Aktualisiert 11.01.2010 18:41

Moritz Leuenberger

«Auswahlverfahren ist absolut korrekt verlaufen»

Bundesrat Moritz Leuenberger hat versucht, die Wogen um den angeschossenen Post-Chef Claude Béglé zu glätten. Der Postminister stellte sich voll hinter seinen Untergebenen.

«Die Arbeit von Herrn Béglé wird sehr geschätzt», sagte Leuenberger im Anschluss an eine Sitzung der Fernmeldekommission des Ständerats (KVF) vor den Medien. Er sei froh, dass er vor der Kommission die Sachverhalte über die Vorkommnisse vor und seit der Wahl von Béglé zum Verwaltungsratspräsidenten habe richtig stellen können, sagte er und gab seinem Ärger über «die Schlammschlacht» Ausdruck.

«Das Auswahlverfahren ist absolut korrekt verlaufen», erklärte Leuenberger. Es habe alle nötigen und üblichen Schritte enthalten. So seien auch zu verschiedenen Zeitpunkten im Verfahren mehrere Referenzen eingeholt worden.

Alte Animositäten aufgewärmt

Dass der frühere Béglé-Chef Peter Kruse nicht um eine Referenz angegangen worden sei, entspreche den Tatsachen, sagte Leuenberger. Kruse wurde am Sonntag in den Medien mit schweren Vorwürfen an die Adresse seines früheren Untergebenen zitiert. Da Kruse zum Zeitpunkt von Béglés Anstellungsverfahren nicht mehr dessen Chef gewesen sei, sei er nicht kontaktiert worden. Kruse sei nur eine von vielen möglichen Referenzpersonen gewesen.

Dass sich Kruse nun in den Sonntagsmedien negativ über Béglé äussere, erklärt sich Leuenberger mit Differenzen zwischen den beiden Männern, die aus der Zeit stammen, als beide bei der Deutschen Post arbeiteten.

Kunz Abgang einstimmig beschlossen

Auch im Zusammenhang mit dem eigentlichen Auslöser der Kontroverse um Béglés Führungsqualitäten - der Entlassung von Post- CEO Michel Kunz Mitte Dezember -, verteidigte Leuenberger den Verwaltungsratspräsidenten.

Der Entscheid, sich von Kunz zu trennen, sei im Verwaltungsrat einstimmig mit 8 gegen 0 Stimmen bei einer Enthaltung gefallen, sagte er. Dass seither zwei Verwaltungsräte im Abstand von zwei Wochen ihren Rücktritt ankündigten, bezeichnete er als bewusste Inszenierung der Béglé-Gegner.

Es gehe nun darum, möglichst rasch wieder Ruhe einkehren zu lassen, sagte Leuenberger weiter. Deshalb sei eine Arbeitsgruppe damit beauftragt worden, die Ereignisse der letzten Wochen aufzuarbeiten und die Wahl von neuen Verwaltungsräten vorzubereiten.

Der Generalsekretär des Eidg. Departements für Umwelt, Energie und Kommunikation (UVEK), Hans Werder, sowie der Finanzverwalter Peter Siegenthaler hätten - anders als in einigen Medien fälschlicherweise kolportiert - keinesfalls die Aufgabe, das Anstellungsverfahren von Herrn Béglé zu untersuchen. Dazu bestehe kein Anlass.

Zufriedene Ständeratskommission

Der Präsident der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) des Ständerats, Christoffel Brändli (SVP/GR) zeigte sich zufrieden mit Leuenbergers Erklärungen. Bundesrat Leuenberger habe glaubwürdig dargelegt, dass das Auswahlverfahren normal verlaufen sei, sagte er.

Brändli betonte jedoch, die Kommission habe nur das Wahlverfahren und nicht die Wahl selbst zu beurteilen. «Wir haben keine Bewertung von Herrn Béglé vorgenommen», sagte der Kommissionspräsident. «Das muss jetzt der Bundesrat tun.»

Die Kommission wünscht im Übrigen wie der Bundesrat, dass rasch Ruhe einkehrt. Dazu sollen wie von Leuenberger angestrebt, die für Mai geplanten ordentlichen Gesamterneuerungswahlen für den Post- Verwaltungsrat vorgezogen werden. Die Situation sei «sehr unerfreulich», sagte Brändli. Es sei wichtig, dass rasch Lösungen gefunden würden.

VR-Wahlen vorziehen

Der Bundesrat müsse jetzt rasch handeln und eventuell auch vorgezogene Neuwahlen ins Auge fassen, sagte Peter Heiri von der Gewerkschaft Transfair nach einer Sitzung der Geschäftsleitung Gewerkschaftspolitik vom Montag. In der Sache müsse jetzt schnell Ruhe einkehren.

Die Gewerkschaft Transfair fordert zudem, dass der Bundesrat untersucht, ob das geplante Auslandgeschäft der Post mit seinen Vorgaben kompatibel ist. Weiter müsse der Bundesrat jetzt auch die anderen Kommissionen informieren, sagte Heiri weiter. (sda)

Headhunter beraten Bundesverwaltung

Headhunter kommen in der Bundesverwaltung zum Zug, sobald es um wichtige Personalentscheide geht. So wurde für die Rekrutierung von Post-Verwaltungsratspräsident Claude Béglé eine externe Agentur beauftragt. Allgemeine Regeln zur Rekrutierung von Top-Kadern gibt es beim Bund allerdings nicht. «Jedes Departement ist selber verantwortlich für die Anstellung seiner Mitarbeiter», sagte Anand Jagtap, Sprecher des Eidgenössischen Personalamtes (EPA) am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Abteilungen wüssten selbst am besten, welche Qualifikationen gefragt seien.

Im Falle der Anstellung von Claude Béglé hatte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) ein Anforderungsprofil definiert, wie das UVEK mitteilte. Eine externe Agentur erstellte darauf eine Liste mit 30 möglichen Kandidaten. Nach Evaluationsgesprächen und Abklärungen reduzierte die Headhunter-Agentur die Kandidaten-Auswahl auf zehn.

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des UVEK und des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) sowie mit dem damaligen Post-Verwaltungsratspräsidenten begleitete das Verfahren. Aufgrund der Dossiers der Agentur und Empfehlungen der Arbeitsgruppe lud Bundesrat Leuenberger Kandidaten zum Gespräch ein. Beim EFD kommen Headhunter ab «einer gewissen Kaderstufe» zum Einsatz, wie Sprecher Roland Meier sagte. Die Berater böten Hilfe bei der Bewertung der Kandidaten. Jede freie Stelle werde aber auch ganz offiziell ausgeschrieben.

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