Nach Protestaktion der Spieler: Ausländer-Zoff – Jonas Hiller ärgert sich über Liga-Präsident Denis Vaucher
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Nach Protestaktion der SpielerAusländer-Zoff – Jonas Hiller ärgert sich über Liga-Präsident Denis Vaucher

Die Ausländerreform spaltet das Schweizer Eishockey. An der Spitze des Machtkampfes stehen Liga-Präsident Denis Vaucher und der Präsident der Spieler-Gewerkschaft Jonas Hiller.

von
Nils Hänggi
Erik Hasselberg
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Er ärgert sich: Jonas Hiller, Präsident der Eisyhockeyspieler-Gewerkschaft SIHPU . 

Er ärgert sich: Jonas Hiller, Präsident der Eisyhockeyspieler-Gewerkschaft SIHPU .

Andy Mueller/freshfocus
Grund ist er, Liga-Präsident Denis Vaucher. Er hat die Ausländerreform im Schweizer Eishockey ohne Einbindung der SIHPU vorangetrieben.

Grund ist er, Liga-Präsident Denis Vaucher. Er hat die Ausländerreform im Schweizer Eishockey ohne Einbindung der SIHPU vorangetrieben.

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Am Wochenende hatten die Spieler aller National-League-Clubs mit einer Aktion gegen die Reform ein Zeichen setzen wollen. 

Am Wochenende hatten die Spieler aller National-League-Clubs mit einer Aktion gegen die Reform ein Zeichen setzen wollen.

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Darum gehts

  • Die Erhöhung des Ausländerkontingents im Schweizer Eishockey von vier auf sieben Spieler ab der kommenden Saison scheint beschlossene Sache.

  • Die Spieler der National Clubs protestierten am Wochenende gegen die Reform.

  • Der Präsident der Spieler-Gewerkschaft, Jonas Hiller, ärgert sich über den Liga-Präsidenten Denis Vaucher. So hält Ersterer fest, dass es keine Einbindung der Gewerkschaft in den Entscheid gab.

  • Vaucher weist die Kritik hingegen zurück.

«Ich bin enttäuscht.» Das sagt Liga-Präsident Denis Vaucher gegenüber 20 Minuten. «Ich bin enttäuscht, dass die Liga nicht vorher über die Aktion informiert wurde.» Er habe zwar gewusst, dass sie stattfinde, aber nicht offiziell. «Ich erfuhr es über den Latrinenweg», so Vaucher.

Wovon der Liga-Direktor spricht? Nun – über den Protest der National-League-Spieler am Wochenende gegen die geplante Ausländererhöhung. Alle Teams der fünf National-League-Partien zogen sich nach dem 1. Bully auf die Bank zurück und rollten ein Transparent aus. Darauf stand: «Unser Nachwuchs ist unsere Zukunft, die Fans unser Rückgrat und Eishockey unser Leben.» Zwei Minuten wurde protestiert, danach wurden die Spiele ordnungsgemäss angepfiffen. Der Protest galt der geplanten Liga-Reform, wobei in Zukunft sieben, statt wie bisher vier Ausländer im Team aufgestellt werden dürfen. Diese wird sogar von NHL-Star Roman Josi kritisiert.

Vaucher weist Vorwürfe zurück

Obwohl: Dass es ein Protest war, dieser Meinung ist Vaucher nicht. Er sagt: «Für mich war es mehr ein Bekenntnis zum Schweizer Eishockey. Dass der Nachwuchs unsere Zukunft ist, unsere Fans das Rückgrat und das Eishockey unsere Leidenschaft, sehen wir genau so.» Also doch alles gut? Nicht ganz. Der Liga-Direktor kritisiert die Spieler-Gewerkschaft Swiss Ice Hockey Players’ Union (SIHPU), die den Protest initiiert hatte. So weist er etwa den Vorwurf zurück, dass zwischen der SIHPU und der Liga kein Kontakt da gewesen sei.

