Aktualisiert 01.03.2008 14:35

Austausch-Student in Ägypten beinahe verhungert

Der 17-jährige Jonathan McCullum erlebte ein Austauschjahr der Hölle in Ägypten. Weil er bei einer streng religiösen Familie lebte, musste er wochenlang fasten.

Als Jonathan McCullum im letzten Sommer nach Ägypten aufbrach um dort ein Schuljahr zu verbringen, wog er 70 Kilogramm. Als er wenige Monate später notfallmässig heimgeflogen wird, wiegt der 1.80 Meter grosse Junge nur noch 44 Kilo. Bei seiner Ankunft in den Staaten ist er so schwach, dass er sein Gepäck kaum tragen kann und nach ein paar Treppenstufen erschöpft innehalten muss.

Verantwortlich für seinen Gewichtsverlust machen der 17-jährige Austauschstudent und Angehörige die Gastfamilie in Ägypten. Bei der handelte es sich um koptische Christen. Diese Glaubensgemeinschaft fastet aus religiösen Gründen mehr als 200 Tage im Jahr und praktiziert damit das weitaus strengste Fasten in der gesamten Christenheit.

Jonathan McCullum wirft seinen ägyptischen Gastgebern vor, ihn schlecht behandelt zu haben. Er habe immer die kleinsten Portionen bekommen. Die Familie hätte sich auch beklagt, er esse zu viel, behauptet Jonathan. Mehrmals sei er allerdings so hungrig gewesen, dass er sogar Esswaren gestohlen habe. «Sicher merkte ich, dass ich dünner wurde. Aber ich wollte das Jahr durchhalten», so der Student gegenüber US-Medien.

Der Vater der Gastgeberfamilie weist diese Vorwürfe als Lügen zurück. Shaker Hanna glaubt, dass die McCullums einen Teil des Gelds, das sie für den Aufenthalt ausgelegt haben, zurückfordern wollen. «Die Wahrheit ist, dass wir den Jungen sechs Monate lang durchgefüttert haben. Jede Mahlzeit dauerte eineinhalb Stunden und er ass für sechs», behauptet Hanna. Ausserdem sei Jonathan ein aufgeweckter Student gewesen der auch viel Sport betrieben habe.

Weit her damit kann es aber nicht sein: Denn diesen Januar hielt es Jonathan nicht mehr aus und packte seine Sachen. Auch seine Familie drängte den Studenten zu diesem Schritt. Seine Lehrer hatten gewarnt, Jonathan sei in schlechter Verfassung und müsse sehr, sehr dringend nach Hause.

Nach seiner Rückkehr nach Hallowell im US-Bundesstaat Maine musste er zwei Wochen hospitalisiert werden. «Ich war schockiert, als ich meinen Sohn am Flughafen sah. Zuvor war er draufgängerisch und athletisch», sagte Mutter Elizabeth McCullum der Presse. Am 9. Januar habe sie fast geweint, als sie ihren niedergeschlagenen und abgemagerten Sohn am Flughafen abgeholt hatte. Jonathan habe ein Drittel seines Gewichts eingebüsst.

Die Eltern werfen dem Studentenaustauschprogramm AFS vor, nicht ausreichend gewarnt worden zu sein. Das extreme Fastenregime bei Kopten hätte erwähnt werden müssen. Zudem habe AFS ein Gutachten eines ägyptischen Arztes ausstellen lassen, das besagte der Bub sei in «exzellenter Verfassung».

Bei AFS gibt man sich zugeknöpft. Auf Anfragen der Medien gab die Organisation an, nichts sagen zu wollen. Man fürchtet, die Sache könnte sich zu einem Prozess ausweiten. Da könnte was dran sein: Die McCullums verteilen bereits Handout-Fotografien, wie Jonathan vor und nach dem Aufenthalt aussah.

(ast)

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