Gesundheitswesen: Ausländische Ärzte sparen Schweiz Milliarden
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GesundheitswesenAusländische Ärzte sparen Schweiz Milliarden

Gut 8000 Ärzte in hiesigen Spitälern und Praxen sind Ausländer. Die Schweiz hat dadurch über vier Milliarden Franken gespart.

von
Alex Hämmerli
Die Ausbildung zum Arzt kostet in der Schweiz gut 500'000 Franken.

Die Ausbildung zum Arzt kostet in der Schweiz gut 500'000 Franken.

Die Zahl der ausländischen Ärzte in der Schweiz steigt rasant. 2011 besassen gut 8000 oder 26 Prozent der hierzulande tätigen Humanmediziner ein ausländisches Diplom. 2003 waren es gemäss der Ärzteverbindung FMH noch 16 Prozent gewesen.

Die GesundheitspolitikerToni Bortoluzzi (SVP) und Ruth Humbel (CVP) sind der Ansicht, dass die ausländischen Ärzte die Schweizer Qualitätsstandards oft nicht erfüllen. In der «SonntagsZeitung» fordern sie deshalb Sprachkurse und weitere Zusatzlehrgänge für die Zuwanderer. «Perfekte Sprachkenntnisse sind entscheidend für eine genaue Diagnose, die richtige Therapie und die Qualität der Behandlung», so Humbel. Die fehlenden Sprachkenntnisse seien insbesondere bei den Ärzten aus dem Osten oder aus Griechenland und der Türkei ein Problem, lässt die Ombudsstelle der St. Galler Ärztegesellschaft im selben Artikel verlauten.

Zu wenige Schweizer Ärzte

Für Urs Schwaller (CVP), Mitglied der ständerätlichen Gesundheitskommission, ist die Forderung von Bortoluzzi und Humbel zwar nachvollziehbar: «Das Grundproblem ist aber, dass wir viel zu wenige Schweizer Ärzte ausbilden», sagt er gegenüber 20 Minuten. Schwaller spricht sich für eine Lockerung des Numerus Clausus aus, damit statt wie aktuell jährlich 600 bis 700 künftig 1200 bis 1400 Schweizer Ärzte ihren Abschluss machen können. Dazu brauche es neben mehr Studienplätzen auch mehr Ausbildungsplätze in den Spitälern.

Die Ende 2011 vom Bundesrat publizierte «Strategie gegen Ärztemangel» sieht vor, die Zahl der Abschlüsse bis 2020 auf 1300 zu erhöhen, um der «wachsenden Abhängigkeit von im Ausland ausgebildetem Personal» entgegenzuwirken; dies sei «aus Gründen der Fairness gegenüber anderen Ländern», die unser Gesundheitssystem mitfinanzieren, erforderlich. Das dürfte aber teuer werden: Die Ausbildung zum Arzt kostet in der Schweiz laut FMH mindestens eine halbe Million Franken. «Hätte die Schweiz also die gut 8000 ausländischen Ärzte selbst geschult, hätte dies mehr als vier Milliarden Franken gekostet», so FMH-Präsident Jacques de Haller. «Das Geld sparen wir auf Kosten anderer Länder», kritisiert er. In Weissrussland etwa herrsche Ärztemangel, weil diese nach Polen gingen. Die polnischen Ärzte wiederum ziehe es nach Deutschland und die deutschen in die Schweiz.

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