Tränengas und Gummischrot: Ausschreitungen nach illegaler Party in Zürich
Aktualisiert

Tränengas und GummischrotAusschreitungen nach illegaler Party in Zürich

Gummischrot, Tränengas, brennende Gegenstände und Müll auf den Strassen: Eine illegale Party die als Racheakt angekündigt war, artete am späten Samstagabend beim Zürcher Bellevue völlig aus. Es gab Verletzte und Verhaftungen.

von
M. Egger

Gummischrot liegt überall auf den Strassen rund um das Bellevue. Die Luft ist bis in die Unterführung im Bahnhof Stadelhofen mit Tränengas geschwängert. Verletzte Personen laufen durch die Gegend. Auf den Strassen liegen Abfallsäcke, teilweise ist er verbrannt. Auch Bauabsperrungen liegen mitten auf den Strassen. Es ist die Bilanz einer illegalen Party, die kurz vor Mitternacht in Zürich eskalierte.

Gegen 1500 Personen versammeln sich um 23 Uhr bei der Tramhaltestelle am Bellevue. Es wummert Musik aus den mitgebrachten Boxen. Die Polizei hält sich im Hintergrund auf. Die Party ist in vollem Gange und friedlich - zunächst. Dann greift die Polizei ein erstes Mal ein.

Akute Einsturzgefahr

Als rund 20 Personen auf ein Tramwartehäuschen stiegen, entschieden sich die Einsatzkräfte aus Sicherheitsgründen diese herunterzubitten, da akute Einsturzgefahr bestand und sich die Menschen gefährlich nah an den Fahrleitungen der VBZ befanden, teilt die Polizei in einer Medienmitteilung mit.

Darauf greifen einige Teilnehmer die Polizei mit Pflastersteinen, Baumaterial, Flaschen und anderen Gegenständen an, sagt die Polizei vor Ort zu 20 Minuten Online. Die Situation eskaliert.

Die Polizei setzt Tränengas ein, schiesst mit Gummischrot. Die meist jugendlichen Randalierer zünden darauf Abfall an, reissen Abfalleimer aus der Verankerung und demolieren Bauabsperrungen, sagt Augenzeuge L. S. Auch Schaufensterscheiben seien beschädigt worden, teilt die Polizei mit. Ebenfalls sei die ausgerückte Feuerwehr angegriffen und bei ihren Löscheinsätzen behindert worden.

Die Randale weiten sich schnell aus. «Beim Bahnhof Stadelhofen stürmte die Polizei in kleineren Gruppen eine Brücke, um gegen Randalierer vorzugehen», so S. weiter. «In der Unterführung beim Stadelhofen ist die Luft mit Tränengas geschwängert», sagt ein anderer Augenzeuge zu 20 Minuten Online. Vom Gummischrot wurden gemäss mehreren Augenzeugen auch Unbeteiligte getroffen, sagt Jonas Schneider, der die Situation vor Ort beobachtete.

Verletzte Demonstranten und Polizisten

Die Situation rund um das Bellevue beruhigt sich kurz vor 1 Uhr. Die Polizei markiert danach an der Bahnhofstrasse Präsenz. Beim Paradeplatz fuhr sie noch mit einem Wasserwerfer auf, meldet ein Augenzeuge.

Gemäss Polizeiangaben wurde ein Jugendlicher wegen Landfriedensbruchs festgenommen. Ein weiterer Mann wird ebenfalls wegen Landfriedensbruchs zur Anzeige gebracht, dieser musste jedoch vorerst mit einer Kopfverletzung hospitalisiert werden. Sechs Polizisten wurden leicht bis mittelschwer verletzt. Ob weitere Personen bei den Ausschreitungen verletzt wurden ist zur Zeit noch nicht bekannt. Ebenfalls kann die Höhe der Sachschäden, vor allem an Häusern und Einsatzfahrzeugen der Polizei und der Feuerwehr noch nicht beziffert werden, teilt die Stapo mit.

«Keine Party ist illegal»

Bei der illegalen Party handelt es sich um einen Racheakt von Partyveranstaltern. Per SMS, das 20 Minuten Online vorliegt, riefen die Organisatoren in den letzten Tagen zur «Racheaktion» auf, weil die Stadtpolizei mehrere andere Partys gestürmt habe, wie es im Text heisst. Gemäss einem Teilnehmer habe es sich dabei um Technopartys gehandelt, die in einem Wald stattgefunden hätten und von der Polizei geräumt wurden. Am Bellevue sollte nun «eine fette Party» gefeiert werden als Gegenaktion, wie es im SMS-Text weiter heisst. «Keine Party ist illegal!», nennt ein anderer Teilnehmer vor Ort das Motto.

Feedback

Hinweise, Anregungen oder Informationen, die Sie uns gerne mitteilen wollen? Schicken Sie uns ein Mail an: feedback@20minuten.ch

Werden Sie Leser-Reporter!

2020, Orange-Kunden an 079 375 87 39.

Für einen Abdruck in der Zeitung gibts bis zu 100 Franken Prämie!

Auch via iPhone und Web-Upload können Sie die Beiträge schicken. Wie es geht, erfahren Sie

Deine Meinung