Aktualisiert 12.05.2012 22:54

Menüwahl für AnfängerAuswärts essen will gelernt sein

Ob beim Business-Lunch oder in den Ferien: Im falschen Restaurant vor dem falschen Gericht zu sitzen, verdirbt jedem die Laune. Diese paar Regeln bewahren Sie vor kulinarischen Fauxpas.

von
fvo
12.5.2012

Der Ökonom Tyler Cowen isst für sein Leben gerne auswärts. In seinem Buch «An Economist Gets Lunch: New Rules for Everyday Foodies» erzählt er, wie man mittags auswärts isst, ohne dabei Gaumen oder Portemonnaie zu enttäuschen. Einige seiner Regeln für ein gelungenes Mittagessen im Restaurant hat «The Atlantic» zusammengefasst.

Wen man fragen soll: Persönliche Empfehlungen entpuppen sich meist als besserer Gourmet-Tipp als eine Google-Suche. Doch die Informanten wollen gut gewählt sein. «Fragen Sie Leute, die oft und gerne auswärts essen», empfiehlt Cowen. Oder konkreter: Leute zwischen 35 und 55 Jahren aus der Mittelschicht, die nicht zu viel Geld haben.

Taxifahrer seien eine gute Quelle für Restaurant-Tipps. Und auch wer beruflich oft herumreist und die Suche nach einer guten Mahlzeit in- und auswendig kennt, eignet sich bestens, um eine Empfehlung abzugeben. Das heisst: Solange die Augen beim aufzählen der Optionen leuchten. «Tun sie das nicht, dann ignorieren Sie die Antwort», so der passonierte Luncher.

Wie man suchen soll: Wer es trotzdem nicht lassen kann, ein Restaurant zu googeln, sollte die Suche zumindest verfeinern und einen Umweg weg von den Mainstream-Treffern nehmen. Eine spezifisches Anfrage - zum Beispiel bestes indisches Restaurant Blumenkohlgericht Bern - führt auf Seiten, die sich besser auskennen. Von da aus können Sie dann auch ohne den Blumenkohl weitersurfen.

Wo man eintreten soll: Vorsicht sei geboten, wenn die Patrons zu locker-flockig rumstehen, zu gut gelaunt sind und zu viel lachen. Hippe, urbane Orte, die mit grossen Gastronamen, angesagtem Design und spassiger Atmosphäre locken, schenken manchmal der Küche zu wenig Beachtung, meint der Buchautor. Das heisst nicht, dass man an trendigen Orten schlecht isst. Es heisst nur, dass man sich an weniger trendigen Orten stärker mit guter Küche beweisen muss.

Der beste Zeitpunkt: Es gibt jedoch ein Zeitfenster, in dem sich auch die Trendschuppen in allen Bereichen ins Zeug legen. In den ersten Monaten nach der Eröffnung, bevor sich das Restaurant als Place To Be etabliert hat, wird auch die Küche unter Druck stehen, ihre Gäste zu verzaubern. «Wenn aber das grosse Lachen beginnt, sollten Sie wieder andernorts essen gehen», rät Cowen.

Die Sirenen-Falle: Glaubt man dem Ökonom, sind auch hübsche Frauen ein schlechtes Omen. Denn sitzen solche am Tisch, füllt sich das Restaurant schnell. Sind die Gäste automatsich da, muss man sie nicht mehr mit herausragender kulinarischer Leistung anlocken. Trifft man hingegen auf Gäste, die sich über den Teller hinweg anschreien, dann schnell zu Tisch! Das spricht nämlich dafür, dass sich die Streithähne wohl fühlen. Weil sie oft herkommen. Weil das Essen gut ist.

Den Wettbwerb auskosten: Sie mögen die thailändische Küche? Dann suchen Sie nach einer Gegend, in der es mehrere Thai-Restaurants gibt. Da diese untereinander konkurrenzieren, wird das Essen hier besser ausfallen, als wenn weit und breit nur ein einziges asiatisches Restaurant zur Wahl steht.

Die richtige Wahl im Gourmet-Tempel: In richtig teuren Restaurants solle man sich gegen seinen Instinkt entscheiden und bestellen, was am unappetitlichsten klingt. Warum? Auf der gehobenen Karte habe jedes Gericht seinen Platz verdient. Wenn es so schlecht klinge, meint der Lunch-Spezialist, werde es dafür umso besser schmecken.

Vom Umgang mit Allerweltsgerichten: Nicht bestellen sollte man dafür - auch in tieferen Preisklassen - die beliebten Allerweltsgerichte. Also kein Schnipo in der Pizzeria, kein Thai-Curry beim Chinesen, kein Mistkratzerli in der Chnelle. «Halten Sie sich an die Gerichte, auf die das Restaurant spezialisiert ist», so Cowen. Oft gelangen nämlich die Evergreens bloss auf die Karte, weil sie bei den Leuten so beliebt sind. Und nicht, weil der Koch es so toll zubereitet.

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