucht. Sie wurden geimpft und erhielten je einen Chip eingesetzt.

Die Welpen – ein Rüde und ein Weibchen – waren laut Tierheimleiterin Iris Spiess zwei maximal vier Monate alte Mischlinge, vermutlich eine Mischung zwischen Deutschem Schäferhund und Australischem Kelpie; Letzterer ist ebenfalls ein Hütehund. Sie hätten im Tierheim wohnen sollen, bis ein Plätzchen für sie gefunden worden wäre.

Illegale Tierimporte nehmen stark zu

Fälle wie die ausgesetzten Welpen in Winterthur gibt es immer häufiger. Illegale Importe aus dem Ausland nehmen gemäss Vogel stark zu. «Jöh, herzig» und schon würden Tiere ins Auto gepackt. Im vergangenen Jahr registrierte das Zürcher Veterinäramt pro Woche einen illegalen Import. Gut ein Drittel der Tiere, meist Hunde oder Katzen, musste eingeschläfert werden. Die meisten anderen Tiere wurden in ihr Herkunftsland zurückgebracht.(sda)

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