Kritik an Kanton: «Ausgewilderte» Fische im Zürichsee
Aktualisiert

Kritik an Kanton«Ausgewilderte» Fische im Zürichsee

Dass sich im Zürichsee so viele Fische tummeln, kommt nicht von ungefähr: 68 Millionen Zuchtfische setzte der Kanton 2009 in hiesigen Gewässern aus. Eine umstrittene Massnahme.

von
Raffaela Moresi
68 Millionen Zuchtfische landeten 2009 in Zürcher Gewässern.

68 Millionen Zuchtfische landeten 2009 in Zürcher Gewässern.

Wer in einem Restaurant am Ufer des Zürichsees frische Felchenfilets schlemmt, geht wohl davon aus, dass die Tiere ihr ganzes Leben im See verbracht hatten. Doch was auf dem Teller landet, ist nicht unbedingt «Natur pur»: Jedes Jahr setzen die kantonalen Fischereiverwaltungen viele Jungfische, die in Zuchtanstalten ausgebrütet wurden, in den Gewässern aus. So landeten 2009 insgesamt 68 Millionen Zuchtfische in den Zürcher Seen, Bächen und Flüssen – allein 50 Millionen davon im Zürichsee, wie die «Zürichsee-Zeitung» schreibt. Eine viel zu hohe Zahl, findet Rolf Schatz von der «IG Dä neu Fischer»: «Da wird der See als landwirtschaftliche Zone missbraucht. Mit Ökologie hat dies gar nichts mehr zu tun.» Stattdessen diene die Massnahme primär dazu, die Fischer zufriedenzustellen. Denn: Bei 95 Prozent der «ausgewilderten» Fische handelt es sich um Felchen, dem wichtigsten Speisefisch.

Wirtschaftliche Interessen stünden nicht im Vordergrund, verteidigt Urs Meier, Vizepräsident des Fischereiverbandes Zürich, das Vorgehen des Kantons. «Unsere Gewässer sind dermassen verbaut und geschädigt, dass die natürliche Reproduktion nicht mehr funktionieren würde.» Dies stimme nur bedingt, sagt Schatz. Er fordert, dass der Kanton die Zahl der ausgesetzten Fische «massiv zurückfährt» und stattdessen in die Renaturierung investiert.

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