Korn» (Konzert): ZH, heute: Ausgetobt
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Korn» (Konzert): ZH, heuteAusgetobt

Der Zorn von einst ist versöhnlicheren Tönen gewichen: Mit ihrer MTV-Unplugged-Platte demonstrieren Korn nun auch musikalisch, was auf persönlicher Ebene längst geschehen ist.

Eines vorweg: Korn haben viele Platten verkauft. Sehr viele. Weit über 25 Millionen. Sie sind damit unbestritten eine der grössten Rockbands unserer Tage, haben ein Subgenre (NuMetal) erfunden und noch immer mehr Fans als Tokio Hotel und Fabienne Louves zusammen. Das wird sich so schnell auch nicht ändern, denn das Rockpublikum ist ein treues – ähnlich wie Fussballfans. Selbst wenn ihre Mannschaft mieser als der FC Mogelsberg spielt, harren die Fans treu aus und hoffen auf den Lucky Punch, der sie wieder zurück ins Rennen katapultiert.

Doch für Korn ist dieser mit der neusten Unplugged-Platte nicht mehr ganz so nahe wie auch schon, denn der Zorn ist weg. Und Zorn war der Antrieb der einst fünfköpfigen Band, die seit 15 Jahren Songs über Tod, sexuellen Missbrauch und Verderben macht. Dabei wissen sie, wovon sie singen. Sänger Jonathan Davis hatte eine dermassen schwierige Jugend, dass Lautstärke die einzige Medizin für seine geschundene Seele schien. Dann kamen Alkohol und Drogen hinzu – schlechte Freunde für einen depressiven Asthmatiker. Zugleich aber standen Korn 1998 auf ihrem Höhepunkt und lieferten den Soundtrack für die Adrenalingeneration. Kein Snowboardsprung am TV, der nicht mit einem Korn-Track unterlegt war, kein Downhillbiker, der nicht zu Korn-Klängen über eine Wurzel stolperte.

Im Jahr darauf gelang Jonathan Davis die Entgiftung, doch fortan schmiss er das Antidepressivum Prozac gleich eimerweise ein. Total glücklich erfreute er sich fortan an seiner Sammlung von Serienmörder-Devotionalien und streichelte seine Gifttiere, während er obsessiv Pornos guckte. «Ich kenne fast keinen sexuelleren Mensch als mich», sagt Davis über sich selbst. Kein Wunder, heiratete Davis dann auch seine Lieblings-Pornodarstellerin Kirstin Thompson, besser bekannt als Deven Davis. Jonathan Davis hatte sogar vor, mit ihr einen Porno zu drehen. Nun hat er sich aber doch noch umentschieden: «Wir warten, bis die Kinder grösser sind.» Aus dem zornigen Weirdo ist ein vernünftiger Familienvater geworden. Den Kinder zuliebe hat er sogar seine Serienmörder-Sammlung eingekellert und meint einsichtig: «Ich möchte die Taten dieser Menschen nicht mehr glorifizieren. Sie haben viel Leid über die Menschen gebracht.» Trotzdem fährt Davis noch immer den VW Käfer von Ted Bundy, der darin mindestens 28 Mädchen «verführte» und sie dann tötete.

Doch Vernunft, Nüchternheit und Glück passen nicht zur Band, wie sie ursprünglich war. Als dann im Jahr 2004 noch Leadgitarrist und Gründer Brian «Head» Welch absprang und sich hundertprozentig Jesus Christus verschrieb, wurde Korn mürbe. «See You on the Other Side» aus dem Jahre 2005 war dann auch der vorläufige kreative Tiefpunkt. Zu viel für Davis, der 2006 zusammenbrach und sogar für kurze Zeit in akuter Lebensgefahr schwebte.

Doch Davis ist mittlerweile wieder munter – zumindest so munter, wie er halt sein kann – und hat zusammen mit den drei verbleibenden Korn-Mitgliedern letzten Dezember für die MTV-Unplugged-Reihe ein Konzert aufgenommen, das jetzt zu hören (CD) und zu sehen (MTV) ist. Manche Bands sollten aber immer am Strom angeschlossen bleiben. Die einen, weil sie zu viel Energie haben, die anderen, weil sie zu wenig haben.

(Jürg Zentner)

Wann:

Dienstag, 19. Juni 2007, 20:00 Uhr

Wo:

Hallenstadion

Wallisellenstrasse 45

8050 Zürich

Tickets:

Ticketcorner, Tel. 0900 800 800 (CHF 1.19/Min)

Korn

Support Act: Hatebreed

Datum: Dienstag, 19. Juni 2007

Zeit: 20 Uhr

Ort: Hallenstadion, Zürich

Preise (in CHf): 68.- (sitzplatz); 58.- (stehplatz)

Album: «Korn MTV-Unplugged» (emi)

Veranstalter: Good News Concerts

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