Zum Abschuss freigegeben: Australien will Weisse Haie notschlachten
Aktualisiert

Zum Abschuss freigegebenAustralien will Weisse Haie notschlachten

Bravo, Politiker: Während in Bonn Regierungsdelegierte aus mehr als 50 Ländern einen globalen Schutzplan für Haie verabschiedet haben, wollen die australischen Behörden Weisse Haie wieder jagen und töten.

Captain Brett McBride vom Forschungsschiff «Ocearch» will das Gegenteil von dem, was die australische Regierung gerade beschlossen hat: Statt Weisse Haie wie diesen Prachtskerl  abzuschiessen, wollen die Forscher um McBride die Tiere erforschen und mehr über sie lernen.

Captain Brett McBride vom Forschungsschiff «Ocearch» will das Gegenteil von dem, was die australische Regierung gerade beschlossen hat: Statt Weisse Haie wie diesen Prachtskerl abzuschiessen, wollen die Forscher um McBride die Tiere erforschen und mehr über sie lernen.

Während in Bonn Regierungsdelegierte aus mehr als 50 Ländern einen globalen Schutzplan für Haie verabschiedet haben, wollen die australischen Behörden Weisse Haie wieder jagen und töten. Australien reagiert damit auf eine Häufung von tödlichen Hai-Angriffen.

Wie die Regierung im Bundesstaat Western Australia am Donnerstag mitteilte, sei dort jeder Hai, der eine Bedrohung für Schwimmer darstelle, zur Tötung freigegeben.

Haie, die in der Nähe von Stränden entdeckt werden, sollen notgeschlachtet werden, um Badegäste zu schützen, sagte der Regierungschef von Western Australia, Colin Barnett.

Das Programm sieht zwei Millionen australische Dollar für die Jagd und Tötung von Haien vor. Dieselbe Summe wird jeweils für die Erforschung und Registrierung von Haien bereitgestellt. Dabei sollen die Tiere mit Peilsendern versehen werden, die im Fall eines Eintritts in besiedelte Gebiete die Alarmierung der Bevölkerung über die Medien ermöglichen.

Der Rest der Mittel soll für zusätzliche Jet-Skis für die Rettungskräfte, einen Test von Schutzzonen und eine Smartphone-App zur Alarmierung im Fall von Angriffen verwendet werden.

Die Regierung reagiert mit dem Programm auf eine ungewöhnliche Zunahme von Haiangriffen. Innerhalb eines Jahres gab es vor den australischen Küsten fünf tödliche Angriffe auf Menschen, während durchschnittlich bisher nur ein Mensch pro Jahr einem Hai zum Opfer fiel.

Ende des Artenschutzes

Experten zufolge hängt die Zunahme der Attacken mit dem Bevölkerungswachstum und zunehmenden Wassersport-Aktivitäten zusammen. Auch die für Taucher häufig veranstalteten Haifütterungen werden als mögliche Erklärung angeführt. Durch die Haifütterungen während des Tages werde das Verhalten der Haie verändert.

In den vergangenen dreissig Jahren standen die bedrohten Räuber in Australien unter Schutz. Nur bestimmte Haie, die vermutlich Schwimmer angegriffen hatten, durften getötet werden. Noch vor wenigen Wochen hatten die Behörden versichert, der Bedrohung mit Hilfe von Absperrungen Herr zu werden.

Kritik von Hai-Experten

Hai-Experten kritisierten die Absichten der australischen Behörden scharf. Hai-Fachmann Chris Neff von der Universität Sydney verurteilte das Notschlachtungsprogramm als «Hollywood-Reaktion». «Wir sind ihnen im Weg, und nicht auf ihrer Speisekarte», sagte Neff.

Die Zahl der Weissen Haie vor der Westküste Australiens habe zwar plötzlich stark zugenommen, doch es gebe keine wissenschaftlichen Beweise, dass die Jagd auf Haie zu weniger Angriffen führen werde, sagte Neff. Die Angriffe seinen tragisch, würden aber auch wieder abnehmen.

Die Gefahr eines tödlichen Hai-Angriffs ist für Menschen sehr gering. 2011 wurden weltweit lediglich 75 Attacken der Raubfische auf Schwimmer und Surfer registriert (2010: 81). Davon endeten 12 (2010: 6) tödlich. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF enden jährlich etwa 100 Millionen Haie als Beifang in Fischernetzen oder als Speisefisch.

Übereinkunft zum Schutz von Haien

Unterdessen verabschiedeten Regierungsdelegierte aus mehr als 50 Ländern am Donnerstag in Bonn eine Übereinkunft zum besseren Schutz stark bedrohter Haie. Der Plan, der im Rahmen eines UNO-Abkommens entstand, soll insbesondere dem Riesenhai und dem Weissen Hai helfen.

Das Papier sieht vor, Beobachtungen der Bestände zu verstärken, um einen gezielten Schutz zu ermöglichen. Regionale Umweltinitiativen sollen gestärkt und Vertreter der Fischindustrie einbezogen werden. Die Regierungen werden aufgerufen, enger zu kooperieren, um Überfischungen und anderen Bedrohungen zu begegnen. Auch dem noch oft praktizierten Abschneiden von Flossen auf hoher See soll begegnet werden. (sda)

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