Jugendbarometer: «Ausländer dienen als Sündenböcke»

Aktualisiert

Jugendbarometer«Ausländer dienen als Sündenböcke»

49 Prozent der Jugendlichen nehmen Ausländer in der Schweiz als Problem wahr. Die Junge SVP fühlt sich in ihrem Kurs bestätigt – die Juso hofft auf eine Gegenbewegung.

von
jbu
8 von 10 Jugendlichen sind stolz auf ihr Land - nicht nur am 1. August. Führt das ausgeprägte Nationalgefühl zu einer negativen Einstellung gegenüber Migranten?

8 von 10 Jugendlichen sind stolz auf ihr Land - nicht nur am 1. August. Führt das ausgeprägte Nationalgefühl zu einer negativen Einstellung gegenüber Migranten?

Nichts bereitet den Schweizer Jugendlichen so viele Sorgen wie die Ausländer. Zu diesem Schluss kommt der Jugendbarometer 2014 der Credit Suisse. Für 49 Prozent der Befragten stellen die Personenfreizügigkeit und die Integration von Ausländern ein Problem dar, wie die «Schweiz am Sonntag» unter Berufung auf die Studie schreibt. Gleichzeitig sei der Nationalstolz der Jugendlichen hoch – 8 von 10 sind eher oder sehr stolz auf das Land.

Projektleiter Lukas Golder vom GFS Bern vermutet im Artikel, das starke Nationalgefühl – das im Umfeld der Finanzkrise noch zugenommen habe – trage seinen Teil zur negativen Einstellung gegenüber Ausländern bei. «Es verstärkt die Furcht, dass durch viel Migration gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorteile der Schweiz verloren gehen.»

«Sündenböcke»

Juso-Chef Fabian Molina ist besorgt: «Es ist natürlich einfach, die Ausländer als Sündenböcke zu missbrauchen», sagt er auf Anfrage. Bestes Beispiel dafür seien die Masseneinwanderungs- oder die Ecopop-Initiative. «Es ist einfach nur fremdenfeindlich, den Ausländern die gesamte Schuld an Umwelt- oder anderen Themen in die Schuhe zu schieben.» Es gelte nun, die bestehenden Probleme, wie etwa die Wohnungsnot in den Städten, in der Politik nüchtern anzugehen. «So können wir den Migrationskritikern den Wind aus den Segeln nehmen.»

Oliver Straub, Vize-Präsident der Jungen SVP Schweiz, will davon nichts wissen. «Was die Linke da tut, ist reine Symptombekämpfung.» Wenn der Wohnungsmarkt ausgetrocknet sei, hänge dies direkt mit der Zuwanderung zusammen. «Da gibt es nichts schönzureden.» Er betont, das Unwohlsein der Jungen sei ernstzunehmen: «Das sind keine irrationalen Ängste – wir sprechen hier von real existierenden Problemen.»

Wer profitiert?

Die Resultate des Jugendbarometers bestätigten die Junge SVP in ihrem Kurs, so Straub: «Wir haben das Problem der Zuwanderung konsequent thematisiert, während es andere totgeschwiegen haben.» Er hofft, dass sich dies im Wahljahr 2015 auszahlen wird. «Gerade die Jungen werden dieses Engagement an der Urne honorieren.»

Juso-Chef Molina hat keine Angst, die neue Generation von Wählern an die bürgerliche Konkurrenz zu verlieren. «Es gibt unter den Jungen auch eine mächtige Gegenbewegung, die die zunehmende Fremdenfeindlichkeit anprangert.» In den letzten drei Jahren sei die Mitgliederzahl der Juso auf das Doppelte angewachsen – auf rund 3500 Personen.

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