Basler Steuerstatistik: Ausländer verdienen mehr als Schweizer
Aktualisiert

Basler SteuerstatistikAusländer verdienen mehr als Schweizer

Die Basler Steuerstatistik zeigt: Ausländer zwischen 32 und 52 Jahren verdienen besser als gleich alte Schweizer – weil diese schlechter qualifiziert sind.

von
Lukas Hausendorf
Die Pharma- und Chemieindustrie sind die Pfeiler der regionalen Wirtschaft und sind auf viele hochqualifizierte ausländische Fachkräfte angewiesen.

Die Pharma- und Chemieindustrie sind die Pfeiler der regionalen Wirtschaft und sind auf viele hochqualifizierte ausländische Fachkräfte angewiesen.

Das Statistische Amt Basel-Stadt hat die Steuerveranlagungen aus dem Jahr 2011 nach Alter und Nationalität untersucht. Dabei zeigte sich: Ausländer verdienen besser als Schweizer, wenn sie zwischen 32 und 52 Jahren alt sind, und zwar durchgehend. Nicht berücksichtigt sind in der Statistik Quellenbesteuerte mit einem Einkommen von bis zu 120'000 Franken.

Die Statistik belegt einen grundlegenden Wandel in der Migration von Arbeitskräften. Während bis in die 90er-Jahre vorwiegend wenig geschulte Arbeiter in die Schweiz drängten, sind es heute hochqualifizierte Fachkräfte, die den Löwenanteil der Zuwanderer ausmachen. «Die verdienen gut, das ist die Erklärung für die Statistik», sagt Arbeitsmarktökonom George Sheldon von der Universität Basel.

Wichtiger Beitrag für Sozialsysteme

Seinen Untersuchungen zufolge sind 50 bis 60 Prozent der Expats in der Region Hochschulabgänger, die vorwiegend von der stark internationalisierten Pharma- und Chemieindustrie beschäftigt werden. «Qualifikation ist in diesen Branchen entscheidend», so Sheldon. Für die Region sind die Hochqualifizierten von grosser Bedeutung. «Sie besetzen oftmals Schlüsselfunktionen in Unternehmen und tragen überdurchschnittlich zu deren Wertschöpfung bei», sagt der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP).

Davon profitiert auch die Gesellschaft als Ganzes. Denn die ausländischen Arbeitskräfte zahlen mehr in unsere Sozialversicherungen ein als sie beziehen. «Damit tragen sie massgeblich zu gesünderen finanziellen Verhältnissen der Sozialsysteme bei», so Brutschin. Denn meistens bleiben sie nicht bis zur Rente in der Schweiz. «Die kommen und gehen», sagt Sheldon. Ab 52 Jahren sind es in der Steuerstatistik denn auch wieder die Schweizer, die in puncto Einkommen die Nase vorn haben.

Schweiz produziert zu wenig Fachkräfte

Stehen die Expats den Schweizern denn auf der Karriereleiter vor der Sonne? Keineswegs, findet Brutschin. Der inländische Arbeitsmarkt könne nicht genügend hochqualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stellen. «Bei hochqualifizierten Schweizern spüren wir deshalb auch wenig bis keine Ängste, dass sie nicht mehr mithalten könnten oder durch ausländische Personen verdrängt würden.»

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