London: Ausschreitungen nach Gedenkfeier für getötete Sarah Everard
Publiziert

LondonAusschreitungen nach Gedenkfeier für getötete Sarah Everard

Am Samstag versammelten sich Hunderte in London, um der getöteten Sarah Everard zu gedenken. Dabei kam es zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch Herzogin Kate nahm an der Veranstaltung teil.

Die Polizei löst eine Mahnwache zum Gedenken an die ermordete Sarah Everard auf: Ein Handyvideo zeigt, wie die Polizei eine Frau festhält und Protestierende zurückdrängt.

AP/Deborah Hermanns

Darum gehts

  • Grossbritannien ist nach der mutmasslichen Ermordung von Sarah Everard in Aufruhr.

  • Am Samstag versammelten sich Hunderte in London – obwohl die Polizei das aufgrund der Corona-Regelungen verboten hatte.

  • Auch Herzogin Kate zeigte sich am Gedenkort und legte Blumen nieder.

Trotz Warnungen vor rechtlichen Konsequenzen haben sich am Samstagabend Hunderte Menschen in einem Park im Süden Londons versammelt, um der mutmasslich von einem Elite-Polizisten entführten und ermordeten Sarah Everard zu gedenken. Der Fall hatte zu einem landesweiten Aufschrei gegen Belästigungen und Gewalt an Frauen geführt.

Versuche der Polizei, die wegen der Corona-Massnahmen nicht genehmigte Versammlung teils mit Gewalt aufzulösen, wurden mit lautstarken Protestrufen und Pfeifkonzerten beantwortet, wie auf Videos im Internet zu sehen war.

1 / 7
Bei einer Gedenkveranstaltung für die getötete Sarah Everard ist es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmenden und Polizei gekommen.

Bei einer Gedenkveranstaltung für die getötete Sarah Everard ist es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmenden und Polizei gekommen.

REUTERS
Mehrere hundert Menschen versammelten sich in London, um dem Tod von Sarah Everard zu gedenken.

Mehrere hundert Menschen versammelten sich in London, um dem Tod von Sarah Everard zu gedenken.

AFP
Die Polizei hatte die Gedenkfeier wegen der Corona-Massnahmen nicht bewilligt und schritt ein.

Die Polizei hatte die Gedenkfeier wegen der Corona-Massnahmen nicht bewilligt und schritt ein.

AFP

Die Polizei nahm mehrere Frauen fest, die sich am Gedenkort Clapham Common im Südwesten Londons gegen die Polizeipräsenz wehrten. Das berichtet der britische «Mirror». Es sei zu weiteren Festnahmen gekommen, nachdem sich Teilnehmende der Gedenkfeier geweigert hätten, den Gedenkort zu verlassen. Das Vorgehen der Polizei sorgte für harsche Kritik.

1 / 3
Sarah Everard wurde mutmasslich getötet. Ein Elite-Polizist steht unter Mordverdacht.

Sarah Everard wurde mutmasslich getötet. Ein Elite-Polizist steht unter Mordverdacht.

AFP
Die junge Frau galt seit dem 3. März als vermisst. Ein Elitepolizist der Polizei Londons steht unter Verdacht, die 33-Jährige getötet zu haben.

Die junge Frau galt seit dem 3. März als vermisst. Ein Elitepolizist der Polizei Londons steht unter Verdacht, die 33-Jährige getötet zu haben.

Yui Mok/PA Wire/dpa
Der Verdächtige ist Mitglied einer Einheit der Metropolitan Police, die Regierungsgebäude und diplomatische Residenzen überwacht. Darunter auch die Downing Street und Westminster.

Der Verdächtige ist Mitglied einer Einheit der Metropolitan Police, die Regierungsgebäude und diplomatische Residenzen überwacht. Darunter auch die Downing Street und Westminster.

AFP

Selbst Herzogin Kate (39) hatte den improvisierten Gedenkort an einem Musikpavillon im Park Clapham Common am Nachmittag aufgesucht und Berichten zufolge Narzissen niedergelegt. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Palastkreisen erfuhr, wollte Kate der getöteten Sarah Everard und ihrer Familie Respekt zollen. Sie habe sich auch daran erinnert, wie es sich anfühlte, vor ihrer Hochzeit mit Prinz William (38) nachts allein durch London zu gehen, hiess es. Auf Videos, die am Samstag in sozialen Medien kursierten, war zu sehen, wie Kate vor den Blumen innehielt.

Premierminister Boris Johnson kündigte auf Twitter an, er werde gemeinsam mit seiner Verlobten Carrie Symonds eine Kerze anzünden. «Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um sicherzustellen, dass die Strassen sicher sind, und dass Frauen und Mädchen keine Belästigung oder Missbrauch erleiden müssen», so der Regierungschef.

Erst am Freitag war der in einem Waldstück in der Grafschaft Kent gefundene leblose Körper der zuvor als vermisst gemeldeten 33-jährigen Sarah Everard identifiziert worden. Damit wurde aus Befürchtungen über ihr Schicksal traurige Gewissheit. Zuletzt gesehen wurde Sarah Everard am 3. März in der Nähe von Clapham Common, als sie in der Dunkelheit auf dem Nachhauseweg von einer Freundin war. Unter Tatverdacht steht ein 48 Jahre alter Polizist, der am Samstag dem Haftrichter vorgeführt wurde. Er muss weiter in Untersuchungshaft bleiben.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Tel. 147

(her, DPA)

Deine Meinung