Schilling-Report: Ausländische Manager verlassen die Schweiz
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Schilling-ReportAusländische Manager verlassen die Schweiz

Der Anteil ausländischer Manager in Schweizer Konzernen ist erstmals rückläufig. Auffallend viele Abgänge gab es bei den Briten. Zugenommen hat der Anteil Frauen im VR.

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sda/sas
Der Amerikaner Joe Hogan gab seinen CEO-Job bei ABB im Mai 2013 ab – aus privaten Gründen, wie es heisst.

Der Amerikaner Joe Hogan gab seinen CEO-Job bei ABB im Mai 2013 ab – aus privaten Gründen, wie es heisst.

Lange hat es so ausgesehen, dass die ausländische Manager bald die Mehrheit der Chefposten in den Schweizer Grosskonzernen haben. Nun beobachtet Topkader-Vermittler Guido Schilling aber zum ersten Mal in zehn Jahren einen Rückgang des Anteils ausländischer Manager.

In den grössten Konzernen stieg der Anteil der Geschäftsleitungsmitglieder mit ausländischem Pass zwischen 2006 und 2011 von 36 auf 45 Prozent. 2012 bremste der Anstieg ab, im vergangenen Jahr ging er zurück, wie der am Montag präsentierte Schilling-Report festhält. Die ausländischen Topmanager machen aktuell noch einen Anteil von 42 Prozent aus. Bei den Verwaltungsräten stagniert der Ausländeranteil bei 36 Prozent.

Mehr attraktive Angebote in der Heimat

«Mit einem so deutlichen Rückgang der ausländischen Führungskräfte habe ich nicht gerechnet», sagte Guido Schilling. Der Headhunter hatte vor drei Jahren die Prognose gewagt, dass 2015 die Hälfte der Chefs der gut 100 grössten Schweizer Firmen Ausländer sein würden.

Hauptgrund für den innert Jahresfrist beobachten Rückgang ist laut Schilling die Konkurrenz anderer Topkader-Arbeitsmärkte – eine Tendenz, die sich schon seit zwei oder drei Jahren abzeichnet: Deutschland und andere wirtschaftlich starke europäische Länder böten Managern heute mehr attraktive Positionen im Heimmarkt.

Einen prominenten Abgang hatte beispielsweise der Industriekonzern ABB zu verzeichnen. Der Amerikaner Joe Hogan gab seinen CEO-Job im Mai 2013 aus privaten Gründen ab. Sein Nachfolger wurde der deutsche Staatsangehörige Ulrich Spiesshofer. Die Deutschen sind sowohl in den Geschäftsleitungen mit 32 Prozent als auch in den Verwaltungsräten mit 25 Prozent nach wie vor die grösste ausländische Gruppe. Auffallende Rückgänge erleben die Briten, die sowohl in den Geschäftsleitungen als auch in den Verwaltungsräten eine Abnahme um 3 Prozentpunkte auf 8 beziehungsweise 10 Prozent verzeichnen.

b>SVP-Initiative nicht direkt verantwortlich

Mit der Zustimmung zur SVP-Zuwanderungsinitiative habe der 2013 beobachtete Rückgang direkt nichts zu tun, sagte Schilling, auch wenn er die – noch nicht genau bekannten – Auswirkungen der Abstimmung als negativ für die Wirtschaft und deren Suche nach Hochqualifizierten einstufte. Die Folgen würden erst in den nächsten Jahren sichtbar.

Die schon seit längerem bestehende Diskussion um die Begrenzung der Zuwanderung trübt aus Schillings Sicht allerdings auch das Image der Schweiz. Die Schlagzeilen auch in der ausländischen Presse schreckten einige Manager und deren Familien von einem Umzug in die Schweiz ab.

Mehr Frauen in Verwaltungsräten

Ein anders Bild gibt es bei den Verwaltungsräten: In den Aufsichtsgremien blieb der Anteil der Ausländer mit 36 Prozent im vergangenen Jahr stabil. Dafür findet vermehrt eine Verschiebung zugunsten der Frauen statt: Innerhalb von fünf Jahren ist der Frauenanteil in den Verwaltungsräten von 10 auf 13 Prozent gestiegen.

Mehr als jeder fünfte frei gewordene Sitz in einem Verwaltungsrat wurde in letzter Zeit mit einer Frau besetzt, in den SMI-Unternehmen sogar jeder Dritte. Für Guido Schilling ist dies ein klarer Trend. Es werde aber grosse Anstrengungen brauchen, damit mehr Frauen berufen würden.

In den Geschäftsleitungen dominieren weiterhin die Männer: Dort stieg der Frauenanteil innerhalb von neun Jahren von 4 auf 6 Prozent. Mit Susanne Ruoff bei der Post, Jasmin Staiblin bei Alpiq und Suzanne Thoma bei der BKW zählt die Schweiz im Moment nur drei Konzernchefinnen.

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