Kevin Magnussen: Ausnahmetalent mit göttlichem Gefühl
Aktualisiert

Kevin MagnussenAusnahmetalent mit göttlichem Gefühl

Der 21-jährige Däne Kevin Magnussen fährt in Melbourne als erster Formel-1-Neuling seit Lewis Hamilton 2007 aufs Podest. Sein Debüt ist ein Versprechen für die Zukunft.

von
Kai Müller

Man schrieb Oktober 2013, noch war das zweite McLaren-Cockpit neben Jenson Button zu vergeben, als sich ein junger Mann forsch zu Wort meldete. Er sagte: «Wenn ich die Chance kriegen würde, wäre ich in der Lage, gute Ergebnisse einzufahren.» Und lieferte gleich die Erklärung für sein selbstbewusstes Statement: «Ich habe bisher in jedem Auto gewonnen, das ich gefahren bin. Warum sollte sich das in der Formel 1 ändern? Ich fühle einfach, dass ich bereit bin – dieses Gefühl ist von Gott gegeben.»

Es dauerte keinen Monat, und der junge Mann, der eben den Titel in den Renault World Series gewonnen hatte, wurde als zweiter McLaren-Pilot für 2014 vorgestellt, als Nachfolger von Sergio Perez. Sein Name: Kevin Magnussen. Für ihn ging damit ein Traum in Erfüllung: «Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass ich bislang mein gesamtes Leben dem Ziel untergeordnet habe, für McLaren in der Formel 1 zu fahren.»

Teamchef Ron Dennis, der Magnussen-Fan

Gott hatte die Finger bei Magnussens Beförderung nicht im Spiel gehabt, immerhin aber Teamchef Ron Dennis. Nach intensiven Gesprächen mit den Ingenieuren im Herbst war ihm sofort klar geworden: «Wir müssen Magnussen möglichst schnell ins GP-Auto holen.»

Der britische Rennstall war schon früh auf das Ausnahmetalent aufmerksam geworden. 2010 wurde Magnussen, der in verschiedenen Nachwuchsserien für Aufsehen gesorgt hatte, ins Förderprogramm aufgenommen. Zwei Jahre später durfte er bereits Simulatortests absolvieren, und schon bald sammelte er erste Erfahrungen auf der Rennstrecke mit dem McLaren MP4-28, dem Auto für die Formel-1-WM 2013.

Den Vater im ersten Rennen übertroffen

Die Zeiten als junger Fahrer, der hin und wieder Formel-1-Luft schnuppern darf, sind endgültig vorbei. Und Magnussen hat am GP von Australien gezeigt, dass seine Ankündigungen nicht nur von überhöhtem Selbstbewusstsein durchtränkte Worthülsen sind. Er überquerte die Ziellinie als Dritter, die Disqualifikation von Red-Bull-Fahrer Daniel Ricciardo spülte ihn später gar auf Rang 2 hinter Nico Rosberg. «Ich kann nicht glauben, was da heute passiert ist», sagte der Nordländer und schüttelte immer wieder den Kopf. «Ich als Rookie ohne jede Erfahrung auf dem Podium. Grandios.»

Der beste Einstand seit Lewis Hamilton 2007, der damals im McLaren Dritter wurde, verleitete Rennleiter Eric Boullier zur Aussage: «Können Sie sich vorstellen, am ersten Rennwochenende der Karriere mit 21 in einem McLaren zu sitzen? Magnussen hatte vor der Saison drei Testtage absolviert, Lewis dagegen schon 30'000 Kilometer abgespult.»

Mit seinem überragenden Debüt schwang sich Magnussen auch familienintern umgehend zur Nummer 1 auf. Sein Vater Jan, der 1995 ebenfalls den Sprung vom Förderprogramm ins McLaren-Cockpit geschafft hatte, war bei seiner einzigen Klassierung in den Punkterängen im Juni 1998 im Grand Prix von Kanada Sechster geworden.

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