Aktualisiert 06.06.2005 10:36

Ausschreitungen auf dem Tempelberg

Auf dem Jerusalemer Tempelberg ist es zu Zusammenstössen zwischen Palästinensern und der Polizei gekommen.

Die Palästinenser warfen Steine auf die Beamten und eine Gruppe Israelis, wie ein Behördensprecher erklärte. Die Polizisten hätten daraufhin Betäubungsgranaten eingesetzt. Die nahe der Al-Aksa-Moschee versammelte Menge aus mehreren hundert Menschen sei schliesslich zerstreut worden. Israel feierte am Montag den Jerusalem-Tag, den Jahrestag der Einnahme Ostjerusalems im Sechs-Tage-Krieg von 1967.

Der Polizeisprecher von Jerusalem, Schmuel Ben-Ruby, teilte mit, ein Palästinenser, der versucht habe, einen israelischen Besucher anzugreifen, sei festgenommen worden. Zwei Israelis seien leicht verletzt worden. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas erklärte, den Juden hätte es nicht erlaubt werden dürfen, die Al-Aksa-Moschee zu besuchen. «Die israelische Regierung und die internationale Gemeinschaft müssen diese ungerechtfertigten und gefährlichen Verstösse gegen einstige Vereinbarungen beenden», sagte Abbas in Ramallah. Am Jerusalem-Tag waren in der israelischen Hauptstadt 3.000 Polizisten im Einsatz.

Der Jerusalemer Tempelberg ist Muslimen und Juden gleichermassen heilig, so dass es dort immer wieder zu teilweise blutigen Auseinandersetzungen gekommen ist. Im Jahr 2000 besuchte der damalige Oppositionsführer und heutige Ministerpräsident Ariel Scharon den Tempelberg und löste damit gewaltsame Proteste aus, die mehr als vier Jahre andauerten. Danach war die Moschee für Nichtmuslime lange Zeit geschlossen. Im vergangenen Jahr wurde das Verbot einseitig aufgehoben.

Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas kündigte vor dem Verteidigungsausschuss des Parlaments an, jüdische Siedler im Gazastreifen und im Norden des Westjordanlands notfalls zwangsweise zu entwaffnen. Dies werde geschehen, wenn die Siedler ihre Waffen vor dem geplanten Abzug aus dem Gazastreifen im Sommer nicht freiwillig abgäben. Ausserdem werde er die Siedler auffordern, ihre Kinder vor dem Abzug Mitte August in Sicherheit zu bringen. Ihnen solle eine traumatische Erfahrung erspart bleiben, fügte Mofas hinzu.

Gegner des israelischen Abzugs sprühten am Montag Militärlastwagen, Traktoren und Planierraupen mit orangener Farbe an, wie die Streitkräfte mitteilten. Die Maschinen waren in der Nähe von Gaza geparkt und sollten wahrscheinlich bei dem Rückzug eingesetzt werden. Die Gegner des Abzugs haben sich die Farbe orange gegeben. Die Polizei prüfte, ob Zucker in die Tanks geschüttet wurde, um die Maschinen fahruntüchtig zu machen. (dapd)

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