Aktualisiert 30.06.2011 06:55

Strassenschlachten in AthenAusschreitungen fordern viele Verletzte

In den Strassen Athens herrscht Chaos. Aus dem Finanzministerium stieg Rauch auf, Randalierer griffen einen sozialistischen Abgeordneten tätlich an. Etwa 150 Menschen sind verletzt worden.

von
jam

Die Lage in Athen hat sich am Mittwochabend zugespitzt. Hunderte Vermummte randalierten und lieferten sich rund um den zentralen Syntagmaplatz Zusammenstösse mit der Polizei. Dabei sind etwa 150 Menschen verletzt worden. Rettungskräfte erklärten, 99 Demonstranten und Passanten seien wegen Verletzungen behandelt worden. Laut Polizei wurden 49 Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. 43 Personen wurden festgenommen.

Die Randalierer warfen Brandflaschen auf eine Poststelle und zwei andere Gebäude. Aus einem Gebäude am Syntagma-Platz in Athen, welcher das Zentrum der Demonstrationen darstellt, stieg im Verlauf des Nachmittags graue Rauchschwaden auf, Randalierer errichteten brennende Barrikaden. Demonstranten hätten ein Feuer in einem Postamt gelegt, berichtet «Welt Online». Im selben Gebäude befindet sich auch das griechische Finanzministerium. Die Feuerwehr konnte in letzter Minute sieben Menschen aus einem brennenden Gebäude retten und das Feuer löschen, wie das griechische Fernsehen berichtete.

Luxushotel evakuiert

Wegen der dramatischen Lage musste zuvor ein Luxushotel in der griechischen Hauptstadt evakuiert werden. «Alle unsere Kunden wurden in Sicherheit in anderen Hotels untergebracht», sagte ein Sprecher des Hotels der Nachrichtenagentur dpa. Es handelt sich laut der Onlineausgabe der Zeitung um das King George Palace Hotel am Syntagma Platz.

Kurz vor und nach der entscheidenden Abstimmung im griechischen Parlament über das Sparpaket der Regierung ist es in Athen zu schweren Zusammenstössen zwischen mehreren hundert Randalierern und Sondereinsatzkräften der Polizei gekommen. Tausende Menschen flohen in Panik vom Platz vor dem Parlament. Tränengasschwaden wurden durch das Stadtzentrum getrieben. Ein Angestellter des Hotels sagte, die Gäste des Hotels hätten die beissende Luft «nicht mehr ertragen» können.

Vor dem Parlament setzte die Polizei Tränengas ein, um die Protestierenden zurückzudrängen. Diese versuchten, Absperrungen umzustürzen und schleuderten Flaschen und Müll auf die Polizisten. Die Demonstranten hatten angekündigt, Abgeordnete am Betreten des Parlamentsgebäudes zu hindern. Sicherheitskräfte sperrten einen grossen Bereich der Innenstadt für den Verkehr.

«Verräter, Verräter!»

Die Demonstranten hätten vor dem Parlament Slogans wie «Verräter, Verräter!» gerufen, während die Polizei mit Tränengas gegen die Menge vorgegangen war, wie die New York Times berichtet.

Ein Generalstreik sorgte den zweiten Tag in Folge an den Flughäfen für Dutzende Flugausfälle oder -verschiebungen. Fähren blieben in den Häfen, in den Krankenhäusern arbeiteten nur Notfallteams. Erst am Dienstag war es in Athen zu schweren Zusammenstössen zwischen den Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei wurden 46 Menschen verletzt.

Videos der Ausschreitungen:

(Video: Youtube/DianaVogel1)

(Video: Youtube/papakiteliagr)

(Video: Youtube/RussiaToday)

(Video: Youtube/PArticenens) (jam/dapd)

Sozialistischer Abgeordneter angegriffen

Nach der Zustimmung des griechischen Parlaments zu weiteren Sparmaßnahmen haben Demonstranten einen sozialistischen Abgeordneten angegriffen, der nach vorher angekündigter Ablehnung für das Paket gestimmt hatte. Alexandros Athanassiadis wurde beim Verlassen des Parlamentsgebäudes am Mittwoch tätlich angegriffen. Die Abstimmung der Abgeordneten wurde von gewaltsamen Protesten in der Athener Innenstadt begleitet, bei denen mehr als 45 Menschen verletzt wurden. 30 Personen wurden festgenommen. (dapd)

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