«Ich habe es schon mehrfach gesagt und tue es wieder: Ich habe mehrmals mit Jonas Hiller, dem Präsidenten der Spieler-Gewerkschaft, gesprochen.» Vaucher erzählt von Gesprächen im September, November, Januar und im Februar. Man habe der Gewerkschaft das gesamte Reformpaket schriftlich zugestellt. Die Spieler-Gewerkschaft habe auch schriftlich Stellung genommen. Vaucher weiter: «Anfang März ist bereits wieder eine Telefonkonferenz geplant.»

Was bei den Gesprächen genau beredet wurde, will Vaucher nicht verraten. «Solche vertraulichen Gespräche gehören nicht an die Öffentlichkeit», ist er der Meinung. Und: «Fakt ist: Die Gewerkschaft ist gegen die Erhöhung der Ausländeranzahl. Mit anderen Punkten ist sie aber durchaus einverstanden.» Man führe einen gemeinsamen Dialog – «gerade hatte ich ein längeres Gespräch mit einem Vorstandsmitglied der SIHPU», so Vaucher.

Hiller bleibt dabei: Keine Einbindung

Dass es Gespräche gab, das verneint auch Ex-NHL-Star Hiller gegenüber 20 Minuten nicht. Dennoch zeigt sich der SIHPU-Präsident enerviert: «Ich habe mich sehr geärgert, als ich von Vauchers Äusserungen gehört habe.» Und meint damit die fehlende Einbindung in den Entscheidungsprozess. Zwar habe er die SIHPU im September bei einem Meeting der National League vorstellen und über die Anliegen derselben sprechen können. Allerdings konnte die neu gegründete National League AG da noch nicht sagen, wo und wie man die Spieler-Gewerkschaft einbinde. Und auf die schriftliche Stellungnahme der Liga-Reform, die man im November eingereicht hätte, habe er erst im Januar eine mündliche Rückmeldung erhalten.

Doch Hillers Kritik geht noch weiter: «Denis sagte mir im Januar, dass Ende des Monats nur über den Aktionärsbindungsvertrag entschieden werden sollte. Am 29. Januar habe ich und haben alle Spieler dann aus den Medien über den Entscheid zur Ausländerreform erfahren. Und ich musste sogar noch nachfragen, wie die Regelung im Detail aussehe, welche Unterscheidungen es gebe.»

Statt Schlammschlacht: Weiter den Dialog suchen

Es klingt, als sei die SIHPU in Vauchers Augen zumindest nur ein konsultierendes Organ. «Wenn die Liga etwas von uns will, dann kommen sie auf uns zu, aber umgekehrt werden wir nicht wirklich ernst genommen. Wir geben die Hand, haben versucht, auf sie zuzugehen, aber es kommt nichts zurück, man wird immer nur vertröstet», so der ehemalige Goalie der Schweizer Nationalmannschaft.

Auch wenn Hiller und Vaucher das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben, will Ersterer immer noch den Dialog suchen. «Ich will keine Schlammschlacht in den Medien über Hockey, es tut mir selber weh, immer die ‹schlechten› Nachrichten zu lesen.» Auch, um nicht auf Konfrontationskurs mit der Liga zu gehen, habe man sich entschieden, den Bannerspruch nicht zu aggressiv zu gestalten. «Es ging einfach darum, ein Zeichen zu setzen, denn viele Spieler kamen sich verarscht vor.» Weiter ausgeplant ist die Aktion gemäss Hiller zumindest nicht. Ob er schon die Bereitschaft zum Dialog spürt? «Bis jetzt kam noch kein konkretes Zeichen der Liga. Allerdings sind auch erst zwei Tage vergangen. Wir hoffen, dass wir im internen Dialog mit der Liga Lösungen finden werden.»

Deine Meinung

20 Kommentare
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Einfach Nachwuchs

23.02.2021, 13:46

Tja, hilft diese Reform dem SCB aus dem Schlamassel. Wohl kaum! Dies ist ein Furz des grossen SCB-Macher Lüthi, da er kein Vertrauen in den Nachwuchs hat. Nachwuchs fördern ist angesagt.

Pamsi

23.02.2021, 11:40

na dies versteht niemand, wir haben seit Jahren top Nachwuchs welcher international mithalten kann, wenn diese Regelung kommt steht es schlecht um den Nachwuchs bestellt

Greggi

23.02.2021, 11:07

Funktionäre. Mehr muss ich als Funktionär nicht sagen.