Tennis-Welt wütet – «Ausnahmegenehmigung für Novak Djokovic ist eine kranke Heuchelei»
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Tennis-Welt wütet«Ausnahmegenehmigung für Novak Djokovic ist eine kranke Heuchelei»

Novak Djokovic darf dank einer Ausnahmeregelung ohne Corona-Impfung am Australian Open teilnehmen. Der Fall löst eine hitzige Debatte in der Tennis-Szene aus. Serbische Medien spekulieren derweil über die Gründe.

von
Florian Gnägi
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Novak Djokovic startet in Melbourne – ungeimpft.

Novak Djokovic startet in Melbourne – ungeimpft.

AFP
Jamie Murray meint, er hätte an Djokovics Stelle keine Teilnahmebewilligung für das Turnier bekommen.

Jamie Murray meint, er hätte an Djokovics Stelle keine Teilnahmebewilligung für das Turnier bekommen.

imago images/Uk Sports Pics Ltd
Serbische Medien spekulieren darüber, dass Djokovic wegen seiner Glutenunverträglichkeit eine medizinische Sondergenehmigung bekam.

Serbische Medien spekulieren darüber, dass Djokovic wegen seiner Glutenunverträglichkeit eine medizinische Sondergenehmigung bekam.

AFP

Darum gehts

  • Novak Djokovic nimmt am Australian Open teil, obwohl er nicht gegen Corona geimpft ist.

  • Australische Medien sind darüber erzürnt und kritisieren seine Teilnahme.

  • In Serbien stellen die Zeitungen wilde Theorien auf, wieso Djokovic doch nach Melbourne darf.

  • Australiens Innenministerin meint, die Ausnahmebewilligung sei keine Garantie für die Einreise.

Die Sonderbehandlung von Superstar Novak Djokovic am Australian Open sorgt in der Tennis-Welt auch einen Tag später, nachdem der Serbe seine Teilnahme am ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres persönlich bekannt gab, für grossen Gesprächsstoff. Dies, weil in Melbourne eigentlich nur doppelt geimpfte Spieler und Spielerinnen zugelassen werden.

Turnierdirektor Craig Tiley meldete sich im australischen TV zu Wort und betonte: «Es gab keine Sonderbehandlung für Novak.» Demnach hätten von den 3500 Personen, die für das Australian Open nach Melbourne reisen würden, 26 davon einen Antrag auf eine Befreiung von der Impfpflicht gestellt und «nur eine Handvoll davon» sei genehmigt worden.

5 Gründe für Impf-Befreiung

Gemäss den Vorgaben des australischen Gesundheitsministeriums gebe es fünf mögliche Gründe, die «eine vorübergehende Ausnahme von einer vollständigen Impfung» für eine Teilnahme am Turnier möglich machen.
Erstens eine entzündliche Herzerkrankung in den letzten drei Monaten. Zweitens ein schwerer, akuter medizinischer Zustand. Drittens eine Infektion mit Covid seit 1.8.2021. Viertens schwerwiegende körperliche Folgen nach einer vorherigen Dosis eines Covid-Impfstoffs. Fünftens es besteht ein grosses Impfrisiko.

Insbesondere die australischen Medien gehen mit dem Entscheid, Djokovic ohne Impfung am ersten Major-Turnier des Jahres starten zu lassen, hart ins Gericht. «The Herald Sun» schreibt: «Die medizinische Ausnahmegenehmigung für Novak Djokovic, damit er das Australian Open spielen kann, ist eine kranke Heuchelei. Seine Teilnahme ist eine Beleidigung für jeden Australier, der wegen Covid durch die Hölle gegangen ist.»

Australische Medien wüten – serbische Zeitungen rätseln

Die Zeitung «Daily Mail» veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel «You must be Djoking» und stösst damit ins selbe Horn wie «The Telegraph», der schreibt: «Novak Djokovics Ausnahmeregelung beweist, dass Australiens harte Corona-Haltung nicht für die Reichen und Berühmten gilt».

In Djokovics Heimat Serbien hingegen freuen sich die Zeitungen über die Teilnahme ihres Volkshelden in Down Under und bringen dabei wilde Spekulationen auf, wieso die Weltnummer eins die Ausnahmebewilligung erhielt. «Kurir» schreibt etwa, dass Djokovic die medizinische Sonderregelung bekam, weil er dank seiner Zöliakie ungeimpft spielen dürfe. Der 20-fache Grand-Slam-Sieger habe angeblich beweisen können, dass seine Glutenunverträglichkeit ernsthafte Komplikationen verursachen könne, wenn er gegen Covid-19 geimpft wird. Er unterstützte diese Behauptungen sogar mit der Bestätigung eines Wissenschaftlers aus Cambridge, der besagt, dass der Impfstoff ihm schaden könnte.

Der serbische «Telegraf» hat dagegen eine andere Vermutung, weshalb Djokovic nun doch in Australien spielen darf. So stellt das Medium die These auf, dass sich der 34-Jährige innerhalb der letzten sechs Monate zum zweiten Mal mit dem Coronavirus infiziert hat. «Damit würde eine Impfpflicht entfallen», so die Zeitung. Offiziell bekannt ist nur, dass Djokovic im Sommer Corona hatte. 

Jamie Murray sagte: «Falls ich nicht geimpft wäre, würde ich sicher keine Sonderbewilligung erhalten.»

Jamie Murray sagte: «Falls ich nicht geimpft wäre, würde ich sicher keine Sonderbewilligung erhalten.»

imago images/Uk Sports Pics Ltd

Australiens Premierminister: «Keine Sonderregeln»

Im Rahmen des ATP-Cups in Sidney äusserten sich auch einige Tennis-Profis selbst zu der Causa Djokovic. Doppel-Spieler Jamie Murray, der Bruder von Andy Murray, unterstützte dabei die These, dass Djokovic besonders behandelt wurde, und meinte: «Falls ich nicht geimpft wäre, würde ich sicher keine Sonderbewilligung erhalten.» Der Engländer Liam Broady (ATP 128) schien offensichtlich ähnlicher Meinung wie Murray zu sein, sagte dann aber nur diplomatisch: «Man muss darauf vertrauen, dass Djokovic einen guten Grund hat für die medizinische Ausnahmeregelung.»

Die Teilnahme am Tennis-Turnier ist Djokovic zugesichert, vielleicht könnte aber noch die Einreise ein Problem werden. Der australische Premierminister Scott Morrison meinte: «Wenn er nicht geimpft ist, muss er einen akzeptablen Nachweis erbringen, dass er aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, um Zugang zu den gleichen Reiseregeln wie vollständig geimpfte Reisende zu erhalten». Sonst werde der Serbe «im ersten Flieger nach Hause» sitzen, warnte Morrison.

Auch Australiens Innenministerin Karen Andrews liess verlauten, dass die Ausnahmebewilligung keine Garantie für die Einreise sei. Andrews meinte: «Während die Regierung des Bundesstaates Victoria und Tennis Australia einem nicht geimpften Spieler die Teilnahme am Australian Open erlauben können, ist es die Regierung des Commonwealth, die unsere Anforderungen an der australischen Grenze durchsetzen wird.» Die Innenministerin weiter: «Keiner Person, die am Australian Open teilnimmt, wird eine Sonderbehandlung zuteil.»

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