Aktualisiert 26.11.2019 20:29

«König von Olten»

Ausgestopfter Kult-Kater spaltet die Gemüter

Im Juli 2017 starb Toulouse, Oltens berühmtester Kater. Im Haus der Museen kann man ihn nun als Tierpräparat besichtigen. Das finden nicht alle gut.

von
sul
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Einst Oltens berühmtester Bewohner, wacht Kater Toulouse nun über die Besucher im Haus der Museen.

Einst Oltens berühmtester Bewohner, wacht Kater Toulouse nun über die Besucher im Haus der Museen.

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Dort ist ihm im ersten Stock der Vorraum des Naturmuseums gewidmet.

Dort ist ihm im ersten Stock der Vorraum des Naturmuseums gewidmet.

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Das Haus der Museen wurde am vergangenen Wochenende eröffnet.

Das Haus der Museen wurde am vergangenen Wochenende eröffnet.

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Er gehörte zur Oltner Altstadt wie die Holzbrücke oder der Stadtturm: Der schwarzweisse Kater Toulouse, der 2009 als «König von Olten» in Alex Capus' gleichnamigem Büchlein schweizweit berühmt wurde. Die Trauer war gross, als das Stadtoriginal im Alter von 18 Jahren im Juli 2017 eingeschläfert werden musste.

Nun aber ist der König «auferstanden»: Umgewandelt zum Tierpräparat – Haut und Haar des Originals wurden über einen Ersatzkörper aus Kunststoff gezogen –, thront er in einem Glaskasten des neu eröffneten Hauses der Museen, wo ihm der ganze Vorraum zur Naturausstellung gewidmet ist.

Würdigend oder geschmacklos?

Unter Olterinnen und Oltnern sorgt das Exponat derzeit für Gesprächsstoff. Die einen erkennen darin eine Würdigung des Königs. Toulouse werde so «über seinen Tod hinaus noch viele Menschen erreichen, welche ihn und seine Geschichte sicher mit Interesse verfolgen werden», schreibt eine Frau auf Facebook.

Bei einer beträchtlichen Zahl von Usern löst der präparierte Stubentiger dagegen ungute Gefühle aus. «Geschmacklos» und «makaber» sei es, ihn so im Museum zu präsentieren. «Der Ausdruck dieser ausgestopften Mumie hat nichts mehr mit dem verstorbenen Original gemeinsam», kritisiert eine Userin. Für eine andere hätte etwa ein Gemälde oder eine Videoinstallation als Hommage getaugt – «ziemlich egal was, nur nicht das».

«Vielleicht zu starke Vermenschlichung»

Den «König von Olten» habe man in die Ausstellung des Naturmuseums integriert, «weil er untrennbar zu unserer Stadt gehört und wir Olten thematisch in den Mittelpunkt stellen», erklärt Stadtschreiber Markus Dietler. Es handle sich um eine Schenkung der früheren Besitzer, die sich im Übrigen an der Museumseröffnung «sehr erfreut über die Würdigung ihres Toulouse gezeigt» hätten. Die ersten notwendigen Massnahmen für die Präparation seien bereits im Jahr 2017 eingeleitet worden.

In der entbrannten Kontroverse spiegelt sich Dietler zufolge zum einen die grundsätzliche Diskussion über das Ausstellen von Tierpräparaten, insbesondere von Haustieren. Inwiefern sich der «König von Olten» von sonstigen Tierpräparaten unterscheide, sei ein anderes Thema. «Vielleicht findet hier eine zu starke ‹Vermenschlichung› statt», sagt Dietler. Jedenfalls sei man bei der Stadt der Ansicht, dass Toulouse in der Ausstellung «schön gewürdigt» werde. Es sei schade, «wenn die Empörung für einzelne viel wichtiger ist als die Freude über das gelungene Haus der Museen».

Capus: «Etwas zu hoch gehängt»

Schriftsteller Alex Capus indes mag sich über das präparierte Stadtoriginal weder empören noch freuen. Es sei «etwas zu hoch gehängt», dass man dem Kater nach der Bronzestatue in der Altstadt nun auch noch einen Ehrenplatz im Museum einräume. «Denkmäler sollte man den Gründern der Stadt oder grosser Industrien setzen», sagt Capus. Toulouse sei wohl eine auffällige Altstadtkatze gewesen – «aber auch einfach ein Büsi».

Im Übrigen betont der Erfolgsautor stets, dass es in «Der König von Olten» gerade nicht um den Kater geht: «Er dient nur als Vorwand, um über Menschen zu erzählen.» Nichtsdestotrotz werde er der verstorbenen Titelfigur im Haus der Museen demnächst einen Besuch abstatten.

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