Wahlpartys: Ausnahmezustand in der Hauptstadt
Aktualisiert

WahlpartysAusnahmezustand in der Hauptstadt

In Washington herrscht nach dem Wahlsieg von Barack Obama eine unglaubliche Euphorie. Unzählige Menschen sind auf die Strassen gegangen und drücken ihre Begeisterung lautstark aus.

von
Simone Schelk
Washington

Die ganze Stadt ist voller Menschen, die zum Weissen Haus pilgern. Auf ihren Füssen oder Rädern. Ein Hupkonzert von einer Demonstration, die George W. Bush in den Ohren klingen muss. Da schwingt viel Genugtuung mit und unglaubliche Freude über das Erreichte. Viele junge Leute sind unterwegs, aber auch ältere haben die Wagen aus der Garage geholt und sind nach Downtown gekommen. Die Polizei hat die Strassen um das Weisse Haus grossräumig abgesperrt, trotzdem kommt man bis zum Zaun. Da rütteln Tausende Menschen dran und rufen «Yes we can».

Die Stimmung ist unglaublich. Im Kneipenviertel Adams Morgan ist die Streetparade unterwegs - den Fussgängern gehören die Strassen. Und am Dupont Circle springen die Menschen vor Begeisterung buchstäblich im Kreis. Das hat es noch nie gegeben für einen zukünftigen Präsidenten. Aber es hat ja auch noch nie so einen gegeben wie Obama.

Anfangs gedämpfte Stimmung

Als die ersten Wahllokale um 19 Uhr Ortszeit schlossen, war die Stimmung noch gedämpft. Virginia dümpelte vor sich hin, Indiana wurde zwischen Obama und McCain hin- und hergereicht. Die Demokraten feierten trotzdem: In einem schicken Etablissement in Downtown DC erschienen die – überwiegend schwarzen – Damen in Abendgarderobe, die Herren gingen in Anzug. Oder auch im Obama-Hope-T-Shirt mit Sakko darüber.

900 Gäste wurden auf den drei Floors erwartet, aber schon am frühen Abend platzte das «The Park» aus allen Nähten. Buchstäblich im Regen standen diejenigen, die draussen warten mussten, bis ein Gast die Party verlassen würde. Viele waren das allerdings nicht.

$$VIDEO$$

Nur ein Event der Republikaner

Einen einzigen Event hatten die Republikaner zum Feiern anzubieten. Und das war der offizielle. Die McCain-Anhänger hatten in eine Sportbar nach Arlington in Virginia geladen. Obwohl es ihre einzige Veranstaltung war, gab es dennoch keine Warteschlange. Auch drinnen gab es genug Platz vor den Fernsehern und an der kostenlosen Snack-Bar.

Das Publikum hier: überwiegend weiss. Viele junge Wähler, aber auch einige ältere, die auf die unzähligen Fernsehschirme blicken. Fernsehteams drängen sich hier, da alle die Möglichkeit dieses einen Events nutzen, um ein paar Interviews mit Republikanern zu führen. Die Party war schon früh beendet. Zum Zeitpunkt, als die Demokraten erst so richtig zu feiern begannen.

Deine Meinung