Bank Coop: Auszüge falsch verschickt – Behörde ermittelt

Aktualisiert

Bank CoopAuszüge falsch verschickt – Behörde ermittelt

Mit dem Jahresendversand erhielten Kunden der Bank Coop Unterlagen von anderen Kunden. Das Institut verletzt damit das Bankgeheimnis. Es könnten Tausende Personen betroffen sein.

von
sas
Zum Jahresende erhielten Bank-Coop-Kunden fremde Bankauszüge in ihren Händen.

Zum Jahresende erhielten Bank-Coop-Kunden fremde Bankauszüge in ihren Händen.

Peinliche Panne bei der Bank Coop: Das Finanzinstitut hat zum Jahresende Kontoauszüge von einem Teil seiner Kunden an die falschen Adressen verschickt. Es könnten mehrere Tausend Personen betroffen sein, wie die Bank auf Anfrage von 20 Minuten bekannt gab. Genaue Zahlen seien aber noch Gegenstand von Abklärungen. Den Fehler hat die Bank erst bemerkt, als sich Kunden bei ihr beschwert hatten.

In einem am Dienstagabend verschickten Communiqué entschuldigte sich Bank Coop für den Lapsus, über den verschiedene Medien am Mittwoch berichteten. «Die betroffenen Kundinnen und Kunden werden in den nächsten Tagen kontaktiert und es werden ihnen die korrekten Jahresend-dokumente zugestellt», schreibt die Bank. Die Empfänger der fälschlicherweise zugestellten Unterlagen würden gebeten, diese an die Bank zu retournieren. Brisant: Teilweise erhalten die Kunden die falschen Auszüge erst am Mittwoch.

Problematisch ist, dass viele Kunden zuerst aus den Medien vom Vorfall erfahren haben. Sie sind sowohl verärgert als auch verunsichert. «Das darf einer Bank doch nicht passierten», wettert ein langjähriger Kunde im Gespräch mit 20 Minuten. Peinlich sei, dass die Bank mit ihm noch keinen Kontakt aufgenommen habe. Ein anderer Betroffener, der neben seinem Kontoauszug noch einen fremden Auszug erhalten hat, fragt sich, ob seine Papiere auch in fremde Hände gelangt sind. Eine Bank-Coop-Kundin aus Mettmenstetten schildert 20 Minuten, sie habe am Mittwochmorgen neben ihrem eigenen Auszug zwei Dokumente von Personen aus Maschwanden erhalten.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Verantwortlich für den Lapsus ist laut der Bank ein Programmfehler beim Jahresendversand. Die Ursache sei eruiert und es seien Massnahmen ergriffen worden, damit sich der Fehler in Zukunft nicht wiederhole. Der Blick.ch schreibt als Erklärung für die Panne, die falschen Zustellungen stünden in Zusammenhang mit der Einführung einer neuen Punkteübersicht für das Supercard-Programm, was die Bank im Verlauf des Tages bestätigt hat.

Wegen des Vorfalls kommt die Bank Coop in Konflikt mit dem Bankgeheimnis, wie die Sprecherin im Gespräch einräumt. Man sei in Kontakt mit der Finanzaufsicht (Finma) und sei sich bewusst, dass die Sache Konsequenzen haben könnte. «Die Staatsanwaltschaft hat ein polizeiliches Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der fahrlässigen Verletzung des Bankgeheimnisses eröffnet», sagt der Basler Kriminalkommissär Peter Gill auf Anfrage von 20 Minuten.

Bank Coop zählt 272'000 Kunden

Die Bank Coop mit Sitz in Basel gehört seit 1999 mehrheitlich der Basler Kantonalbank (BKB). Sie zählte Ende 2012 rund 272'000 Kunden und verfügte über eine Bilanzsumme von etwas mehr als 15 Milliarden Franken. Das Finanzinstitut wurde 1927 vom Verband der Konsumvereine (heute Coop) und dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund gegründet.

Deine Meinung