Hochschulen: «Ausländische Studenten gut für die Schweiz»
Aktualisiert

Hochschulen«Ausländische Studenten gut für die Schweiz»

Studenten aus der ganzen Welt lassen sich an Schweizer Hochschulen ausbilden - unter anderem wegen tiefen Studiengebühren. Auch die Schweiz profitiert davon.

von
Angela Brunner
Students.ch

Rund jeder zweite Doktorand an der ETH Zürich ist ein Ausländer. Auf Master-Stufe ist es rund ein Drittel, auf Bachelor-Studis etwa 15 Prozent. Die meisten der ausländischen Studenten streben einen ETH-Abschluss in Architektur, Ingenieurwissenschaften oder Informatik an. «Viele kommen mit der Vorstellung, dass sie nach dem Studium wieder in ihr Heimatland zurückkehren», sagt Dieter Wüest von der ETH Zürich. Einige ziehen in andere Länder weiter. «Für asiatische Studierende beispielsweise ist Europa oft eine Zwischenstation auf dem Weg in die USA», sagt er. Aber die Mehrheit der ausländischen Studis an den Zürcher Hochschulen stammen aus dem benachbarten Deutschland.

Niedrige Hürden für Ausländer

Eine Arbeitsbewilligung haben nur wenige. Aus wirtschaftlicher Sicht könnte es allerdings sinnvoll sein, wenn mehr ausländischen Absolventen in der Schweiz arbeiten würden. «Gerade in Branchen, in denen gute Fachkräfte rar sind, sind sie gefragt», meint Wüest. Die Schweiz profitiert seiner Meinung nach auch von ausländischen Absolventen, die in ihrem Heimatland arbeiten, beispielsweise für Schweizer Firmen. «Die ausländischen Absolventen werden nach ihrer Rückkehr zu Botschafter der Schweiz und der ETH», ist Wüest überzeugt. Sie tätigen Geschäfte mit Schweizer Firmen und vermitteln weitere Studis, was wiederum der Schweiz zu Gute kommt.

Die Qualität der Hochschule wird mitunter von der Studentenschaft geprägt, weshalb die Hochschule bestrebt ist, diese mit den Besten aus der ganzen Welt «anzureichern». «Wir haben nicht den Anspruch, die ganze Welt auszubilden, sondern sind an den möglichst guten Studierenden interessiert», sagt Wüest. Den wissenschaftlichen Nachwuchs unter den eigenen Studierenden rekrutieren zu können, sei von Vorteil. Gute Doktoranden erzielen eher gute Forschungsresultate. Die ETH Zürich will daher die Hürden für die Wahl des Studienorts niedrig halten.

Studiengebühren erhöhen?

Doch die Kosten für die Ausbildung ausländischer Studis sind hoch. An den Zürcher Fachhochschulen werden Ausländer bereits stärker zur Kasse gebeten: Sie müssen tausend Franken mehr pro Jahr bezahlen. Die Universität Zürich verlangt von ihren zirka 4000 ausländischen Studierenden pro Jahr rund 200 Franken mehr als von Studenten mit Zürcher Wohnsitz. Ein symbolischer Beitrag, meint Christina Hofmann von der Universität Zürich. In begehrten Fächern wie Medizin stösst die Uni bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. Trotz knapper Platzverhältnisse seien ausländische Studenten weiterhin willkommen, betont Hofmann.

Die Studiengebühr massiv zu erhöhen, ist auch für die ETH Zürich kein prioritäres Ziel. «Wir möchten ausländische Studenten nicht übers Portmonaie selektieren», sagt Wüest. Bildungsdirektorin Regine Aeppeli hingegen hat die politische Debatte eingeheizt: Gegenüber «NZZ am Sonntag» sagte sie, dass Ausländer künftig höhere Studiengebühren zahlen sollen. Dass dies nicht leicht umsetzbar wäre, ist Wüest klar. Er rechnet unter anderem mit dem Widerstand engagierter Studenten.

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