11.11.2020 14:14

U-Haft in Minsk Aussenminister Cassis setzt sich für die Freilassung von Natalie Hersche ein

Die schweizerisch-weissrussische Doppelbürgerin wurde bei einer Frauendemo im September in Minsk festgenommen. Nun fordert sogar Aussenminister Ignazio Cassis die Freilassung der St. Gallerin.

von
Karin Leuthold
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Natalie Hersche bei einer Demonstration in Minsk. Am 19. September wurde sie wegen «Widerstands gegen die Polizei» verhaftet. 

Natalie Hersche bei einer Demonstration in Minsk. Am 19. September wurde sie wegen «Widerstands gegen die Polizei» verhaftet.

Twitter
Natalie keine 24 Stunden bevor sie eingesperrt wurde.

Natalie keine 24 Stunden bevor sie eingesperrt wurde.

zvg
Seit der Verhaftung hat der Natalies Partner Robert Stäheli nur über Dritte kontakt zu seiner Freundlin gehabt.

Seit der Verhaftung hat der Natalies Partner Robert Stäheli nur über Dritte kontakt zu seiner Freundlin gehabt.

zVg

Darum gehts

  • Natalie Hersche wurde am 19. September in Minsk an einer Demonstration verhaftet.

  • Die Menschenrechtsorganisation Libereco stuft Hersche als politische Gefangene ein.

  • Mit mehreren Aktionen versuchen Aktivisten und Politiker ihre Freilassung zu erwirken.

  • Aussenminister Ignazio Cassis hat vor wenigen Tagen mit seinem weissrussischen Amtskollegen telefoniert und Hersches Freilassung gefordert.

Natalie Hersche gilt als politische Gefangene. Die 51-Jährige aus St. Gallen wurde bei einer Frauen-Kundgebung am 19. September in Minsk festgenommen. Die weissrussischen Behörden werfen ihr vor, einem Polizisten während der Demonstration die Sturmhaube abgerissen zu haben. Hersche meinte zunächst, sie werde bald aus der U-Haft entlassen. Doch inzwischen sind mehr als sieben Wochen vergangen – und ihr Gerichtstermin verzögert sich.

Für «gewaltsamen Widerstand gegen Strafverfolgungsbeamte» drohen Natalie Hersche bis zu fünf Jahre Gefängnis. Die schweizerisch-weissrussische Doppelbürgerin hat vor wenigen Tagen Unterstützung aus höchsten EDA-Kreisen erhalten: Aussenminister Ignazio Cassis hat mit seinem weissrussischen Amtskollegen Uladzimir Makej telefoniert und Hersches Freilassung gefordert. Auf Twitter schrieb er danach: «Dialog ist zentral!»

Cassis ist nicht der einzige, der sich für Natalie Hersche einsetzt. Nachdem der Fall publik geworden war, hat sich auch die Menschenrechtsorganisation Libereco mit dem Fall auseinandergesetzt. Und die St. Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi lancierte auf Campax eine Petition, die knapp 9500 Unterschriften gesammelt hat.

Natalie Hersche befinde sich unverhältnismässig lange in Haft, sagt Lars Bünger, Präsident von Libereco Schweiz. Die meisten Aktivisten würden nach zwei Wochen Haft wieder freikommen. Wieso ausgerechnet sie länger festgehalten wird, kann Bünger nicht sagen.

«Ich bitte dich, mach dir keine Sorgen»

Hersches Lebenspartner Robert Stäheli hatte seit der Festnahme wenig direkten Kontakt mit seiner Partnerin. Sie sei inzwischen in ein anderes Gefängnis verlegt worden, sagte Stäheli vergangene Woche zu 20 Minuten. Erst vor kurzem habe er einen Brief bekommen – das erste Lebenszeichen von seiner Natallia seit September, erzählt er dem «Tages-Anzeiger».

Darin schrieb sie: «Wenn ich damit anfange, die Haftbedingungen zu beschreiben, dann wird dieser Brief nicht verschickt. Momentan ist alles einigermassen in Ordnung, damit kann man leben, es ist warm.» Sie und die anderen Insassinnen würden sich Geschichten erzählen, debattieren, manchmal Lieder singen. Sie male Porträts von den anderen. «Ich bitte dich, mach dir keine Sorgen. Es ist nicht so schlimm, wie du wahrscheinlich denkst. Ich weiss ganz genau, dass alles gut wird.»

Sie kommt vielleicht als gebrochene Frau zurück – wenn überhaupt

Die Verhaftung seiner Partnerin sei für ihn und die Familie sehr schwer, sagt Stäheli. «Wir sind der Willkür des Regimes ausgesetzt.» Nach der Verhaftung habe er die Situation zunächst gar nicht wahrhaben wollen, dann sei er niedergeschmettert gewesen und wütend geworden. «Langsam habe ich die Situation akzeptiert. Wir tun, was wir können für Natalies Freiheit», sagt Stäheli.

Er habe gelernt, sich auf alles gefasst zu machen, sagt er zum «Tages-Anzeiger». Im besten Fall damit, dass seine Partnerin plötzlich vor der Tür stehe. Im schlimmsten Fall damit, dass sie im Gefängnis misshandelt werde und als gebrochene Frau heimkehre. Falls überhaupt.

Die Mahnwache auf der Zürcher Bahnhofsbrücke.

zVg

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41 Kommentare
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Lucky Trail

12.11.2020, 11:14

Baut Stadler auch Gefangenen Transport Wagons?

Also

12.11.2020, 11:08

Ich gehe demonstrieren Thailand drugs for free, wie lange habe ich Ferien? Bekomme ich gratis zurückgeflugt?

Spudler Minsk

12.11.2020, 10:43

Hauptsache Handel blüht weiter.