Aktualisiert 28.02.2014 11:00

Hoffnung für Studis

Auslandsemester auch ohne Erasmus möglich

Nach dem Erasmus-Aus für die Schweiz zeigen sich die Studenten schockiert. Doch es zeichnen sich Alternativen ab – wenn der Bund bereit ist, den Studenten finanziell zu helfen.

von
Christoph Bernet
Die Hoffnung stirbt zuletzt: Am 20. Februar trugen Studenten das Erasmus-Abkommen vor dem Bundeshaus symbolisch zu Grabe - jetzt zeichnen sich Alternativen für den Studierendenaustausch ab.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Am 20. Februar trugen Studenten das Erasmus-Abkommen vor dem Bundeshaus symbolisch zu Grabe - jetzt zeichnen sich Alternativen für den Studierendenaustausch ab.

Gross war die Ernüchterung unter den Schweizer Studenten, nachdem die EU entschieden hatte, dass die Schweiz ab Herbst 2014 aus dem Austauschprogramm Erasmus rausfliegen würde. Der Verband der Schweizerischen Studierendenschaften (VSS) sprach vom «Tod für die internationale Dimension der Schweizer Hochschullandschaft».

Doch jetzt zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer ab. Laut «Tages-Anzeiger» signalisierte Bildungsminister Johann Schneider-Ammann, dass der Bund bereit sei, Schweizer Studenten den Austausch zu finanzieren. Wann der offizielle Entscheid falle, sei noch offen. Es handle sich um eine dringende Frage, sagte ein Sprecher des Bildungsdepartements dem «Tages-Anzeiger».

Damit könnte die Schweiz zur «stillen Beteiligung» am Erasmus-Programm zurückkehren, wie sie es bis 2010 praktiziert hat. Damit dank dieser Alternative Schweizer auch nächstes Jahr in europäischen Städten studieren können, muss der Bund allerdings bald reagieren.

«Brauchen rasch Klarheit»

«Wir brauchen rasch Klarheit über mögliche Alternativen zu Erasmus», sagt Thomas Bachofner, Generalsekretär der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen der Schweiz. Dies sei wichtig, um der derzeitigen Kommunikation im europäischen Ausland entgegentreten zu können. Denn viele nationale Erasmus-Agenturen seien dabei, den Universitäten ihrer Länder davon abzuraten, Studenten für Austauschsemester in der Schweiz anzumelden. «Die Gegenseitigkeit der Mobilität ist aber Voraussetzung dafür, dass Schweizer Studierende nächstes Jahr ins Ausland können.»

Bachofner hofft auf die «stille Beteiligung» im akademischen Jahr 204/15. Damit wären Auslandsemester auch nächstes Jahr möglich. Schliesslich hätten die Schweizer Hochschulen Erfahrung mit dieser Form der Teilnahme. Doch die Zeit eilt: «Wir müssen bald wissen, wie der Austausch im nächsten Lehrjahr finanziert und umgesetzt werden kann.» Der Bund müsse Gelder freigeben, die bisher für die Beteiligung an Erasmus vorgesehen waren.

«Unsicherheit bleibt bestehen»

Auch Yasmine Inauen, Leiterin der Abteilung für Internationale Beziehungen der Universität Zürich, glaubt daran, dass Austauschsemester auch im nächsten Jahr möglich sind. «Wir haben Rückmeldungen von europäischen Partner-Unis, die bereit sind, Austauschsemester ausserhalb der Erasmus-Strukturen zu ermöglichen.»

Die Schweizer Universitäten stehen unter Zeitdruck: «Wir müssen relativ bald die neuen Verträge abschliessen können.» Inauen hofft darauf, dass bis in einem Monat Klarheit über eine allfällige finanzielle Unterstützung durch den Bund herrscht. «Dann besteht die Chance, dass wir es unter Hochdruck schaffen, mit unseren Partner-Universitäten Verträge abzuschliessen.»

Sollte der Bund die Kosten nicht übernehmen, ist die Universität Zürich bereit, den Austausch ihrer Studenten mit bis zu einer Million Franken zu unterstützen, wie Rektor Michael Hengartner in der «Rundschau» von SRF sagte.

Für die Studierenden bleibe die Unsicherheit aber bestehen. Einzelne Partner-Unis würden schnell einen Vertrag unterzeichnen, bei anderen dürfte es sich hinziehen. Alle geplanten Austauschsemester seien aber nicht durchführbar: «Einige ausländische Partner-Unis werden nicht bereit sein, Schweizer Austauschstudenten aufzunehmen.»

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